25 Jahre Antenne 1 Der Akku wird neu aufgeladen

Knöpfe, Regler und Kassetten: So sah 1989 das Antenne-1-Studio aus. Foto: Wilhelm Mierendorf
Knöpfe, Regler und Kassetten: So sah 1989 das Antenne-1-Studio aus. Foto: Wilhelm Mierendorf

Vor 25 Jahren ging im Stuttgarter Pressehaus Antenne 1 an den Start. Radio-Moderatoren von damals erinnern sich, Macher von heute blicken nach vorn.

Lokales: Daniela Eberhardt (ma)
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Stuttgart - Na so was. Da ist ein Vierteljahrhundert um, und keiner feiert. „Das haben wir uns ein bisschen verkniffen“, sagt Achim Voeske, der Geschäftsführer von Antenne 1. Am 17. Juli 1989 ging der Privatsender im Pressehaus in Möhringen an den Start, auf der zunächst gesplitteten Frequenz 101,3. Beim Sommerfest mit den Mitarbeitern hat Voeske am Mittwoch „relativ leise“ auf den 25. Geburtstag angestoßen. Mehr Aufhebens will er nicht machen, schließlich stecke der Sender mitten im Umbruch. „Wir sind bis zur Halskrause voll. Das kostet viel Kraft und Nerven.“

Die Art, das Radio zu nutzen, hat sich geändert

Zum 3. Februar diesen Jahres hat das Stuttgarter Privatradio so ziemlich alles geändert bis auf den Namen. „Wir mussten zur Kenntnis nehmen“, sagt Voeske, „dass sich die Art, Radio zu nutzen, verändert hat.“ Laut der aktuellen Medien-Analyse (MA) vom Juli hören Antenne 1 täglich 191 000 Menschen in der Durchschnittsstunde. Das sind im Vergleich zum März neun Prozent weniger. Dem will man nun unter dem Motto „Hier für Euch“ mit einer starken Betonung des Regionalen, längeren Nachrichten und mehr Wortbeiträgen gegensteuern. „Wir leisten uns jetzt Ecken und Kanten“, meint der Senderchef.

Damit dreht Antenne 1 den Regler im Prinzip zurück auf Anfang. „Zupfgeigenhansl und neunminütige Beiträge“, beschreibt Achim Glück das Programm der ersten Jahre. Der Moderator war von der „allerersten Sekunde an“ mit dabei: „Ich hab den Laden mit aufgebaut.“ Auf jeden Fall war seine Nachmittagssendung „Akku“ oft genug Stadtgespräch. Denn der Selfmade-Radiomann, der beim SDR als Postausträger begann und dort quasi von Matthias Holtmann entdeckt wurde, machte von Anfang an sein eigenes Ding, was offenbar dem kommerziellen Geschmack entsprach. „Bei mir lief Discomusik, Rock, Pop, auch mal Marianne Rosenberg,“ erzählt er. Sein System: „Jingle, Platte, Beitrag, Gag, Gag, Gag.“ Mächtig Ärger bekam er, als er den langen Verkehrsfunk am Freitag mit Musik unterlegte. „Heute machen’s alle“, sagt Glück, der moderne Don Quichotte.

Moderatoren von einst blicken zurück

Heute muss Glück, der „schon immer Radiostar werden wollte“, aus gesundheitlichen Gründen kürzer treten. Im heimischen Studio produziert er für elektronische Medien. Auch Raphaela Ciblis hat die Branche gewechselt, sie arbeitet für eine Agentur, die Stars wie die Chippendales für Tourneen nach Deutschland holt. Wobei sich hier der Kreis schließt: Bei Antenne 1 hat Raphaela Ciblis 1996 bis 2002 die legendäre Sendung „Talk ohne Tabus“ moderiert. Sonntagabends widmete sie sich den Themen Liebe, Lust, Erotik und Sexualität. „Seitensprung – soll ich’s dem Partner sagen oder nicht?“: Solche Fragen wurden mit Hörern und mit Experten im Studio diskutiert. „Das Besondere daran war, dass alles live war ohne Netz und doppelten Boden“, sagt die Frau mit der Schmusestimme. Die Unterbrechertaste war nicht nötig. „Es wurde offen geredet, aber nie vulgär.“

Oliver Ostermann und sein Schatzi setzten in ihrer Morgenshow von 2003 an eins obendrauf. Sie waren privat und beruflich ein Paar, das war neu in der Radiolandschaft. Dann aber ging die Beziehung privat auseinander, später auch beruflich. „24 Stunden am Tag, das funktioniert nicht“, sagt Ostermann. Beide sind verheiratet, er ist inzwischen Vater von zwei Kindern und genießt die Elternzeit an der Nordsee, Schatzi hat drei Kinder. Ostermann, der Finanzbuchhalter gelernt hat und eigentlich Lehrer werden wollte, ist 1998 durch einen Talentwettbewerb zu Antenne 1 gekommen und den Stuttgartern, bis auf einen kleinen Ausflug nach Mannheim, treu geblieben. Jetzt ist seine Morgensendung auf den Nachmittag gerutscht. Sein persönliches „Jetlag“ hat er überwunden: „Ich bin gespannt, wo das Radio in 25 Jahren ist.“




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