24. Mühlentag beginnt in Rudersberg-Michelau Ein Technikdenkmal von besonderer Bedeutung

Die Ölmühle in Michelau ist eine Rarität. Hier wird der Mühlentag eröffnet. Foto: Stoppel
Die Ölmühle in Michelau ist eine Rarität. Hier wird der Mühlentag eröffnet. Foto: Stoppel

Der Rems-Murr-Kreis ist reich an Mühlen. Am Pfingstmontag, 5. Juni, öffnen 13 Mühlen von 11 bis 17 Uhr ihre Türen und geben einen Einblick in ihr historisches Innenleben, auch die Ölmühle in Michelau.

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Rems-Murr-Kreis - Der traditionsreiche, bundesweit begangene Mühlentag ist im Schwäbischen Wald ein Pflichttermin für Freunde der Mühlenoldies. Immer am zweiten Pfingstfeiertag, in diesem Jahr am 5. Juni, öffnen die Technikveteranen Türen und Tore und lassen sich in ihrem altertümlichen Charme mit Mehlstaub und Wasserrädern bestaunen.

Die Manager des Mühlentags haben zu dessen Eröffnung einen würdigen Vertreter der Mühlenkultur im Nordosten des Rems-Murr-Kreises auserwählt: an der Ölmühle Michelau im Wieslauftal (Gemeinde Rudersberg) wird der Rems-Murr-Landrat Richard Sigel das Startsignal für das Mühlenspektakel im Schwäbischen Wald geben. Die Ölmühle, Rarität und Prachtexemplar zugleich, kann sich rühmen, die älteste ihrer Art in Baden-Württemberg zu sein. Sie entstand in jener Epoche, als das Zeitalter der Industrialisierung heraufzog und langsam auch die Rumpeltechnik der vielen alten Mühlen zwischen Welzheim, Gschwend und Murrhardt erfasste. Schon Mitte des 18. Jahrhunderts, so ist überliefert, wurde in Michelau aus Leinsaat und Raps sowie aus Walnüssen, Kürbiskernen und Bucheckern Öl gewonnen.

Wenig Verdienst für Ölproduzenten

Doch diese Zeit ist längst vergangen, Mitte der 1950er-Jahre, als das Mühlensterben einsetzte, kam auch das Aus für den Öl produzierenden Kleinbetrieb in Michelau. Mit dem waren keine so fetten Einkünfte zu erzielen wie die eines arabischen Ölprinzen. Im Gegenteil: Die einstigen Ölproduzenten in hiesigen Breiten waren schon froh, wenn sie einigermaßen über die Runden kamen.

Das technische Interieur der Ölmühle vermittelt den Besuchern einen lebendigen Eindruck davon, wie die kleine Raffinerie dereinst funktionierte. Gerätschaften und Maschinenbestand sind noch komplett vorhanden. Doch nach ihrem jahrzehntelangen Stillstand sei es nicht mehr möglich gewesen, sie mit vertretbarem Geldaufwand wieder in beweglichen Zustand zu versetzen, erzählt Richard Horn, der die Ölmühle, die der Gemeinde Rudersberg gehört, ehrenamtlich betreut. Bei Führungen weiß der Mann anschaulich zu berichten, wie die Ölgewinnung vonstatten ging.

Ein knapp 40 Kilometer langer Rundweg

Nach Auskunft von Dietrich Frey aus Welzheim, der seit mehr als zwei Jahrzehnten den Mühlentag im Schwäbischen Wald organisiert, ist nun auch die Michelauer Ölmühle in den Streckenverlauf des weithin bekannten Mühlenwanderwegs aufgenommen worden. Desgleichen die Glattenzainbachmühle im Murrhardter Stadtteil Kirchenkirnberg. Der insgesamt 37 Kilometer lange Rundweg verbindet insgesamt elf historische Mahlbetriebe, für kürzere Wanderungen ist die Gesamtstrecke in fünf verschiedene Abschnitte aufgeteilt worden.

Dietrich Frey denkt bereits an den Mühlentag im kommenden Jahr. Da ist ein Jubiläum fällig: die 25. Mühlenpräsentation. Zu diesem Anlass soll die historische Hummelgautsche in Alfdorf wieder auf Vordermann gebracht werden. Ihr neues Wasserrad ist bereits fertig – hergestellt von einer Rentnercrew, die sich schon in den vergangenen Jahren um den Erhalt der Museumsmühlen im Schwäbischen Wald verdient gemacht hat.




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