Rund 10.000 Kinder beteiligen sich am 24-Tage-Lauf für Kinderrechte. Jugendliche entscheiden, welche Projekte von den erlaufenen Spenden profitieren. Ein Besuch bei der Jurysitzung.

Familie/Bildung/Soziales: Alexandra Kratz (atz)

Wenn im Sitzungssaal des Rathauses diskutiert wird, geht es meistens um viel Geld. So ist es auch an diesem Vormittag. Doch am Ratstisch sitzen keine Stadträte, sondern Jugendliche. Genauer gesagt sind es die Elftklässler des Raichberg-Gymnasiums in Ebersbach sowie die beiden Schülersprecher Emre und Elia. Als Jugendjury beraten sie darüber, wofür die Stuttgarter Kinderstiftung in diesem Jahr die beim 24-Tage-Lauf für Kinderrechte eingenommenen Spenden verwenden soll. Für die Jugendjury auserkoren wurde das Raichberg-Gymnasium, weil es einen Teil der Einnahmen aus dem Adventsbasar an die Kinderstiftung gespendet hatte.

 

55 Projekte haben sich dieses Jahr bei der Kinderstiftung beworben. Im Vergleich zu 2025 ist das fast eine Verdopplung. „Der Bedarf steigt, diesmal haben uns schon sehr früh viele Förderanträge erreicht“, sagt Silke Schmidt-Dencker, die Geschäftsführerin der Kinderstiftung, und ergänzt: „Das liegt wohl daran, dass Organisationen teilweise weniger Förderung erhalten.“ So hat unter anderem die Stadt Stuttgart vor dem Hintergrund der angespannten Haushaltslage die Zuschüsse für freie Träger gekürzt.

Dass für viele sinnvolle Initiativen aktuell Geld fehlt, ist den beiden 14-jährigen Schülersprechern vor ihrer Teilnahme an der Jurysitzung so nicht klar gewesen. „Ich hätte gedacht, dass ein Trinkbrunnen an einer Schule von der Stadt zur Verfügung gestellt werden muss“, sagt Elia. Und auch Präventionsprojekte, um Kinder vor sexualisierter Gewalt zu schützen, seien doch eigentlich viel zu wichtig, als dass sie nicht vom Staat finanziert werden.

Die Jugendlichen lernen viel an diesem Tag

Für die Jugendlichen ist es ein lehrreicher Tag. Jeder von ihnen stellt zwei Projekte vor, erklärt, was diese mit den Kinderrechten zu tun haben, und argumentiert, warum es sich lohnen würde, diese zu fördern. „Dabei habe ich gelernt, meine Meinung vor anderen Leuten zu präsentieren und dafür einzustehen“, sagt Emre. Außerdem sei ihm noch einmal viel klarer geworden, dass Ressourcen limitiert seien und man Prioritäten setzen müsse, um sie sinnvoll einzusetzen. Er habe auch erfahren, dass Kinder und Jugendliche sehr wohl wahrgenommen werden und etwas erreichen können, wenn sie für ihre Ziele kämpfen, ergänzt Elia.

Die beiden begleitenden Lehrkräfte sind sich sicher, dass die Jugendlichen durch ihre Teilnahme an der Jurysitzung politische Prozesse nun besser verstehen. Dass die Veranstaltung in einem richtigen Sitzungssaal stattfinde, verleihe ihr noch einmal zusätzlich Gewicht, sagt Kai Ratzel. „Die Jugendlichen machen ihre Sache gut. Wir sind stolz auf sie“, ergänzt Janina Weinbauer.

Das sieht Silke Schmidt-Dencker genauso. „Die Schülerinnen und Schüler waren super vorbereitet und es war eine tolle Diskussion“, sagt sie im Nachgang der Sitzung. Für die Kinderstiftung habe es einen großen Mehrwert, die Abstimmung über die zu fördernden Projekte auch in die Hände junger Leute zu legen. „Sie haben noch einmal einen ganz anderen Blick auf die Sache“, so die Geschäftsführerin.

Die Stuttgarter Kinderbeauftragte Maria Haller-Kindler hat am Montag den Startschuss für den diesjährigen 24-Tage-Lauf gegeben. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Neben den 22 Jugendlichen gehören auch zehn Erwachsene aus dem Kreis der Sponsoren zur Jury. Alle zusammen priorisieren am Ende die eingereichten Förderanträge. „Je mehr Spenden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erlaufen, desto mehr Projekte können wir unterstützen. Daher würden wir gerne die 100.000-Euro-Marke knacken“, sagt Silke Schmidt-Dencker.

Mitmachen ist noch möglich

Der 24-Tage-Lauf, den die Kinderstiftung zusammen mit dem Sportkreis Stuttgart organisiert, dauert bis 14. Mai. Mitmachen ist noch möglich – zusammen mit Kollegen, Vereinsfreunden, der Familie oder als Einzelkämpfer. Für jeden gelaufenen Kilometer spenden die Sponsoren einen bestimmten Betrag. In diesem Jahr beteiligen sich allein 30 Schulen mit rund 10.000 Mädchen und Jungen. Dazu organisieren die Schulen jeweils einen Aktionstag, an dem sie auch über die Kinderrechte informieren.

An Himmelfahrt überreichen die Schirmherrinnen des Laufs – die bisherige Landtagspräsidentin Muhterem Aras und die Stuttgarter Bildungsbürgermeisterin Isabel Fezer – Pokale in verschiedenen Kategorien. Die Preisverleihung findet auf dem Kronprinzplatz statt, der vor Kurzem in „Platz der Kinderrechte“ umbenannt wurde.