3. Schafftag der Diakonie in Waiblingen Helfer werden immer mutiger

Von Annette Clauß 

Zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt die Diakonie Stetten mit ihrem Projekt „Schafftag“: Freiwillige aus Firmen realisieren dabei Projekte, die sonst nicht zu verwirklichen wären. Und zwar gemeinsam mit Diakonie-Bewohnern – Inklusion leicht gemacht.

Ei Foto: Stoppel
Ei Foto: Stoppel

Waiblingen - Einwandfrei“, sagt Thomas Zimmerle, nachdem er die frisch gestrichene, blütenweiße Wand begutachtet hat – und nickt Francesco aufmunternd zu. Der junge Mann, der in einer Wohngruppe der Diakonie Stetten in der Waiblinger Devizesstraße lebt, steckt in einem Overall aus raschelndem Kunststoffmaterial. Ursprünglich war dieser mal Blau. Doch nun, nach rund zwei Stunden fleißigem Malern, ist Francescos Outfit großflächig mit Farbe besprenkelt. Keine Frage: im Flur der Wohngruppe wird fleißig gearbeitet.

Auch Xhemil, auf dessen Nase ein weißer Fleck prangt, schafft eifrig mit – unter der Anleitung von Thomas Zimmerle und seinem Kollegen Timo Steinheil. Normalerweise würden die 57 und 36 Jahre alten Männer an diesem Freitag Zahlen wälzen und vor dem Rechner sitzen. Doch ihre Firma, ein Anbieter für Fahrzeugersatzteile im Landkreis Ludwigsburg, hat das Duo und vier seiner Kollegen frei gestellt, damit sie als Freiwillige in der Diakonie Stetten mit anpacken können.

„Schafftag“ nennt sich die Aktion, bei der Auszubildende und Mitarbeiter aus Firmen in der Region Stuttgart an einem Tag Projekte verwirklichen, für welche die Diakonie Stetten keine finanziellen und personellen Spielräume hat. Das Konzept spart der Einrichtung bares Geld, ermöglicht den Besuchern einen Perspektivenwechsel und werde, so sagt die Organisatorin, Jelena Fazio, gerne von Firmen genutzt, um das soziale Engagement und die Teamarbeit zu fördern.

Vor dem ersten Schafftag vor drei Jahren hat Jelena Fazio tausende E-Mails an Firmen verschickt. Inzwischen hat sie einen festen Helferstamm: „Fast 20 Betriebe sind in diesem Jahr zum dritten Mal dabei.“ Beim Schafftag entstünden viele neue Kontakte, sagt sie, und so mancher Schaffer komme auch abseits des Aktionstags wieder vorbei: „Davon profitieren wir extrem.“

Aber auch die Begegnung von Besuchern und Bewohnern sei ein wichtiger Aspekt, betont die Diakonie-Sprecherin Hannah Kaltarar. Anfangs seien viele Helfer eher zurückhaltend gewesen und hätten sich für Projekte mit wenig Kontakt zu den Bewohnern gemeldet, erzählt Heiderose Maaß vom Vorstand. Von Jahr zu Jahr würden die Freiwilligen aber mutiger und das Miteinander ungezwungener. Die Diakonie-Bewohner seien gegenüber Besuchern generell sehr offen: „Sie freuen sich.“ Jelena Fazio sagt: „Wenn ein Projekt das zulässt, sind die Bewohner aktiv mit dabei.“ Ansonsten gebe es bei der Kaffeestunde Gelegenheit zum Austausch. Esther Wagner, die den Förder- und Beschäftigungsbereich leitet, hat beobachtet, dass die Besucher oft erstaunt sind, mit welcher Freude die Diakonie-Bewohner ihrer Arbeit nachgehen: „Da entstehen ganz andere Bilder im Kopf, sie bekommen eine komplett andere Sicht auf die Arbeitswelt.“

Auch für Timo Steinheil ist der Schafftag ein Augenöffner: „Wir sehen jetzt, was für eine Arbeit hier geleistet wird.“




Veranstaltungen