Meterhohe Tsunamis, gewaltige Hitze, gigantische Stoßwellen: Hollywood hat schon häufig vorgemacht, was beim Einschlag eines Asteroiden auf der Erde passieren könnte. Forscher haben nun herausgefunden, welcher Effekt der verheerendste für die Menschheit ist.

Leben: Markus Brauer (mb)

Stuttgart - Sie heißen 2004 BL86, 2014 JO25 oder 2009 JF1. Die Mehrheit der Menschen hat wahrscheinlich noch nie etwas von ihnen gehört. Kein Wunder, die meisten Asteroiden rauschen weit entfernt von der Erde durch das Weltall. Doch manche kommen dem Blauen Planeten gefährlich nahe.

Für die Menschheit ging das bislang glimpflich aus, aber was, wenn aus apokalyptischen Science-Fiction-Visionen von Hollywood wie in den Spielfilmen „Armageddon“ (1998) oder „Deep Impact“ (1998) irgendwann Realität wird?

International Asteroid Day

Trotz der dramaturgischen Zuspitzung ist ein Asteroiden-Einschlag auf der Erde gar nicht so abwegig. Um das Thema mehr in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken, hat die Vollversammlung der Vereinten Nationen im Dezember 2016 den 30. Juni zum International Asteroid Day ausgerufen.

Das Datum markiert den Jahrestag des größten Asteroideneinschlags der jüngeren Geschichte: Am 30. Juni 1908 hatte ein Treffer in der Tunguska-Region in Sibirien rund 2000 Quadratkilometer unbewohntes Gebiet verwüstet. Der Asteroid hatte schätzungsweise einen Durchmesser von 30 bis 40 Metern.

„51 Degrees North“

Gegründet wurde der Asteroid Day von Regisseur Grigorij Richters und dem Astrophysiker Brian May, Gitarrist der Rockband Queen. Mehr als 100 Astronauten, Wissenschaftler, Ingenieure und Künstler haben die öffentliche Erklärung des Asteroid Days seitdem unterschrieben. Offiziell wurde der International Asteroid Day am 3. Dezember 2014 gegründet.

Im Februar 2014 begannen Brian May und Grigorij Richters mit den Arbeiten am Film „51 Degrees North“, die Geschichte eines fiktiven Asteroiden-Einschlag in London und die Reaktion der Bewohner auf ein solches Ereignis.

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Endzeit auf der Erde

Das Interesse am Weltuntergang ist weit mehr als ein Spleen einiger Esoteriker und New-Age-Enthusiasten. Es ist ein Massenphänomen. Dass Wissenschaftler aller Couleur die apokalyptischen Gedankenspiele als Endzeit-Humbug brandmarken, spielt keine Rolle.

Die Auslöser für das Weltende sind meist im Universum zu finden: Sonnenstürme, Kollisionen mit kosmischen Gesteinsbrocken, planetarische Auswirkungen auf das irdische Magnetfeld. Regisseur Roland Emmerich hat mit seinem Blockbuster „2012“ die Angst vor dem drohenden Exitus massenwirksam bedient. Emmerich nimmt eine angebliche Maya-Prophezeiung zum Ausgangspunkt für einen cineastisch spektakulären, aber wissenschaftlich abstrusen Endzeitschocker.

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Der Einschlag

Bei Asteroiden von bis zu 400 Metern Durchmesser müsste man sich vor allem vor gleichzeitig auftretenden Windstößen und Druckwellen schützen, haben die Forscher herausgefunden. Das Team um Clemens Rumpf von der Universität Southampton in Großbritannien hat untersucht, welcher Effekt eines einschlagenden Asteroiden auf der Erde die gravierendsten Folgen für die Menschen und damit die meisten Opfer hätte.

Die Studie im Journal „Geophysical Research Letters“ analysiert die Verteilung der möglichen Opfer nach sieben wahrscheinlich auftretenden Effekten: Tsunamis, fliegende Trümmer, Schockwellen, Hitze, Erdbeben, Winde und Kraterbildung.

Die große Wellen

Bei Einschlägen ins Meer führen Tsunamis naturgemäß zu den meisten Opfern. Insgesamt gesehen gehe davon jedoch keine so große Gefahr aus wie von Einschlägen auf der Erde, schreiben die Wissenschaftler.

Besonders gefährlich seien bei letzteren atmosphärische Druckwellen, die sich mit Überschallgeschwindigkeit ausbreiten, und dabei entstehende starke Winde. Sie seien für über 60 Prozent der Todesopfer bei Einschlägen von Asteroiden bis 400 Metern Durchmesser verantwortlich.

