2:3-Pleite im Pokalfinale Große Enttäuschung – aber auch eine Kampfansage von Allianz MTV Stuttgart

Traurige Verliererinnen von Allianz MTV Stuttgart nach der Siegerehrung (v. li.): Antonia Stautz, Eleanor Holthaus, Pia Kästner. Foto: Baumann/Julia Rahn

Die Stuttgarter Volleyballerinnen können nach katastrophalem Start im Pokalfinale gegen den VfB Suhl das Momentum nicht nutzen. Nun zählt nur noch die Meisterschaft.

Sport: Jochen Klingovsky (jok)

Auch vier Stunden nach der Pleite im Pokalfinale war das Lächeln noch nicht zurückgekehrt. Die Augen der Stuttgarter Volleyballerinnen blickten ins Leere, als sie bei der Siegerehrung ein paar Meter neben dem Podest standen, auf dem die Konkurrentinnen vom VfB Suhl ihren Triumph feierten. Alle wollten diese wertlosen Silbermedaillen, die ihnen umgehängt worden waren, schnellstmöglich loswerden und nur noch weg – raus aus dem Fokus der Kameras und der Halle, in der sie diese schmerzhafte 2:3-Niederlage (17:25, 18:25, 25:15, 25:23, 13:15) kassiert hatten. „Der Frust“, sagte Pia Kästner, „ist schon sehr groß.“ Über das Ergebnis. Über die verspielte Chance. Aber auch über die eigene Leistung.

 

Ausgerechnet im bislang wichtigsten Spiel der Saison hatte Allianz MTV Stuttgart zwei Sätze lang nicht stattgefunden. Der VfB Suhl, der dem Spitzenreiter eine Woche zuvor in der Bundesliga die erste Niederlage zugefügt hatte, überrannte den Favoriten mit großer Offensivwucht und seiner überragenden Diagonalangreiferin Monika Brancuska (33 Punkte), mentaler Stärke und gedanklicher Schnelligkeit. Das Zwischenresultat wäre noch deutlicher ausgefallen, hätten die Stuttgarterinnen am Schluss nicht jeweils drei Satzbälle abgewehrt. „Es ist völlig unerklärlich, wie man zwei Sätze eigentlich gar nicht da sein kann“, sagte der fassungslose Geschäftsführer Aurel Irion, „das war absolut enttäuschend.“ Aber noch lange nicht das Ende.

Pia Kästner: „Das ist doppelt bitter“

Im dritten Durchgang kippte die Partie. Zuspielerin Pia Kästner pushte sich, ihr Team und den Stuttgarter Fanblock, Lucia Varela Gomez gelangen fünf (!) Asse in Serie, die von der Bank gekommenen Mikala Mogensen und Anna Koulberg brachten wertvolle Impulse. Das reichte, um auch den vierten Satz nach einem 6:12-Rückstand noch zu drehen. Außenangreiferin Mogensen machte mit zwei Punkten zum 24:22 und 25:23 den 2:2-Ausgleich perfekt. „Wir sind superscheiße ins Spiel gestartet, hätten den Anfang niemals so verschlafen dürfen“, sagte Pia Kästner, „aber wir sind toll zurückgekommen und haben gezeigt, was für ein geiles Team wir sind. Leider haben wir das Momentum wieder weggegeben – deshalb ist das alles hier doppelt bitter.“

Manchmal kann eine Siegerehrung hart sein: die Volleyballerinnen von Allianz MTV Stuttgart nach dem verlorenen Pokalfinale. Foto: Baumann/Julia Rahn

Auch im Tie-Break, in dem sich beide Teams viele Fehler leisteten, hatten die Stuttgarterinnen 4:7 hinten gelegen, dann allerdings erneut die Wende geschafft. Beim Stand von 13:11 fehlten ihnen nur noch zwei Punkte zum Pokalsieg – doch dann gelangen dem VfB Suhl vier Zähler in Folge, die beiden letzten durch starke Blocks. Danach brachen alle Dämme. Die Thüringerinnen weinten vor Glück, bei einigen Stuttgarterinnen flossen Tränen der Enttäuschung, des Frusts und des Missmuts. Vor allem Antonia Stautz haderte mit der Niederlage. Die MTV-Kapitänin hatte mit dem SC Potsdam zwei Pokalendspiele in der SAP-Arena verloren und auf ihren ersten großen Titel gehofft – vergebens. „Wir sind anfangs total angespannt gewesen. Die ersten beiden Sätze waren miserabel“, sagte Trainer Konstantin Bitter, „trotzdem bin ich stolz darauf, wie wir zurückgekommen sind. Die Resilienz, die wir gezeigt haben, verdient Hochachtung. Wir hatten alle Vorteile auf unserer Seite, am Ende fehlte uns jedoch der Killerinstinkt. Das hat wehgetan.“ Auch dem Geschäftsführer.

Geschäftsführer Aurel Irion ist bedient

Aurel Irion war nach dem verpassten Titel ziemlich bedient. „Unser Comeback hat mich gefreut, weil es gezeigt hat, dass wir wenigstens gekämpft haben“, sagte er, „doch wenn ich ehrlich bin, hat der VfB Suhl absolut verdient gewonnen. Unser Gegner war in allen Belangen besser und wollte diesen Sieg mehr. Das hat man von der ersten Sekunde an gespürt.“ Was sich ziemlich ernüchtert anhörte, war auch so gemeint: „Der VfB Suhl ist im Moment mental einen Tick stärker als wir und für die Play-offs um die Meisterschaft höher einzuschätzen.“ Tatsächlich?

Allianz MTV Stuttgart kann in den Heimspielen gegen den VC Wiesbaden (Mittwoch, 19.30 Uhr) und den USC Münster (Samstag, 18.05 Uhr) Platz eins in der Bundesliga-Hauptrunde perfekt machen, hätte damit im Kampf um die Meisterschaft eine perfekte Ausgangsposition. „Wir werden alle Kräfte mobilisieren“, sagte Pia Kästner, „unser voller Fokus ist nun darauf ausgerichtet, die Schale zu holen.“ Ähnlich hörte sich die Kampfansage von Konstantin Bitter an: „Insgesamt spielen wir bisher eine geile Saison. Für die Duelle um die Meisterschaft bin ich voller Zuversicht.“ Der VfB Suhl allerdings auch.

„Wir haben jeden Gegner in der Bundesliga mindestens einmal geschlagen“, sagte Laura Berger kurz nach dem Coup in der SAP-Arena mit reichlich goldenem Lametta über den Schultern, „der Pokal gehört uns. Jetzt wollen wir Meister werden.“ Die Botschaft ist angekommen. Ganz sicher auch bei Allianz MTV Stuttgart.

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