Interview25 Jahre Quatsch Comedy Club „Grenzen interessieren mich sowieso nicht in der Unterhaltung“

Leben: Simone Höhn (sdr)
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Sowas kann Ihnen am Freitag bei Ihrer Moderation des Radio Regenbogen Awards in Rust, zu dem auch viele Promis kommen, nicht passieren. Zumindest nicht vor einer TV-Kamera. Die sind dort nicht zugelassen. Macht das den Reiz der Verleihung aus?
Das ist sicher ein wichtiger Punkt. Sobald Kameras dabei sind, verhalten sich die Leute viel kontrollierter und alle wollen gut aussehen. Die Leute fühlen sich weniger gestresst wenn keine Kameras zugegen sind. Der Radio Regenbogen Award ist aber auch abgesehen davon ein besonders schönes Event, das sich von anderen Preisverleihungen abhebt. Es ist weniger eine Veranstaltung von Medienleuten für Medienleute, sondern mehr Stars für ihre Fans und ihr Publikum.
Sie haben einmal gesagt, alles, worüber die Deutschen zunächst die Nase rümpfen, holen Sie nach Deutschland. Inzwischen verschwimmen die Grenzen zwischen Kabarett, Kleinkunst und Comedy. Finden Sie das gut?
Ja, das finde ich super. Grenzen interessieren mich sowieso nicht in der Unterhaltung. Wenn wir die Schubalden alle ein bisschen aufmachen, kommt bessere Ware dabei raus. Wenn man sich heute eine Sendung von Dieter Nuhr anschaut, kann man nicht mehr unterscheiden, was Kabarett oder Comedy ist. Auch Comedy kann politisch sein und umgekehrt – und das ist gut so.
Sie hatten zunächst nicht geglaubt, dass der Quatsch Comedy Club auch in Stuttgart funktionieren kann, wo er inzwischen einen festen Standort hat. Inwiefern haben Sie Ihre Ansichten über den schwäbischen Humor revidieren müssen?
Es gab in den Neunzigerjahren ein Gerücht unter Comedians, dass es in Stuttgart schwierig sei, aufzutreten. Die Leute seien ein bisschen abwartend, würden erst einmal gucken, ob der Nachbar lacht und nicht so recht aus sich heraus gehen. Dieses Gerücht hat sich aber wieder verflüchtigt. Spätestens bei unserer ersten Show hat sich das komplett in Luft aufgelöst, der Empfang war so freundlich und herzlich! Und die Schwaben gehen aus sich raus wie Hölle! Spätestens jetzt können wir das Gerücht also offiziell begraben.
Sie sagen, Sie können falsches Publikumslachen sofort erkennen. Erklären Sie uns das, bitte.
Bei sehr schwarzem Humor oder bei obszönen Gags ist das öfter der Fall. Da kommt dann dieses „Ho-ho-ho“-Lachen, das ist quasi eine Abwehrreaktion, den Leuten ist der Gag unangenehm. Bei einem richtig guten Gag, bei dem alle mit können, kommt ein warmer Lacher, direkt aus dem Zwerchfell.
Es hat vermutlich kaum jemand so viele Comedy-Nummern gesehen wie Sie. Haben Sie nicht manchmal die Schnauze voll davon?
Stand-Up-Comedy ist Storytelling, jemand erzählt Geschichten aus dem Alltag. Ich bin immer wieder baff, dass es tatsächlich noch etwas gibt, was ich noch nie so gehört habe. Obwohl ein Gag ja nur dann klappt, wenn er beim Zuhörer einen Wiedererkennungseffekt erzielt. Anscheinend ist das Leben so facettenreich, dass es immer wieder neue humoristische Blickwinkel darauf gibt.
Wie viel Spaß verstehen Sie in punkto gleichgeschlechtlicher Ehe? Ärgert Sie die langwierige Debatte in Deutschland?
Jaaa! Das ist wirklich so ein Bürokraten-Ding, so ein Rumgedruckse. Das lag wahrscheinlich auch an der Großen Koalition der letzten Jahre, die das Thema immer mit Samthandschuhen angefasst hat. Das ärgert mich, das kann jetzt auch mal aufhören. Würde man eine Umfrage machen, würde mit Sicherheit die Mehrheit des Volks für die gleichgeschlechtliche Ehe stimmen.
Info: Thomas Hermanns ist 1963 in Bochum geboren und in Nürnberg aufgewachsen. Er studierte Theaterwissenschaften in München. Er schreibt und inszeniert seit mehr als 30 Jahren TV-Sendungen und arbeitet außerdem als Moderator. 1992 gründete er den Quatsch Comedy Club in Hamburg, bei dem er als Conférecier die Künstler ankündigt. Pro Sieben strahlte die Sendung später aus, inzwischen gibt es Dependencen des Clubs in Berlin, Düsseldorf und Stuttgart. Hermanns lebt seit 2008 in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft mit dem Internet-Unternehmer Wolfgang Macht.




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