250 Kinder stehen auf der Warteliste Nürtingen kürzt bei der Kinderbetreuung
Betroffen sind vor allem die Nürtinger Ganztagesangebote. Wer sie nutzen möchte, muss künftig eine Beschäftigung nachweisen. Die Kürzung soll zusätzliche Plätze generieren.
Betroffen sind vor allem die Nürtinger Ganztagesangebote. Wer sie nutzen möchte, muss künftig eine Beschäftigung nachweisen. Die Kürzung soll zusätzliche Plätze generieren.
Die Warteliste ist ellenlang. Rund 250 Nürtinger Familien brauchen dringend einen Betreuungsplatz für ein Kindergartenkind. Um diese Misere in den Griff zu bekommen, verändert die Kommune von Herbst an ihr Betreuungskonzept. Der Gemeinderat hat für diese Kürzungen grünes Licht gegeben. Vor dem Hintergrund von demografischem Wandel und Fachkräftemangel könnten nicht mehr alle Bedürfnisse bedient werden. Diese Entscheidung falle schwer, sei aber nötig, lautete der Tenor.
Die Kürzungen betreffen vor allem das Ganztagesangebot mit 45 und mehr Wochenstunden für Kinder ab drei Jahren – es wird ganz eingestellt. Bislang ist es von 70 Eltern gebucht. Die Betreuung mit 40 Stunden pro Woche wird in weniger Einrichtungen als bisher angeboten, und zwar an fünf Standorten in insgesamt fünf Gruppen. Hier bestehen bis jetzt 110 Buchungen. Ausgebaut werden stattdessen die Betreuungszeiten von 30 bis 35 Stunden, was am häufigsten gewählt wird, momentan von 943 Familien. Eltern, die solche Angebote nutzen wollen, müssen eine Beschäftigung nachweisen. Das gilt nicht für das neue 25-Stunden-Modell, das zunächst an fünf, ein Jahr später an zwölf Standorten angeboten wird.
Was wird gewonnen? Durch diese Kürzungen können 73 zusätzliche Betreuungsplätze geschaffen werden. Außerdem werden Stunden im Umfang von zehn pädagogischen Vollzeitstellen frei, wenn die Vor- und Nachbereitungszeiten der Erzieherinnen in Teilen auf das vorgeschriebene Mindestmaß von zehn Stunden pro Gruppe reduziert werden. Diesen Beitrag verlangt die Kommune von den Mitarbeitenden, damit die Reduzierung des Betreuungsangebots nicht noch massiver ausfallen muss.
Der Personalmangel hat in den vergangenen Monaten in Nürtingen immer wieder zu eingeschränkten Öffnungszeiten und zur Schließung kommunaler Einrichtungen geführt. Dadurch konnte das gewohnte Betreuungsangebot nicht aufrechterhalten werden. Als Ursachen nennt die Verwaltung die Nachwirkungen der Coronapandemie, saisonal bedingte Erkrankungen und den generellen Fachkräftemangel. Von 193,4 Stellen sind momentan 33 nicht besetzt. Freie Stellen können nur schleppend wiederbesetzt werden, eine Besserung sei nicht in Sicht. Und viele Fachkräfte gingen in den kommenden Jahren in den Ruhestand.
Berufsbild Die erschwerten Rahmenbedingungen während der Coronapandemie haben laut der Stadt dazu geführt, dass viele Fachkräfte ihre Arbeitszeiten reduziert oder den Beruf gewechselt haben. Die FDP im Nürtinger Gemeinderat sagte, das Berufsbild der Erzieherin sei von der Politik jahrelang kleingeredet und missachtet worden, sodass es nun als wenig attraktiv angesehen werde. Die Freien Wähler nannten es unverständlich, dass erst im vierten Jahr der Ausbildung eine Vergütung gezahlt wird.
Mehrere Fraktionen regten an, zu prüfen, ob Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Rathaus für Verwaltungsarbeiten in den Kitas und nicht pädagogische Kräfte in den Randzeiten eingesetzt werden können. Die Fraktion NT14 warnte vor dem Verlust der Bildungsgerechtigkeit und erinnerte an die Bedeutung der frühkindlichen Bildung für das demokratische Gemeinwesen auch mit Blick auf künftige Generationen.