Stiftung Warentest prüft Flaschenwasser Ist Leitungswasser besser als viele stille Mineralwässer?

Die Stiftung Warentest hat stille Mineralwasser getestet. „Gut“ ist nicht mal jedes zweite Produkt. Foto: srkphoto - stock.adobe.com

Wer stilles Mineral­wasser kauft, will etwas Besseres als Leitungs­wasser. Aber viele Produkte erfüllen die Erwartungen kaum, wie ein aktueller Test zeigt. Einige enthalten sogar Keime oder andere bedenkliche Stoffe.

Stuttgart - Beim jüngsten Test überprüfte die Stiftung Warentest 32 Produkte („test“ 7/2019) – darunter traditionelle Marken, preiswerte Flaschen vom Discounter sowie französische Edelwässer. Sechs Mineralwässer tragen ein Biologo oder stehen als Baby-Mineralwasser im Handel. „Gut“ ist nicht mal jedes zweite stille Wasser, darunter nur eins der sechs Wässer mit Biolabel und keins der drei speziellen Babywässer. Zwei sind mangelhaft: Rheinsberger und Biokristall – beide mit Biolabel. Die Produkte baden-württembergischer Firmen wurden mit „gut“ bewertet.

 

Welche Produkte schneiden am besten ab?

Die drei besten Mineralwässer gehören auch zu den günstigsten: Edeka Gut & Günstig Still, Aldi Nord Quellbrunn Naturell und Rewe Ja still. Alle drei kosten nur 13 Cent pro Liter, sind aber hauptsächlich im Norden und Osten Deutschlands im Angebot. Die besten bundesweit erhältlichen sind Adelholzener naturell (67 Cent) und Extaler Mineralquell Naturell (46 Cent).

Sind stille Wässer anfälliger für Keime?

Stilles Mineralwasser wirbt unter anderem damit, mild und harmonisch zu sein. Aber es ist anfällig für Keime, weil die Kohlensäure deren Wachstum nicht hemmt. Von den 32 getesteten stillen Wässern ist die Hälfte mit Keimen oder nennenswert mit kritischen Stoffen belastet oder mit Spuren aus Landwirtschaft und Industrie verunreinigt. Im bayerischen Biowasser Biokristall und vier weiteren stillen Wässern wies das Labor Bakterien nach, die für Immunschwache kritisch sein können. Von der Firma Neumarkter Lammsbräu, die das Biokristall Still vertreibt, heißt es dazu: „Um die hohe Qualität von BioKristall zu überwachen und zu erhalten, führen wir seit vielen Jahren kontinuierlich intern in engmaschigen Untersuchungen wie auch extern in unabhängigen Laboren fundierte Analysen durch.“

Ist Wasser mit Biologo besser?

Da Mineralwasser kein landwirtschaftlich erzeugtes Lebensmittel ist, fällt es nicht unter die EU- Ökoverordnung. Es kann daher kein grünes EU-Bio-Siegel bekommen. Fünf der sechs Wässer im Test tragen das Logo der privatrechtlichen Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser. Diese haben strengere Grenzen für Nitrat und Arsen, engmaschige Kontrollen, umweltfreundliche Verpackungen. Brunnen verpflichten sich, für Ökolandbau rund um die Quelle zu sorgen. Im Test ist aber nur eins der sechs Mineralwässer mit Biologo gut – Ensinger Gourmet Quelle Bio. Volvic enthielt überraschend viel Vanadium, das aus vulkanischen Böden in Mineralwasser übergehen kann und als möglicherweise krebserregend gilt. Fünf weitere Wässer waren mit Spuren aus Landwirtschaft und Industrie verunreinigt – gesundheitlich sei das unbedenklich, aber nach Ansicht der Tester ein Widerspruch zur ursprünglichen Reinheit. „Mineralwasser unterscheidet sich damit nicht mehr von Trinkwasser, bei dem solche Verunreinigungen toleriert werden“, schreibt die Stiftung Warentest.

Kann man also auch einfach Leitungswasser trinken?

Leitungswasser ist 34-mal günstiger als die billigsten Mineralwässer. Im Trinkwassertest wurden Wasserproben aus öffentlichen Gebäuden in 20 Städten und Gemeinden auf 126 kritische Stoffe wie Medikamente, Pestizide und Nitrat analysiert. Ausgewählt wurden Orte mit einem gewissen Risiko für die Trinkwasserqualität wie etwa die fünf größten deutsche Städte, wo über besonders viele Haushalte und Kliniken unerwünschte Stoffe ins Abwasser gelangen können sowie unter anderem drei nordwestdeutsche Orte, wo durch intensive Schweinezucht ein Übermaß an Nitrat ins Grundwasser gelangen kann. Die Resultate: „In fast allen Wässern fanden sich Spuren aus der Umwelt, aber sie geben keinen Anlass, sich um seine Gesundheit zu sorgen.“

Enthält Mineralwasser viele Mineralstoffe?