Die Wellen, die durch den steigenden Druck in der Atmosphäre entstehen, und Windstöße, die die Druckunterschiede ausgleichen, könnten Menschen durch die Luft schleudern und Gebäude einstürzen lassen. Der Wind könne die Geschwindigkeit von Orkanen überschreiten.

Die Konsequenzen? Unvorstellbar

In ihrem Computermodell ließen die Forscher 50 000 Asteroiden mit 15 bis 400 Metern Durchmesser - die am wahrscheinlichsten auftretenden Größen – auf die Erde treffen. Die Ergebnisse könnten Krisenmanagern bei der Vorbereitung auf einen drohenden kosmischen Einschlag helfen, kommentiert Rumpf in seiner Studie. Bei kleineren Einschlägen könne die Bevölkerung Schutz etwa in Kellern suchen, bei größeren Asteroiden seien Evakuierungen unumgänglich.

Ein Asteroid mit rund 60 Metern Durchmesser trifft laut Rumpf im Schnitt etwa alle 1500 Jahre auf die Erde, ein rund 400 Meter großer alle 100 000 Jahre. „Die Wahrscheinlichkeit eines Asteroideneinschlags ist wirklich gering. Aber die Konsequenzen können unvorstellbar sein“, erklärt der Forscher.

Der Meteorit von Tscheljabinsk

Kleinere Körper verglühen häufig in der Atmosphäre – auf der Erdoberfläche bekommt man davon meist nichts mit. 2013 aber explodierte ein etwa 20 Meter großer Meteorit über der russischen Millionenstadt Tscheljabinsk und ließ die Auswirkungen solcher gefährlichen Stoßwellen erahnen: Rund 7000 Gebäude wurden beschädigt, etwa 1500 Menschen verletzt.

Das Problem: Solche kleinen Körper seien zahlreich, oft nicht sichtbar und deshalb schwer zu beobachten, sagt Kai Wünnemann vom Naturkundemuseum in Berlin. Doch wie Tscheljabinsk zeigte, dürfe auch diese Gefahr nicht unterschätzt werden. Genaue Vorhersagen, wann der nächste Körper Kurs auf die Erde nehme, seien unrealistisch. In den nächsten zehn Jahren könne ein solches Ereignis aber durchaus wieder passieren.

Asteroiden auf Kollisionskurs

Global killer

Bei großenAsteroiden, die auch mal zehn Kilometer Durchmesser erreichen und dann als „Global killer“ („globale Zerstörer“) bezeichnet werden, sei das zum Glück äußerst selten. Der Asteroid, der vor rund 65 Millionen Jahren den Dinosauriern den Garaus machte, war so einer. Alle 100 Millionen Jahre etwa tritt im Durchschnitt ein solch zerstörerisches Ereignis auf.

Ablenken oder zerstören

Sollte ein solcher Brocken in seiner Flugbahn wieder Kurs auf die Erde nehmen, gibt es für die europäische Weltraumagentur ESA nur zwei Möglichkeiten: ablenken oder zerstören. Es gebe viele Vorschläge, von Sonnenspiegeln bis zu Wasserstoffbomben. Technisch oder finanziell umsetzbar sind die meisten davon allerdings nicht. Realistischer sei der Einsatz von Einschlagprojektilen zur Bahnablenkung.

Kinetischer Impaktor oder einfach „Prellbock“, nennt Wünnemann die Objekte, die einem Asteroiden auf dem Weg zur Erde aktiv in den Weg gesetzt werden sollen. Die gemeinsame „Aida“-Mission von ESA und NASA, die der Asteroidenabwehr gilt, soll hierüber Erkenntnisse bringen.

2014 JO25 schrammt an der Erde vorbei

2014 JO25 sei Mitte April vergleichsweise dicht an der Erde vorbeigeflogen, teilte die NASA mit. Die US-Raumfahrtbehörde konnte eine Kollision mit dem 650-Meter-Asteroiden aber schon früh ausschließen. Die Entfernung betrug rund 1,8 Millionen Kilometer oder die 4,6-fache Erde-Mond-Distanz.

Die nächste Annäherung eines vergleichbaren Asteroiden ist von der NASA für 2027 vorhergesagt. 1999 AN10 wird dann in 380 000 Kilometer Entfernung an der Erde vorbeirauschen. Genauso dicht, wie der Mond der Erde ist. Das sei zwar nah, erläutert Wünnemann. Aber: „Alles was vorbeifliegt, ist nicht gefährlich.“

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