22 neue Würdenträger Kretschmann würdigt Vorbilder für die Bürger

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Sie haben sich um die Aufarbeitung nationalsozialistischer Verbrechen bemüht oder jahrzehntelang Angehörige gepflegt. Dafür haben 22 Bürger nun den Verdienstorden des Landes bekommen.

Der Orden wird seit 1975 verliehen. In diesem Jahr gibt es ihn zum ersten Mal im neuen Design. Foto: Staatsministerium
Der Orden wird seit 1975 verliehen. In diesem Jahr gibt es ihn zum ersten Mal im neuen Design. Foto: Staatsministerium

Ludwigsburg - Von der langjährigen Präsidentin der Landfrauen Hannelore Wörz bis zum ehemaligen Ulmer Oberbürgermeister Ivo Gönner reicht das Spektrum der neuen Träger des Verdienstordens des Landes Baden-Württemberg. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat am Samstag im Schloss Ludwigsburg 22 Persönlichkeiten mit dem neu gestalteten Orden ausgezeichnet. Kretschmann würdigte die Geehrten als „echte Vorbilder für die Menschen unseres Landes“. Einsatzbereitschaft und Engagement für die Mitmenschen seien für das Allgemeinwohl von großer Bedeutung. Bürger könnten nicht nur durch Wahlen etwas verändern, auch in Vereinen, Unternehmen oder Hilfsorganisationen könnten wichtige Dinge gestaltet werden, so der Ministerpräsident.

Zu den Geehrten gehört zum Beispiel Michael Bamberg, der Leitende Ärztliche Direktor des Uniklinikums Tübingens. In der Laudatio heißt es, Bamberg habe die Klinik zu einer der führenden Uniklinken Deutschlands gemacht. Auch als Vorsitzender der Deutschen Krebshilfe habe er Wegweisendes geschaffen. Das Engagement in der Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen trät Kurt Schrimm einen Orden ein. Schrimm hat 15 Jahre lang die Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen in Ludwigsburg geleitet. Ihm sei es zu verdanken, dass die Ermittlungen gegen NS-Verbrecher eine völlig neue Dynamik bekommen hätten, heißt es in der Laudatio. Letztlich hätten Josef Schwammberger und John Demjanjuk aufgrund der ausdauernden Vorarbeiten Schrimms verurteilt werden können.

Zu den Ordensträgern mit klangvollen Namen zählen Jossi Wieler, der Intendant der Staatsoper Stuttgart, Jean-Baptiste Joly, der Leiter der Stiftung Akademie Schloss Solitude, Hans-Jörg Vetter, der scheidende Vorstandsvorsitzende der LBBW, oder der Fußballer Sami Khedira, der sich für benachteiligte Kinder und Jugendliche stark macht. Dazu kommen langjährige Abgeordnete und verdiente Unternehmer.

Noch nie gehört haben wohl die meisten den Namen von Emilie Bauer. Die Stuttgarterin kam gegen Ende des zweiten Weltkriegs aus Bessarabien, der heutigen Ukraine. Auf der Flucht erkrankten ihre damals kleinen Kinder an Hirnhautentzündung. Ihr Sohn ist seither schwer behindert. Seit mehr als 70 Jahren pflegt Emilie Bauer ihren Sohn alleine zuhause, ohne fremde Hilfe oder staatliche Unterstützung. Bauer habe sich Güte, Herzenswärme und Fröhlichkeit erhalten. Sie wird gewürdigt als „Vorbild für unser Gemeinwesen und leuchtendes Beispiel praktizierter Nächstenliebe“.