Der harte und starke Mann, der sagt, wo’s langgeht – das war einmal. Der neue Mann ist einfühlsam, sensibel und verständnisvoll. Ein echter Jammerlappen.

Leben: Markus Brauer (mb)

Stuttgart - Der 26. Dezember ist in den USA der „National Whiners Day“ – der Tag der Jammerlappen. An diesem Tag wird von der Ost- bis zur Westküste, von der kanadischen bis zur mexikanischen Grenze all der (männlichen) Memmen auf der Welt gedacht.

Pfarrer Kevin Zaborney hat den Jammerlappen-Tag im Jahr 1986 zusammen mit dem Weltknuddeltag – „National Hug Day“, der am 21. Januar gefeiert wird – in der 4000 Seelen-Gemeinde Caro im US-Bundesstaat Michigan ins Leben gerufen.

Warum nur Männer Jammerlappen sind

Warum Männer Jammerlappen sind? Weil Frauen einfach mehr aushalten und taffer sind: Sie erdulden Schmerzen und gebären, sie putzen und schrubben, kochen und erziehen. Und nebenbei haben sie einen harten Job, bedienen ihre Männer, wenn diese nach der Arbeit völlig fertig nach Hause kommen, und müssen andauernd deren Launen und Männerschupfen aushalten.

Memme oder Macho?

Seit Frauen sich emanzipieren, ist für Männer nichts mehr so, wie es war. Die Ansprüche der holden Weiblichkeit werden immer größer, im Gegenzug wurden Männer emotionaler und weicher. Um im Gender-Wettbewerb nicht vollends den Kürzeren zu ziehen, muss man(n) um seine Stärken und Schwächen wissen.

Männer sind . . .

. . . Jammerlappen

„Der Mann im Allgemeinen neigt zu Übertreibungen. Eine Veranlagung zum Hypochonder ist quasi angeboren“, heißt es auf einer Webseite zum Thema „Artgerechte Haltung von Männern“. Das starke Geschlecht – eine Ansammlung von Jammerlappen, Warmduschern und Weicheiern?

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Maskuline Hypochondrie ist allen feministischen Spöttereien zum Trotz eine ernst zu nehmende Krankheit. Man(n) leidet unter der ausgeprägten Angst, krank zu sein, ohne dass es dafür einen organischen Befund gäbe. Männliche Hypochonder schlurfen mit Leidensmiene durch die Gegend, fühlen sich zu schwach, um sich aufzuraffen und die gefühlt letzten Augenblicke sinnvoll zu nutzen.

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. . . Memmen

„Ein Indianer kennt keinen Schmerz.“ Woher dieser Satz stammt, ist nicht mehr genau zu klären. Vielleicht haben Karl Mays Abenteuerromane einiges zur Entstehung dieser stupenden Weisheit beigetragen.

In „Der Schatz im Silbersee“ heißt es: „Ein Indianer wird von frühester Kindheit an in dem Ertragen körperlicher Schmerzen geübt. Er gelangt dadurch so weit, dass er die größten Qualen ertragen kann, ohne mit der Wimper zu zucken.“

Alles nur Klischee? Nicht ganz, wie Forscher nachgewiesen haben. Männer sind von Natur aus nämlich gar keine Memmen. Das Macho-Sein liegt gewissermaßen in ihren Hormonen. Das männliche Geschlechtshormon Testosteron senkt das Schmerzempfinden, während es durch das weibliche Östrogen gesteigert wird. Dadurch ist Man(n) kräftiger, aggressiver und auch schmerzunempfindlicher.

Fakt ist aber auch: Im modernen „Gender-Mainstreaming“, wo die unterschiedlichen sozialen Lebenssituationen und Interessen von Männlein und Weiblein eine maßgebliche Rolle spielen, ist Man(n) der Wehleidigere. Mehr Memme als Macho.

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. . . Softies

Früher war alles besser, klagen viele Frauen. Die Männer waren härter und kerniger, sie rochen nach Moschus, ihr Brusthaar war üppiger, das Wasser beim Duschen kälter.

Und heute? Der neue Mann duscht lauwarm bis heiß und steht auf dezent-stilvolle Männerdüfte. An was liegt es? Möglicherweise an zu hohen weiblichen Erwartungshaltungen. Frauen wollen alles zugleich: den sensiblen Frauenversteher und zarten Streichler, den Testosteron-Helden und stürmischen Liebhaber. Viele Mannsbilder sind mit dieser multifunktionalen Rollenverteilung überfordert.

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. . . Heulsusen

Der Begriff Heulsuse wird im Deutschen pejorativ, dass heißt implizit abwertend verwendet. „Die olle Heulsuse fängt wieder an zu flennen.“ Verwandte Wörter sind Jammerlappen, Memme, Mimose und Rühr-mich-nicht-an (englisch: „touch-me-not“).

Weinen (vom germanischen vaitóti) ist ein fundamentaler Ausdruck menschlicher Mimik, bei dem die Emotionen regelrecht aus einem herausfließen und der häufig von einer exzessiven Geräuschkulisse untermalt wird.

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Man muss nicht Susanne heißen und nicht unbedingt eine Frau sein, um als Heulsuse apostrophiert zu werden. Obgleich nicht selten weibliche Personen gemeint sind, die nah am Wasser gebaut sind und leicht feuchte Augen bekommen. Dabei sind es viel häufiger Männer, die weinen – wenn auch hinter geschlossenen Türen.

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Als archetypisches Verhaltensmuster ist Weinen eine zentrale Form sozialer Interaktion und Kommunikation. Wer heult, flennt, schluchzt und jammert, der will gehört werden und lechzt nach Aufmerksamkeit. Larmoyanz und Narzissmus sind die Kehrseiten ein und derselben Medaille.

Wie heißt es im Song „Männer weinen nicht“ von Sänger und Ex-Fußballer Adesse: „Männer weinen nicht / sie schrein den Schmerz in sich hinein, / wie sollt es anders sein / Männer weinen nicht.“