200 Jahre Cannstatter Volksfest Besucher loben das Historische Volksfest in höchsten Tönen

Von Peter Buchholtz 

Seit Mittwoch lockt das Fest tausende Menschen auf den Stuttgarter Schlossplatz. Die sind begeistert von den Buden und den Schaustellern und haben meist einen Wunsch.

Das Interesse am Historisches Volksfest ist groß. Foto: Andreas Rosar 6 Bilder
Das Interesse am Historisches Volksfest ist groß. Foto: Andreas Rosar

Stuttgart - Vor allem Familien und ältere Leute zieht es auf das Historische Volksfest auf dem Stuttgarter Schlossplatz. Über 20 Fahrgeschäfte und Attraktionen bietet der „kleine Wasen“, von der Konzertorgel über den Floh-Zirkus bis zur spektakulären Raupenbahn. Immer wieder streifen Gruppen in altertümlichen Uniformen und Kleidern über den Platz vor dem Neuen Schloss, hunderte Besucher umringen die akrobatische Seiltanzshow inmitten der Buden. Die alten Traktoren werden vor allem von den männlichen Besuchern genauestens inspiziert und fotografiert.

Sebastian Heck ist aus Asperg mit seiner Frau und den zwei Kindern gekommen. Beide finden, dass das Historische Volksfest viel an einem Platz bietet und die Größe super für die Kinder ist. „Ich find’s klasse. Es ist verglichen mit dem Cannstatter Wasen nicht so voll, nicht so überlaufen“, sagt Heck, der Angestellter bei der Stadt Stuttgart ist. Sie seien gezielt hergekommen, auf den Wasen würden sie heute nicht mehr gehen. „Ich finde alte Sachen generell toll, auch die alten Schlepper, die da stehen. Das historische Volksfest könnte man auch jedes Jahr haben als Alternative“, meint der 39-Jährige.

Es ist einfach nostalgisch

Für die Stuttgarterin Jasmin Ostertag, die am Sonntag selbst beim historischem Umzug in Cannstatt mitgelaufen ist, sind vor allem die alten Fahrgeschäfte ein Besuch wert: „Es ist toll hier. Ich finde es auch schön, dass man sich an einfachen Fahrgeschäften und Schaustellern erfreuen kann.“ Die Seiltänzer-Familie gefalle ihr auch gut. Die Leute, die zugesehen hatten, seien alle fasziniert gewesen. Das große Volksfest gefalle ihr inzwischen nicht mehr so gut. „Der Cannstatter Wasen hat sich in den letzten Jahren halt sehr zu einem kommerziellen Fest verändert. Hier geht es nicht um höher, schneller, weiter – es ist nostalgisch. Dem 200-Jahr-Jubiläum wird es gerecht“, sagt die 46-jährige Ingenieurin.

 

Gunter Schmidt, Dienstgruppenleiter bei der Polizei Stuttgart, ist seit zwei Stunden mit seiner Kollegin auf Streife und schätzt die angenehmen Leute, die unterwegs sind. „Das Historische Volksfest ist einzigartig, das hat es vorher nicht gegeben. Es wird illustrativ gezeigt, wie das Volksfest entstanden ist“, sagt der 45-Jährige. Es sei beeindruckend, wie die Leute anstehen und die Buden bewundern. Als Polizisten würden sie von den Besuchern viel angesprochen werden, hauptsächlich aber nach dem Weg gefragt. „Privat komme ich nicht hierher, ich bin eher so der Naturmensch. Auf den großen Wasen gehen wir vielleicht mal im Schichtverbund, so als Berufsausflug.“

Hoffnung auf eine Wiederauflage

Die Lehrerin Mariella Martino ist mit ihrem Freund auf dem Historischen Volksfest unterwegs und kommt schon nach einer Viertelstunde aus dem Staunen nicht mehr raus: „Es ist voll super, ich finde es total bombig. Ich finde diese Buden total witzig, weil sie so alt sind.“ Sie bedauern beide, dass das historische Fest nur einmalig stattfinden soll. Es sei insgesamt total entspannt, selbst die Musik. „Wir sind gerade Autoscooter gefahren, das war gut. Der Einsitzer ist sehr zu empfehlen. Ich will jetzt noch frische Chips essen, die gibt es da hinten an einem Stand“, sagt die 36-jährige Stuttgarterin. „Wir kommen bestimmt nochmal wieder und hoffen, dass die das historische Volksfest nochmal machen.“

Viele der älteren Besucher fühlen sich bei den Buden an alte Zeiten erinnert. So auch Hans-Dieter Schuler: „Mir gefällt es sehr gut hier. Es ist beeindruckend, wie viele Leute bunt gemischt hier sind. Ich finde das Angebot natürlich großartig. Durch viele Fahrgeschäfte fühle ich mich an meine frühe und späte Jugend erinnert, die Raupenbahn muss allerdings vor meiner Zeit gewesen sein.“ Auch der 70-Jährige Trochtelfinger findet es schade, dass es wahrscheinlich hundert Jahre dauert, bis das historische Volksfest wiederkommt: „Wegen mir könnte es das jedes Jahr geben. Ich würde auch jedes Jahr kommen, so lange ich noch kann.“ Vom Anschauen sei der Autoscooter sein Favorit, „beim Pferderennen habe ich mitgemacht und war erfolgreich Dritter.“