3D-Druck beim Hausbau „Das Haus ist deutlich schneller fertig“
Schon heute könnten ganze Wohngebiete mithilfe von 3D-Druckern gebaut werden, sagt der Dresdner Forscher Jens Otto – und erklärt, warum das trotzdem noch einige Jahre dauern wird.
Schon heute könnten ganze Wohngebiete mithilfe von 3D-Druckern gebaut werden, sagt der Dresdner Forscher Jens Otto – und erklärt, warum das trotzdem noch einige Jahre dauern wird.
Jens Otto forscht an der TU Dresden zum Bauen mithilfe von 3-D-Druckern. Er kennt sich mit der Technik aus – und mit den deutschen und amerikanischen Eigenarten beim Bauen.
Herr Otto, sind 3-D-gedruckte Gebäude die Zukunft des Wohnungsbaus in Deutschland?
Wir reden aktuell über eine Handvoll Projekte, die vor allem die Machbarkeit von automatisiertem Bauen demonstrieren sollen. Es gibt verschiedene technische Ansätze, von denen sich noch keiner vollständig durchgesetzt hat. In jedem Fall muss für die 3-D-Druck-Bauweise bislang noch eine projektspezifische Bauartgenehmigung eingeholt werden, anders als bei herkömmlich errichteten Gebäuden.
Und das rechnet sich vermutlich noch nicht.
Kostenintensiv ist vor allem das Einrichten des Druckers, also das Aufstellen des Geräts und das Übersetzen des Bauplans in Maschinensprache. Wirtschaftlich wird das erst, wenn möglichst viele gleiche Häuser am Stück gedruckt werden. Die Planung der Gebäude orientiert sich dann vor allem an dem, was automatisiert schnell herstellbar ist.
In den USA entstehen ganze Siedlungen im 3-D-Druck. Warum nicht bei uns?
Das hat neben der Regulierung mit den baulichen Anforderungen zu tun – in Texas baut man einfacher, und die Mentalität ist anders. Hersteller wie Icon machen das einfach, sie haben zahlungsfreudige Investoren und finden wohl eher interessierte Käufer. Technisch wäre es allerdings schon heute möglich, in Deutschland ein Wohngebiet mithilfe von 3-D-Druckern zu bauen.
Was spräche dafür?
Für solche Bauvorhaben brauchen Sie weit weniger Fachkräfte, dazu sinkt die Unfallgefahr, und für die Maschinen gelten auch keine Beschränkungen bei der Arbeitszeit. Theoretisch können die 24 Stunden am Tag laufen, das Haus ist also deutlich schneller fertig. Zudem können 3-D-Drucker neue Arten von Oberflächen und gekrümmte Wandstrukturen bis hin zu Möbel realisieren. Die neuen Möglichkeiten können aber bisher nur wenige Architekten in eine gute Planung umsetzen.
Wohin geht die Entwicklung?
An der TU Dresden forschen wir zum Druck mehrgeschossiger Gebäude und zur automatisierten Bewehrung im Druckprozess. Ein wichtiger Fortschritt wäre, wenn man nicht nur Wände drucken könnte, sondern auch Stützen und Decken, Fundamente und Bodenplatten. Womöglich kann in drei bis fünf Jahren der komplette Rohbau automatisiert hergestellt werden. Außerdem kann 3-D-Druck ein Katalysator sein, um statt des CO2-intensiven Betons nachhaltigere Baustoffe zu nutzen.
Professor
Jens Otto (Jahrgang 1974) ist Bauingenieur und leitet das Institut für Baubetriebswesen an der TU Dresden. Er hat zudem jahrelang in der Bauwirtschaft gearbeitet. Er forscht zum Thema 3D-Druck im Bauwesen und organisiert Fachveranstaltungen zu dem Thema. red