3D-Druck-Spezialist sitzt in Schorndorf Schicht für Schicht zum Erfolg

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Die Schorndorfer Firma Alphacam ist ein europaweit führendes Unternehmen im Bereich 3D-Druck. Sie hat sich bereits vor fast 30 Jahren mit der Technologie beschäftigt. Mittlerweile werden sogar Prototypen aus Metall angefertigt.

Daniel Terzenbach, Mitglied im Vorstand der Bundesagentur für Arbeit, hält das Modell eines Kinderherzens in der Hand, das aus einem 3-D-Drucker stammt. Foto: Gottfried Stoppel/Gottfried Stoppel
Daniel Terzenbach, Mitglied im Vorstand der Bundesagentur für Arbeit, hält das Modell eines Kinderherzens in der Hand, das aus einem 3-D-Drucker stammt. Foto: Gottfried Stoppel/Gottfried Stoppel

Schorndorf - Es ist offensichtlich nichts unmöglich. Ein Kinderherz, ein Autorücklicht, ein Uhrwerk oder die Innenausstattung eines Flugzeugs, all das kam bereits aus den Druckern von Alphacam. Das Schorndorfer Unternehmen ist seit 28 Jahren im Bereich des 3D-Drucks unterwegs, damals als man noch von rapid prototyping – „zu deutsch: dem schnellen Bau eines Modells“ – sprach und niemand wusste, was das eigentlich sein soll. „Seit ein paar Jahren gibt es einen richtigen Hype. Sogar bei Aldi gab es 3D-Drucker zu kaufen. Jetzt weiß jeder, was 3D-Druck ist“, sagt Geschäftsführer Josef Galli und lacht.

Weil seine Firma nicht nur Vorreiter war, sondern immer noch führend in dieser Branche unterwegs ist, war Daniel Terzenbach, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, am Mittwoch zu Gast bei Alphacam. „Die Firma ist die Kompetenz für 3D-Druck im europäischen Raum, ein klassischer Hidden Champion“, sagt Terzenbach, der Unternehmen besucht, die im Bereich der neuen Technologien eine herausragende Rolle spielen.

Konstruktion und Produktion von Alphacam sind in Schorndorf

Wie die Schorndorfer Firma zum 3-D-Druck kam? „Wir wurden auf einer Messe von Amerikanern angesprochen, ob wir nicht den Exklusivvertrieb ihrer 3D-Druckern in Deutschland übernehmen wollen“, erzählt Galli. Über diese Anfänge hat Alphacam seine Kompetenz immer weiter ausgebaut, bis hin zur eigenen Herstellung von Prototypen. „Die Vielfalt überrascht mich selbst immer wieder“, sagt Josef Galli, dessen Unternehmen 100 Mitarbeiter hat und weitere Standorte in Österreich sowie der Schweiz. Der Gesamtumsatz liegt bei etwa 38 Millionen Euro im Jahr. Konstruktion, Produktion sowie die abschließenden Arbeiten an den Prototypen finden direkt in Schorndorf statt.

Ein wichtiger Bereich ist zum Beispiel die Luft- und Raumfahrt. „Etwa 1000 Teile eines Flugzeugs dürften mittlerweile von 3D-Druckern hergestellt werden“, berichtet Jana Jancke vom technischen Vertrieb. Das seien Ausstattungsteile, die bei Alphacam in größerer Stückzahl produziert werden. „Weil jede Fluglinie ihr eigenes Design hat, ist es günstiger, die Teile per 3D-Druck herzustellen“, erläutert sie. Alphacam und die Maschinen haben eine extra Zertifizierung, um für Luft- und Raumfahrt produzieren zu dürfen.

Medizintechnik ist ein wichtiger Bereich für den 3D-Druck

Ein weiterer großer Bereich ist die Medizintechnik. Das Kinderherz diente etwa der Vorbereitung vor einer Operation, genauso wie das Modell eines Gehirns samt Aneurysma. „Ich habe in der Werkstatt schon Frauenunterkörper vorgefunden – das waren Modelle für Hebammen“, berichtet Josef Galli. Und erst vor kurzem habe Gunther von Hagens in Schorndorf vorbeigeschaut – auch der Erfinder der Plastination interessiert sich für die Möglichkeiten des 3D-Drucks.

Bei Alphacam lassen aber nicht nur große Firmen Prototypen herstellen. „Zu uns kommen auch Studenten, die ein Modell für ihre Diplomarbeit anfertigen lassen. Da muss es meist schnell gehen“, sagt Jana Jancke und lacht. Die Zeitersparnis sei oft ein wichtiger Faktor. Deswegen hat Alphacam zum Beispiel auch Rücklichter für Autos produziert: „Das war für Werbeaufnahmen, da sieht man nicht, dass es nicht das Eigenprodukt ist.“

3-D-Druck mit Metall als neue Sparte

Eine neue Sparte hat im vergangenen Jahr richtig Fahrt aufgenommen. Mittlerweile ist es möglich, Objekte aus Metall zu drucken. „Ich denke, dass in diesem Bereich die Nachfrage steigen wird“, sagt Josef Galli. Der Geschäftsführer will sich darauf vorbereiten – und seine Firma deswegen möglichst bald erweitern.