Marsel Sakollari im Freibad Hoheneck. „Hier sollen sich alle wohlfühlen“, erklärt der neue Leiter des Bades. Foto: Avanti/Ralf Poller
Als Teenager kam er aus Albanien nach Deutschland, er lernte deutsch und machte eine Ausbildung. Mit 22 Jahren leitet er nun das Freibad im Ludwigsburger Stadtteil Hoheneck. Wir haben Marsel Sakollari am Beckenrand getroffen.
Lea Krug
16.08.2024 - 09:23 Uhr
Der eine Junge bekommt gerade noch ein Pflaster, da rennt schon der nächste schreiend vorbei. Im Freibad Hoheneck ist einiges los. „Wahrscheinlich ein Wespenstich“, sagt Marsel Sakollari. Der Badeleiter lässt sich von solchen Dingen nicht aus der Ruhe bringen. Trotz des großen Trubels hier wirkt er entspannt.
Der gebürtige Albaner hat das Bad fest im Blick, er ist seit Anfang des Jahres der neue Leiter – mit erst 22 Jahren. Im Jahr 2018 hat Marsel Sakollari die Ausbildung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe bei den Stadtwerken Ludwigsburg begonnen, nach wenigen Jahren Berufserfahrung wurde er schon zum neuen Leiter des Freibades ernannt. „Viele meiner Mitarbeiter sind älter als ich“, erzählt Sakollari. Ein Problem sei das aber nicht.
Was ihn an seinem Beruf gereizt habe? „Arbeit an der frischen Luft ist einfach schön“, sagt er. Schon während seiner Ausbildung sei das Freibad sein liebstes Bad in Ludwigsburg und Umgebung gewesen.
Marsel Sakollari musste als Teenager früh lernen, auf eigenen Beinen zu stehen. Mit 15 Jahren kam er als Flüchtling aus Albanien nach Deutschland und landete erst einmal beim Jugendamt in Stuttgart. Er lernte Deutsch, macht seinen Hauptschulabschluss und startete mit 16 Jahren die Ausbildung bei den Stadtwerken.
„Ich musste sogar das Schwimmen noch einmal richtig lernen. In Albanien gibt es keinen Schwimmunterricht. Da ging es nur drum, nicht unterzugehen“, erzählt er. Die klassischen Schwimmstile musste er sich also erst noch einmal aneignen. Als Kind habe er in der Nähe des Meeres gelebt, das habe er immer geliebt. Nun ist er froh, dass er direkt am Beckenrand eines Freibades arbeiten kann.
Einfach sei der Weg nicht gewesen, deutet er an. Albanien wurde vor einigen Jahren zum sicheren Herkunftsland erklärt, der junge Sakollari musste einiges nachweisen, um überhaupt in Deutschland bleiben zu dürfen.
Spielenachmittag mit Action für Kinder
Heute führt er stolz durch das Bad, um dessen Vorzüge zu präsentieren. „Seit diesem Jahr gibt es sogar selbst gemachtes Eis. Wir haben eine neue Pächter. Sie geben sich wirklich viel Mühe“, erzählt er. Für viele Familien sei das Bad die Alternative zum Urlaub im Ausland. Vor allem für Kinder sei viel geboten, so der 22-Jährige. „Montags bieten wir in den Ferien immer einen Spielenachmittag an. Wir haben einen Oktopus und einen Drachen aus Gummi, die wir dann auf das Wasser lassen. Hier können sich die Kinder austoben“, erzählt er.
Das Freibad will vor allem ein attraktiver Ort für Familien sein. Foto: Avanti/Avanti/Ralf Poller
Angesprochen auf die typischen Freibad-Diskussionen, reagiert er gelassen. Unter den Gästen immer wieder Thema: die Temperatur der verschiedenen Becken. „Im Schwimmerbecken haben wir mindestens 23 Grad. Manchmal beschweren sich Leute, dass das zu kalt sei, aber ich finde, das ist die optimale Abkühlung“, sagt Sakollari. Etwas wärmer sei das Nichtschwimmerbecken mit 24 Grad, das Planschbecken kommt sogar auf mindestens 27 Grad.
Was hält Sakollari von der Oben-ohne-Diskussion?
Für mediale Debatten sorgte im vergangenen Jahr die Frage, ob auch Frauen das Schwimmen und Sonnen oben ohne gestattet werden sollte. Unter anderem in Göttingen, Siegen, Köln, Hannover und Berlin soll es Freibäder geben, in denen das nun erlaubt sein soll. Die Argumentation von Befürworterinnen und Befürwortern: Was Männern erlaubt ist, sollte auch Frauen zugestanden werden.
Im Freibad Hoheneck will man allerdings an den klassischen Freibad-Bekleidungsregeln festhalten. „Wir sind ein Bad für Familien“, betont Sakollari. Dazu passe eine solche Regelung aus seiner Sicht nicht. Allerdings habe er auch nicht den Eindruck, dass das Thema für die meisten Gäste im Bad eine große Rolle spielen würde – vor allem nicht im Becken. Ab und zu komme es vor, dass sich eine Frau auf der Liegewiese oben ohne sonne. So lang sich daran niemand störe, greife man da aber auch nicht ein. Ähnliches gelte etwa auch fürs Musikhören mit Boxen, oftmals drücke man auch hier ein Auge zu. „Das Ziel ist, dass sich hier alle wohlfühlen“, betont der 22-Jährige.
Preise, Öffnungszeiten und Familientag
Preise und Öffnungszeiten Erwachsene zahlen im Freibad Hoheneck 5,50 Euro, ermäßigt drei Euro; Saisonkarte Erwachsene 95, ermäßigt 65 Euro. Geöffnet hat das Bad von 6.30 Uhr bis 20 Uhr, montags und donnerstags von 10 bis 20 Uhr. Der Kassenschluss ist jeweils 45 Minuten vor Badeschluss.
Familientag Am 14. September findet ein Familientag statt, bei dem es sportlich zugehen wird. Es wird ein großes Programm mit den Vereinen aus der Region geben. Unter anderem kann man Schwimmabzeichen ablegen.