30.000 in Kurzarbeit Über 40 Prozent der Conti-Produktion ruhen

Von dpa 

Noch steht längst nicht alles still bei Continental. Aber der zweitgrößte Autozulieferer der Welt muss - wie viele andere Firmen der Branche - mit massiven Folgen der Corona-Pandemie fertig werden.

Beim Autozulieferer Continental haben der Nachfrageeinbruch und die Lieferketten-Probleme wegen der Corona-Krise deutliche Einschnitte in der Produktion zur Folge. Foto: Julian Stratenschulte/dpa Foto: dpa
Beim Autozulieferer Continental haben der Nachfrageeinbruch und die Lieferketten-Probleme wegen der Corona-Krise deutliche Einschnitte in der Produktion zur Folge. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Hannover - Beim Autozulieferer Continental haben der Nachfrageeinbruch und die Lieferketten-Probleme wegen der Corona-Krise deutliche Einschnitte in der Produktion zur Folge.

Wie das Unternehmen am Mittwoch berichtete, stehen vor allem im Kerngeschäft mit der Autotechnik sowie in der Reifensparte inzwischen weltweit mehr als 40 Prozent der insgesamt 249 Standorte still. Besonders Werke in Europa und Amerika seien betroffen. Dabei gehe es um "wenige Tage bis einige Wochen" vorübergehender Unterbrechungen.

In Deutschland sei für die Hälfte der Beschäftigten - rund 30 000 Menschen - Kurzarbeit angemeldet. Personalchefin Ariane Reinhart sagte: "Unser gemeinsames Ziel ist der Schutz unserer Mitarbeiter sowie der Erhalt von Arbeitsplätzen." Die Kurzarbeit-Regelung gelte an mehreren Standorten zunächst für mehrere Wochen, "je nach Entwicklung der Marktlage" seien bis zu zwölf Monate möglich.

Der Dax-Konzern aus Hannover will zusätzliche Kosten kappen und Investitionen verschieben. Ende Februar hatte Conti Zugriff auf insgesamt rund 6,9 Milliarden Euro an Liquidität einschließlich ungenutzter Kredite. Der Vorstand will im April auf 10 Prozent seines Einkommens verzichten. Betriebsratschef Hasan Allak kritisierte, dass das Kurzarbeitergeld jedoch nicht an allen Standorten gleichermaßen aufgestockt werde. Dies löse "starkes Befremden" aus. Auch Aktionäre müssten sich beteiligen, etwa durch einen Dividendenverzicht.

Aus aktueller Sicht solle die Produktion in Europa Ende April oder Anfang Mai wieder anlaufen, sagte Vorstandschef Elmar Degenhart. Die nur knapp vier Wochen alte Jahresprognose muss der Konzern wegen der extrem unsicheren weiteren Entwicklung schon wieder einstampfen. Es sei derzeit auch nicht abzuschätzen, wann ein neuer Ausblick gegeben werden könne. Bisher hatte der Continental-Vorstand für das laufende Geschäftsjahr 42,5 bis 44,5 Milliarden Euro Umsatz erwartet.

Im ersten Quartal bekam Conti die Krise bereits deutlich zu spüren. Der Umsatz dürfte nur zwischen 9,4 und 9,8 Milliarden Euro betragen. Der Anteil des bereinigten Ergebnisses vor Zinsen und Steuern am Umsatz - eine wichtige Ertragsgröße - zwischen 2 und 3 Prozent liegen, im Autogeschäft soll der Wert auf null sinken. Ein Jahr zuvor hatte Conti noch rund 11 Milliarden Euro erlöst, bei einer Gewinnspanne von 8,1 Prozent im laufenden Geschäft.

Der konjunkturelle Abschwung und Umbruch in der Branche hin zu E-Mobilität und Digitalisierung sowie die Corona-Risiken ließen Continental zuletzt schon mit Sorge ins neue Geschäftsjahr blicken. Der Zulieferer meldete Anfang März einen Milliardenverlust für 2019 - und stellt sich jetzt auf weitere schwierige Monate ein. Staatliche Liquiditätshilfen brauche man aus derzeitiger Sicht aber nicht.