Max Reinhardt gilt als kommunalpolitischer Hansdampf in allen Gassen. Foto: Stefanie Schlecht
Der 25-jährige Max Reinhardt aus Sindelfingen verkündet als Zweiter seine Kandidatur für das Amt des Oberbürgermeisters. Er wäre in diesem Amt der jüngste in Baden-Württemberg – eine Parallele zum scheidenden Bernd Vöhringer.
Kurz vor Weihnachten bringt der Sindelfinger FDP-Stadtrat Max Reinhardt Klarheit in die Gerüchte um seine Person: Er kandidiert für das Amt des Sindelfinger Oberbürgermeisters. Seit der Amtsinhaber Bernd Vöhringer (CDU) Anfang Dezember verkündet hat, nicht für eine vierte Amtszeit zur Verfügung zu stehen, fiel kein Name öfter als der von Reinhardt. „Ich bin bereit, mit frischen Ideen, meiner ganzen Tatkraft, meinen Fähigkeiten Projekte erfolgreich umzusetzen und Menschen zusammenzubringen und diese Stadt in eine gute, lebenswerte Zukunft zu führen“, sagt er am Freitagmorgen. Vor ihm hat bereits der Ehninger Bürgermeister Lukas Rosengrün (SPD) seine Kandidatur bekannt gegeben.
Als Ort, um seine Kandidatur bekannt zu geben, wählt er das Café Fráula in der Nähe des Sindelfinger Rathauses. Den kurzfristig einberufenen Pressetermin erreicht er mit Verspätung, ein berufliches Telefonat habe ihn noch gebunden. Der 25-Jährige steht in den Diensten der international tätigen Stuttgarter Wirtschaftskanzlei Gleiss Lutz. Doch jetzt legt er seinen Fokus voll und ganz auf seine Heimatstadt: „Diese Aufgabe ist für mich eine absolute Herzenssache“, sagt er. Obwohl mit 25 Jahren noch vergleichsweise jung, bringe er dafür eine Menge mit, sagt er.
Seit 2019 sitzt er für die FDP im Sindelfinger Gemeinderat, wurde in diesem Jahr mit den meisten Stimmen seiner Partei wiedergewählt und schaffte es zudem in den Kreistag. Außerdem gehört Reinhardt dem Vorstand des VfL Sindelfingen an und saß im Vorstand des Gewerbe- und Handelsvereins. Vor allem aber machte er sich als einer der Initiatoren des Hilfsprojekts Helfen statt Hamstern einen Namen. Dieses gründete sich als Nachbarschaftshilfe während Corona. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine wurde daraus eine groß angelegte Hilfsorganisation, die über 70 große Hilfslieferungen an die polnisch-ukrainische Grenze auf die Beine stellte.
Die Klosterseehalle wurde durch „Helfen statt Hamstern“ zum Umschlagplatz für Hilfslieferungen in die Ukraine. Foto: Archiv/Dimi Drofitsch
Das Wahlprogramm für seine Heimatstadt habe Reinhardt bewusst noch nicht festgelegt, möchte es in den kommenden Wochen „in Koproduktion mit der Bürgerschaft erarbeiten.“ Dazu plant er Gesprächsrunden und Workshops. Außerdem will er einen fachkundigen Beirat installieren, der ihm zur Seite steht. Wer darin sitzen wird, gibt er noch nicht bekannt. Nur so viel: „Fachkundige Personen der Sindelfinger Stadtgesellschaft.“ Sein FDP-Parteibuch spiele eine untergeordnete Rolle, Reinhardt trete als überparteilicher Bewerber an.
100-Tage-Programm mit drei Schwerpunkten
Dennoch gibt es erste konkrete Punkte, die er im Rahmen eines 100-Tage-Programms anpacken will: Ein Fahrplan zur Sanierung maroder Schulen und Kindertagesstätten, konkrete Vorschläge zur Verbesserung der Baustellen- und Verkehrssituation. Er plant zudem die Gründung eine Taskforce „Lebenswertes Sindelfingen“, die eine bessere Versorgung mit Fachärzten und Pflegeplätzen schaffen soll sowie eine Strategie gegen Alterseinsamkeit.
In Sindelfingen aufgewachsen, machte Reinhardt 2017 Abitur am Sindelfinger Stiftsgymnasium. Sein Jura-Studium in Tübingen mit Schwerpunkt auf Unternehmensorganisation und -finanzierung schloss er mit Prädikat ab. Derzeit arbeitet er an seiner Doktorarbeit zum Thema Steuerung und Kontrolle kommunaler Unternehmen. Sollte er gewählt werden, würde er die Promotion im Amt fertigstellen, sagt er. Ein Löwenanteil sei aber bereits geschrieben. Sein vergleichsweise junges Alter von 25 sieht er als Stärke, nicht als Schwäche.
Die Parallele zum noch amtierenden OB Bernd Vöhringer verblüfft: der war anno 2001 mit 31 Jahren Deutschlands jüngster Oberbürgermeister und stellte seine Promotion ebenfalls nach Amtsantritt fertig.
Max Reinhardt bei der Verkündung seiner Kandidatur Foto: Stefanie Schlecht
„Natürlich begegne ich der verantwortungsvollen Aufgabe, Oberbürgermeister einer großen Stadt und Kapitän einer großen Verwaltungsmannschaft zu sein, mit Demut und Respekt.“ Er kenne das Rathaus sehr gut, habe bereits viele Themen bearbeitet und bewiesen, dass er für die Stadt Positives bewirken und Menschen zusammenführen könne. Die Kombination aus Erfahrung auf der Amtsleiter- und Dezernentenebene „mit einem jungen Kapitän der Rathausmannschaft, der mit frischem Wind den Kurs setzt“, könne erfolgreich für Sindelfingen sein.
Start-up mit einer App für Auszubildende
Darüber hinaus ist Reinhardt Teilhaber bei einem Start-up, das die App Azubme herausgebracht hat. In Sindelfingen gestartet, sei diese heute in 25 Landkreisen deutschlandweit verbreitet. Die Idee: Ausbildungsbetriebe und Ausbildungswillige werden vergleichbar mit einer Dating-App zusammengeführt, was die Trefferquote erhöhen soll. Dieses Prinzip des Suchens und Findens liegt auch einem Portal zugrunde, bei dem Reinhardt mit der „Sindelfinger Zeitung“ kooperiert: Es verbindet Ehrenamtliche und Bedürftige.