Katzen kann man nicht trainieren? „Kann man doch“, sagt Lena Petrides aus Murr (Kreis Ludwigsburg). Wie sie Catfluencerin wurde und wie das Training mit den Katzen funktioniert.

Ludwigsburg: Sandra Lesacher (sl)

Nala ist eine eher scheue Katze. Der fremde Besuch in der Wohnung scheint ihr nicht ganz geheuer, es braucht gutes Zureden von Frauchen Lena Petrides und das eine oder andere Leckerlie, bis „die Neue“ im Wohnzimmer akzeptiert ist. Bei Mia geht das etwas schneller. Das zierliche Kätzchen hat einen klaren Fokus auf Leckerlies und Streicheleinheiten – und reicht dem Besucher dann gleich mal das Pfötchen.

 

Ja, Nala und Mia können Pfote geben. Und High Five. Oder „Männchen“. Katzen kann man nicht trainieren? „Kann man doch“, sagt Lena Petrides. Nala und Mia geben anschauliche Beispiele. Sie machen „sitz“, sie kommen her, wenn man sie ruft, sie springen auf die Schulter, laufen bei Fuß, und, und, und. An die 30 Kommandos haben die beiden Katzen drauf.

Kater Harald und die Leberwurst

„Man kann Hunde trainieren, warum nicht auch Katzen?“, fragten sich Lena Petrides und ihr Mann Chris Lötterle, beide 34 Jahre alt. Als sie Nala zu sich holten, war klar: „Wir probieren das jetzt einfach aus.“ Immerhin hatte Lena Petrides als Kind schon ihrem Kater Harald „sitz“ beigebracht – mit Leberwurst als Belohnung.

Bei Nala, einer grau-silber getigerten halb Bengal-, halb europäischen Hauskatze, setzen die beiden auf Clicker-Training. Heißt: Wenn Nala ein Kommando richtig befolgt, klickt der Clicker und es gibt ein Leckerlie. Die Katze verbindet also ein positives Belohnungserlebnis mit der Aktion. Zudem macht es offensichtlich Spaß. „Die beiden Katzen fordern das Clickern regelrecht ein.“

Lena Petrides und ihre Katze Nala Foto: Sandra Lesacher

Das Ganze hat – und das ist Lena Petrides wichtig – nichts mit Domptieren zu tun. Im Gegenteil. „Es muss immer zum Wohle der Katze sein. Es gibt der Katze Selbstvertrauen, stärkt das Band zwischen uns und ist zudem super wichtig, wenn wir zum Beispiel gemeinsam draußen sind.“

Lena Petrides, ihr Mann Chris und Katze Nala sind oft zum Spazieren in den Weinbergen unterwegs. Nala kann an der Leine laufen, ist aber auch oft ohne unterwegs. Zur Sicherheit hat sie einen Tracker am Halsband, aber sie hört eben auch auf die Kommandos und kommt, wenn man sie ruft.

Nala ist seit Anfang 2024 bei Chris und Lena zuhause in Murr. Im vergangenen Mai folgte dann Mia, eine Straßenkatze, die den beiden bei ihren Flitterwochen auf Kreta zugelaufen war. Nala war auch mit in Griechenland. Sie reiste sichtlich entspannt in ihrer „Box“, einer Art Katzenrucksack und ging sogar an der Leine zur Flugzeugtoilette, wo sie im mitgebrachten Katzenklo ihr Geschäft verrichtete.

Sichtlich entspannt übrigens deshalb, weil Nalas Reise online ging – wie eine ganze Menge aus ihrem und inzwischen auch Mias Katzenleben. Mit einem Video auf TikTok fing alles an, inzwischen sind Lena und Chris mit ihren Katzen vor allem auf Instagram aktiv und haben dort mehr als 80.000 Follower. Die Videos sehen oft 200.000 und manchmal bis zu drei Millionen Menschen.

Das zweite Buch ist in der Mache

Zudem gibt es eine Online-Katzenschule mit Videokursen und Katzen-Coaching. Bei der Lern-Plattform für Menschen mit Katzen geht es um das Clicker-Training, Erziehung, medizinische Fragen, Autofahren und Reisen, Futter oder den Umgang mit Verhaltensproblemen. Aktuell schreiben Lena Petrides und Chris Lötterle an ihrem zweiten Buch zum Thema.

Nala und Mia scheinen die Besucherin im Wohnzimmer inzwischen ausgeblendet zu haben. Die eine räkelt sich auf einem Sessel, die andere hat sich in ihrer Höhle zusammengerollt. Zum Abschied gibt es nochmal Pfötchen. Einen Click und ein Leckerlie.