300 zentrale Wohnungen geplant Bauboom in Nürtingen geht weiter

Wo heute noch Autos parken, sollen bald rund 300 stadtnahe Wohnungen entstehen. Foto: Ines Rudel

Zwischen Bahngleisen und Bahnhofstraße sollen in Nürtingen 300 Wohnungen gebaut werden. Kurze Wege auch für Pendler.

Region: Corinna Meinke (com)

Schlag auf Schlag geht es in Nürtingen mit der Schaffung von Wohnraum voran. Rund 155 Wohnungen werden im Auftrag der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen derzeit auf dem ehemaligen Psychiatriegelände am Neckar errichtet und auch der Bahnhofsparkplatz soll möglichst bald bebaut werden. Hier sind sogar 300 Wohnungen vorgesehen. Das Projekt ist Teil der neuen Bahnstadt, die westlich und östlich der Gleise entstehen wird.

 

Visitenkarte für den nördlichen Stadteingang

Mit einem Ideenwettbewerb haben die Kommune und der Stuttgarter Investor Sandro Camilli das städtebauliche Potenzial des rund 200 Meter langen und 30 bis 60 Meter tiefen Streifens abgeklopft, der das Zeug zum urbanen Filetstück hat. Oberbürgermeister Johannes Fridrich sagte, mit dem künftigen S-Bahnanschluss sei Nürtingen künftig noch schneller vom Flughafen und der Landeshauptstadt her erreichbar, das erhöhe zusammen mit modernem und zentral gelegenem Wohnraum die Attraktivität der Stadt.

Auf dem Gleis 13 genannten Areal könnte eine ganz neue Visitenkarte am nördlichen Nürtinger Stadteingang entstehen. Man braucht allerdings schon etwas Fantasie, um sich die geschotterte Fläche, die seit vielen Jahren als eher unansehnlicher Parkplatz dient, im bebauten Zustand vorzustellen.

Da hatte es die Jury unter Leitung von Professor Jens Wittfoht aus Stuttgart um einiges leichter, denn die teilnehmenden Architektur- und Planungsbüros hatten neben Plänen auch Modelle zur Begutachtung ins Nürtinger Rathaus mitgebracht. Sechs hochkarätige Büros hatten Entwürfe für den von der Objektgesellschaft Neue Weinsteige als Vorhabenträger und dem Projektsteurer Re2Area ausgelobten Wettbewerb eingereicht.

Die drei differenzierten Baukörper, die Durchgänge zu den Gleisen und zu einer geplanten Fußgängerbrücke in den östlichen Teil der Bahnstadt ermöglichen, haben die Jury bei der Ideenskizze von ARP ArchitektenPartnerschaft überzeugt. Das Stuttgarter Büro ergatterte den ersten Preis auch, weil rund um den Kopfbau im Süden ein Knotenpunkt an einem Platz entstehen kann, der samt der Saubachunterführung ebenfalls Ost- und Westteil der neuen Bahnstadt verbindet.

Grünflächen auf dem Dach

Stellplätze für Carsharing und Platz für weitere Mobilitätsangebote gibt es in den Erdgeschossen und kleine Läden und andere Dienstleister könnten sich dort ebenfalls ansiedeln, das würde das Quartier zusätzlich beleben, lobte Wittfoht. Der Juror war auch von der Idee eines gemeinschaftlich genutzten Dachgartens samt Terrassen angetan. Das sei ein gutes Angebot im verdichteten städtischen Raum, der sonst wenig Platz für Grün biete. Ansonsten seien extensiv begrünte Dächer nach dem Prinzip der Schwammstadt vorgesehen.

„Die Fassaden gefallen uns noch nicht so gut“, aber es handle sich bei einem Ideenwettbewerb ja auch erst mal nur um eine grobe Absichtserklärung, ergänzte Wittfoht. Immerhin seien die Ost- wie die Westfassaden gleichwertig gestaltet, während andere Entwürfe wie der zweite Platz, den das Frankfurter Büro Stefan Forster errang, nur nach Westen offen sei und zur Bahn eine regelrechte Barriere bilde. Gelobt wurden hier die gut belichteten Wohnungen.

Die Idee, das Grundstück mit modularem Holzbau zu bestücken, bei dem die gestaffelte Bauweise jeder Wohnung eine eigene Terrasse oder einen eigenen Balkon ermöglicht, wertete die Jury zwar als innovativ, aber hier sei die Gesamtzahl der Wohnungen um rund 100 Einheiten geringer als bei den Mitbewerbern. Und mit Blick auf die nachhaltige Nutzung von Bauland, eine bedeutende wirtschaftliche und gesellschaftliche Herausforderung, sei das Angebot zu klein. Außerdem müsse man bei dieser gestaffelten Bauweise mit deutlich mehr Hüllfläche, gemeint ist die Fassadenfläche, als bei kubischen Baukörpern rechnen, was deutlich teurer wäre.

Die S-Bahn hält vor der Haustür

Der Investor Camilli geht von rund 300 Wohneinheiten insgesamt aus, die auf der Fläche Gleis 13 entstehen sollen. Dafür soll eine Investition von mehr als 100 Millionen Euro notwendig sein. Studentinnen und Studenten, Familien und Senioren sollen hier gleichermaßen ein Angebot erhalten, erklärte er. Interessant dürfte vor allem die Preisgestaltung werden. Angesichts der Unwägbarkeiten beim Blick auf die Herstellungskosten wollte sich der Investor aber nicht zu künftigen Mietpreisen äußern.

Um die Kosten einzudämmen, soll die Zahl der Stellplätze möglichst unter einem Platz pro Wohneinheit bleiben, das würde auch gut zum Mobilitätsangebot wie dem künftigen S-Bahnanschluss direkt vor der Haustür passen – darin waren sich die Beteiligten einig. Die Entscheidung fällt letztlich der Nürtinger Gemeinderat, der sich in naher Zukunft, am 12. Dezember, zunächst mit dem Siegerentwurf des Ideenwettbewerbs beschäftigen wird.

Auch der IBA-Pressesprecher Tobias Schiller lobte den Wettbewerb. Die geplante Bebauung von Gleis 13 sei zwar kein IBA-Projekt, aber man habe das Unterfangen in Nürtingen gerne begleitet.

Ein Quartier der kurzen Wege

Projekt
Unter dem Titel Gleis 13 ist die Fläche an den Bahngleisen bekannt, seitdem die Kommune sich aufgemacht hat, in zentraler Lage Brach- und Gewerbeflächen rund um den Bahnhof als modernes und zentrales urbanes Quartier zu entwickeln. Frühestens ab 2025 kann ein Ensemble aus drei sechs- bis siebengeschossigen Wohngebäuden entstehen.

Verkehr
Die Bahnstadt Nürtingen soll ein innovatives und stadtnahes Wohnviertel mit kurzen Wegen zur Bahn und in die Innenstadt werden. Auf der Fläche Gleis 13 sind 300 Wohnungen projektiert, weitere 220 sollen in der östlichen neuen Bahnstadt entstehen.

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