Eigentlich müsste der Name dies vermuten lassen, aber der Test zeigte, dass etliche Mineralwässer nur mit geringen Mengen an Mineralstoffen aufwarten. „Nicht wenige unterbieten sogar den durchschnittlichen Mineralstoffgehalt der Trinkwasserproben im Test“, heißt es. Rechtlich sei das in Ordnung. Seit einer EU-Harmonisierung von 1980 muss natürliches Mineralwasser keinen Mindestgehalt an Mineralstoffen mehr aufweisen – früher waren es mindestens 1000 Milligramm gelöste Mineralstoffe pro Liter. Daran reichen im Test nur noch einige Wässer wie das Extaler Mineralquell heran.

Wie ökologisch ist Mineralwasser?

Die meisten Mineralwässer werden in PET-Flaschen abgefüllt, einzelne auch in Glasflaschen oder Kartons. Die Herstellung sämtlicher Verpackungen, der Transport der Produkte vom Brunnen in den Handel und nach Hause, das Wiederverwerten und Entsorgen der Flaschen verbraucht Ressourcen und Energie. Das Umweltbundesamt hält Trinkwasser für das „umweltfreundlichste Getränk“. Es erzeuge weniger als ein Prozent der Umweltbelastungen, die Mineralwasser verursacht. Wer Wasserflaschen einsparen möchte, könne Leitungswasser mit einem Wassersprudler zu Hause aufsprudeln, empfehlen die Tester.

Wird das Mineralwasser auch auf Mikroplastik getestet?

Im Jahr 2017 hatte das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Münsterland-Emscher-Lippe in einer Studie mit 34 Mineralwässern Mikroplastik nachgewiesen – offenbar stammte das meiste aus dem Flaschenmaterial. Die Forschung laufe auf Hochtouren, aber es würden noch keine standardisierten Analysemethoden für die Routineanalytik vorliegen, um die Mengen und Eintragswege von Mikroplastik in Lebensmitteln verlässlich bestimmen zu können, wie es in den Testergebnissen heißt. Auch lässt sich das Gesundheitsrisiko durch verschluckte Mikroplastikpartikel bislang nicht bewerten. Deshalb hat auch die Stiftung Warentest weder Mineral- noch Trinkwasser auf Mikroplastik analysiert.

Ist Babywasser überflüssig?

Laut Stiftung-Warentest schon. „Von Geburt an“, „ohne Abkochen“ – das versprechen zwar Babywässer den Eltern. Babywasser muss aber dieselben strengen Vorgaben der Mineral- und Tafelwasser- Verordnung erfüllen wie Mineralwasser, das den Hinweis „geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung“ oft nur klein gedruckt trägt. Außerdem sollte Nahrung für Babys in den ersten Monaten zur Sicherheit nur mit abgekochtem Wasser zubereitet werden, um Keime auszuschalten – ebenso das Wasser, das man etwa bei Hitze mal trinkt. Im Test bekamen die Baby-Wässer alle nur ein „befriedigend“. In Babylove von dm und Rossmanns Babydream – beide aus derselben Quelle – wurden Spuren von Pestizid-Abbauprodukten gefunden. Sie seien zwar gesundheitlich harmlos, würden aber zeigen, dass die Quelle nicht genug vor Umwelteinflüssen geschützt sei.

Das teure Hipp-Wasser für 85 Cent schmeckte laut Testern „leicht abgestanden“. Von Hipp, deren Produkt aus der Krumbach-Quelle in Baden-Württemberg stammt, heißt es auf Anfrage: „Das Hipp Baby Mineralwasser entspricht in seiner Qualität voll und ganz den strengen Anforderungen, die die besonders empfindliche Kundengruppe Babys und Kleinkinder an ein solches Produkt stellt. Die Qualität des Wassers ist hervorragend.“ Die Firma teilt mit, dass ihr Babywasser „durchaus seine Berechtigung“ habe, „ wenn kein Trink- bzw. Leitungswasser in der babygerechter Qualität verfügbar oder wenn die Qualität des Trinkwassers nicht bekannt ist z.B. auf Reisen.“

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