30. Fantasy-Filmfest in Stuttgart Eine Leiche als Mehrzweck-Werkzeug

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Fantastisches und Bizarres regieren die Kinocharts. Vom 1. bis 11. September bringt zwar auch das Fantasy Filmfest Fantastisches auf die Leinwand des Stuttgarter Metropols. Das aber kann mit Hollywoods Blockbuster-Budgets nicht mithalten. Also sind Ideen gefragt.

In „Swiss Army Man“ nutzt ein Schiffbrüchiger (Paul Dano, l.) eine angeschwemmte Leiche (Daniel Radcliffe) als Instrument zu seiner Rettung. Foto: Fantasy Filmfest
In „Swiss Army Man“ nutzt ein Schiffbrüchiger (Paul Dano, l.) eine angeschwemmte Leiche (Daniel Radcliffe) als Instrument zu seiner Rettung. Foto: Fantasy Filmfest

Stuttgart - Darauf eine Blutwursttorte mit dreißig Dynamitstangen als Kerzen! Das Fantasy-Filmfest, das am Donnerstag wieder im Stuttgarter Kino Metropol startet und bis 11. September ein kunterbuntes Programm zeigt, feiert Jubiläum. Seit drei Jahrzehnten bietet es Blutiges und Selbstironisches, Gruseliges und Horizonterweiterndes, und unterläuft mit seinem Selbstverständnis alle Jugendschutzdebatten.

Denn das Fantasy-Filmfest wird nicht durch Inhalt oder Form der Filme selbst definiert, schon gar nicht durch irgendeinen Grad an Realismus, Brutalität, Zynismus oder Versponnenheit. Der Kern des Festivals ist vielmehr die Überzeugung, dass die Zuschauer stets klare Distanz zum Gezeigten bewahren können. Dass sie sich lustvoll schauern oder auch mal Wut und Bitterkeit in ihrer Fantasie ausleben mögen, dass aber Filme, jedenfalls die hier gezeigten, nicht verrohen.

Alternativen zur Effektorgie

Das Fantastische, Grelle und Wilde nimmt auch im Kinoalltag Spitzenplätze ein. Aktuell führt „Suicide Squad“die Kinocharts an. Solche Filme sind allerdings so hoch budgetiert, mit so viel Raubkopierer-Abschottung im Vorfeld gesichert und mit so fetten Werbebudgets ausgestattet, dass die Verleiher sie dem Fantasy-Filmfest nicht zur Verfügung stellen.

Eben weil hier keine 200-Millionen-Dollar-Brocken zu sehen sind, bietet das Festival aber eine andere Chance. Zwischen der leider auch immer wieder anzutreffenden, uninspirierten Sudeln-nach-Zahlen-Genreroutine lassen sich Werke entdecken, die nicht mit bloßen Effektorgien überrumpeln können, die sich anders um uns bemühen müssen.

Horror für kleines Geld

Im Zusammenhang mit Carson D. Mells „Another Evil“ (9. September, 17 Uhr) fällt dieses Jahr sogar der Ausdruck Mumblecore-Horror-Komödie, mit derart bescheidenem Aufwand wurde da gedreht. Ein Maler hat den Verdacht, es spuke in seinem Ferienhaus. Zwei Experten fürs Paranormale geben ganz unterschiedliche Gutachten ab: Mal sollen harmlose Seelchen wandeln, mal teuflische Kohorten Finsteres planen. Mit anderen Worten, Dell setzt den ganz normalen Ärger mit Handwerkerbegutachtungen eines Schadens am Haus in die Sprache des Horrorfilms um.

Mit wenig Geld und extrem sparsamen Old-School-Effekten, ein wenig Maskenbildnerei vor allem, kommt auch der mexikanische Film „The Similars“ (10. September, 20.45 Uhr) aus. Während eines heftigen Regens, der auch Meteorologen bald wie ein übernatürliches Phänomen vorkommt, finden sich ein paar Reisende eingeschlossen in einem Busbahnhof in der Provinz. Vor einem von ihnen schreckt plötzlich eine Indio-Frau zurück, die anfängt, Abwehrzauber zu murmeln, womit ein Spiel der Verwandlungen beginnt.