24-jähriger Mann festgenommen War Frust das Motiv für Anschlag auf Gerlinger Pizzeria?

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Die Hintergründe des Brandanschlags am Freitagabend in Gerlingen bleiben mysteriös. Die Polizei sieht keine Hinweise auf eine Verbindung zur Mafia. Bei dem mutmaßlichen Täter handelt es sich um einen ehemaligen Mitarbeiter des Restaurants.

Die Pizzeria  war am Freitag Ziel eines Brandanschlags. Foto: factum/Simon Granville
Die Pizzeria war am Freitag Ziel eines Brandanschlags. Foto: factum/Simon Granville

Gerlingen - Wer ist der Mann, der am Freitagabend versucht hat, die Pizzeria Da Carlo in Gerlingen in Brand zu stecken? Der mutmaßliche Täter, laut der Polizei ein 24-jähriger Mann, hatte die Fassade des Gebäudes gegen 22.45 Uhr mit einer brennbaren Flüssigkeit bespritzt und anschließend angezündet. Spielt die private Situation des Mannes eine Rolle? Oder steckt die Mafia dahinter, wie jetzt in sozialen Netzwerken gemutmaßt wird – obwohl es für die Gerüchte keine handfeste Grundlage gibt?

Rund 15 Gäste hatten sich am Freitag noch in dem Restaurant aufgehalten. Zwei Zeugen, die gerade wegfahren wollten, wurden laut der Polizei auf den Brand aufmerksam. Das Ehepaar beobachtete den 24-Jährigen und sah ihn davonlaufen. Der hinzugerufene Wirt löschte den Brand mit einem Feuerlöscher. An der Hausfassade entstand ein Sachschaden in Höhe von insgesamt rund 10 000 Euro. Verletzt wurde niemand. Die Feuerwehr leuchtete den Ort bis Mitternacht für die ermittelnden Kripobeamten aus.

Der mutmaßliche Täter stammt aus Italien

Eine Fahndung nach dem Täter blieb zunächst ohne Erfolg. Der Tatverdächtige, der nach dem Brandanschlag zunächst in ein nahe gelegenes Bistro geflüchtet war, bat dort dann eine Frau, die Polizei zu alarmieren, weil man ihn suche. Kurz nach 1 Uhr nahm die Polizei den 24-Jährigen, der mutmaßlich unter Drogeneinfluss stand und sich in einer psychischen Ausnahmesituation befand, vorläufig fest. Der Haftrichter erließ am Montag Haftbefehl wegen schwerer Brandstiftung gegen den Mann, der aus Italien kommt und keinen festen Wohnsitz hat. Er wurde in ein Justizvollzugskrankenhaus eingewiesen.

Die Hintergründe sind derzeit noch unklar. Möglicherweise hängt die Tat damit zusammen, dass der Täter bis vor wenigen Wochen in der Pizzeria gearbeitet hat. „Es kann sein, dass das Motiv in einem zurückliegenden, beendeten Arbeitsverhältnis liegt“, sagt der Ludwigsburger Polizeisprecher Peter Widenhorn.

Die Pächterin der Pizzeria, Melanie Greco, bestätigt zwar, dass es sich bei dem Mann um einen ehemaligen Mitarbeiter handelt. Aber was ihn angetrieben haben könnte, wisse sie nicht. „Ich möchte es allerdings wissen.“ Auch deshalb hat sie einen Rechtsanwalt eingeschaltet. Die vor allem in den sozialen Netzwerken geäußerte Mutmaßung, die Mafia könne bei dem Brandanschlag eine Rolle spielen, kennt Greco. Allerdings weist sie jegliche Verbindung weit von sich. „Nur weil wir Italiener sind und eine Pizzeria haben? Wir haben nichts mit der Mafia zu tun“, sagt die Mutter zweier Kinder.

Zusammenhang mit der Mafia?

Die Polizei sieht keinen Zusammenhang zur Mafia: „Es deutet nichts darauf hin“, sagt Widenhorn. Die Motive lägen wohl im persönlichen Bereich. Doch woher kommen die Gerüchte? Sie fußen wohl auf der Tatsache, dass der als „Mafia-Pate von Stuttgart“ bekannte Mario L. wenige Kilometer entfernt in Stuttgart-Weilimdorf eine Pizzeria hatte. Er war im September in Italien wegen seiner Mafia-Mitgliedschaft zu einer Haftstrafe von zehn Jahren und acht Monaten verurteilt worden. Mario L. war laut italienischer Staatsanwaltschaft die zentrale Figur eines Netzwerks, das in Süddeutschland illegale Geschäfte betrieb. Die Pizzeria in Weilimdorf wiederum war in den Schlagzeilen, weil Mario L. dort „kalabrische Abende“ für die CDU veranstaltet hatte. Das brachte in den 90er Jahren auch den damaligen Chef der CDU-Landtagsfraktion, Günther Oettinger, in Bedrängnis. Oettinger ist heute EU-Haushaltskommissar.

Der Journalist und Mafia-Experte Sandro Mattioli hält dagegen nichts von dieser „verkürzten Betrachtung“. Wie er unserer Zeitung sagte, könne man nur wegen der räumlichen Nähe keinen Zusammenhang herstellen. „Sich auf wenige Orte zu konzentrieren, ist nicht sinnvoll, weil die Mafia-Dichte insgesamt sehr hoch ist“, sagt Mattioli in Bezug auf Stuttgart.