40 Jahre Demokratisches Zentrum in Ludwigsburg Der Kaktus-Stachel im Fleisch des Establishments

Von Susanne Mathes 

Das Demokratische Zentrum feiert sein 40-Jähriges. Die Stimmungslage? Kopf hoch und weitermachen! Doch was gibt der Demoz-Gemeinschaft Zuversicht?

Christian Rehmenklau erinnert an die Demoz-Anfänge. Foto: factum/Andreas Weise
Christian Rehmenklau erinnert an die Demoz-Anfänge. Foto: factum/Andreas Weise

Ludwigsburg - Natürlich hat dieses Exponat seinen Weg in die Ausstellung über die 40-jährige, wechselhafte Geschichte des Demokratischen Zentrums (Demoz) Ludwigsburg gefunden. Eingerahmt hängt das zweiseitige Schreiben des Finanzamtes Ludwigsburg an der Wand, das dem Verein für politische und kulturelle Bildung die Aberkennung der Gemeinnützigkeit mitteilt. „Es ist absurd – aber es gehört jetzt eben auch zu unserer Geschichte“, sagt Yvonne Kratz vom Vorstands-Team.

„Gegenüber dem Anspruch, der ,Volksbildung’ und einer offenen demokratischen Diskussion zu dienen, ist laut Text neben dem Impressum festzustellen, dass der Verein ausdrücklich auch Personen von seinen Veranstaltungen ausschließt“, heißt es in dem Finanzamt-Schreiben. „Da eine Förderung der Allgemeinheit i.S. des § 52 Abs. 1 AO somit nicht gegeben ist, führt dies zum Verlust der Gemeinnützigkeit.“ Der beanstandete Text neben dem Demoz-Impressum lautet: „Ausgeschlossen von den Veranstaltungen sind Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind.“

Viel Zuspruch nach dem Schock

„Genau das also, wozu Merkel bei ihrer Neujahrsrede aufgerufen hat“, sagt Wolfgang Lehmann, Demoz-Mann der ersten Stunde, als die Community am Freitag das 40-Jahr-Bestehen des Zentrums feiert. Seine Folgerung und sein Appell aus dieser Entwicklung: „Ich erhöhe meinen Mitgliedsbeitrag. Und ich rufe euch dazu auch, das auch zu machen. Machen wir uns frei von den Abhängigkeiten!“

„Wir haben in den vergangenen Wochen viel Zuspruch und Spenden bekommen“, sagt Kratz. In gewisser Weise habe der Schock auch belebend gewirkt, viele Menschen hätten erkannt, dass etwas bedroht sei, mit dem man Erinnerungen und Impulse verbinde, was man aber vielleicht auch mittlerweile für selbstverständlich halte. Im Jahr 2020 dürfte der Verein dank der Unterstützung über die Runden kommen, schätzt sie. „Aber wenn es dabei bleibt und uns die Fördermittel wegfallen, dann wird es existenzbedrohend.“

Der Kaktus-Stachel im Fleisch des Establishments

Bei der Feier zum 40-Jährigen herrscht dennoch „Wir-lassen-uns-nicht-unterkriegen“-Stimmung unter den Besuchern. Ob Christian Rehmenklau, der als „Apo-Opa“ das Ludwigsburg der 70-er und 80-er Jahre als eine Stadt beschreibt, in der es „nichts gab außer drei Pornokinos, einem erzkonservativen Mehrheitsmix im Gemeinderat und uns, die auf Revolution warteten – aber da kam nix“, ob Bernd Meinholdt und Edgar Buck, die an die bewegten Zeiten des aufmüpfigen „Ludwigsburger Stadtblattes“ erinnern: Sie und andere aus der Demoz-Gemeinschaft zeigen im Rückblick, warum das Demokratische Zentrum den „Kaktus im blühenden Barock“ als Erkennungszeichen gewählt hat und sich als Stachel im Fleisch des Establishments sieht. Schlaglichtartig geht es am Jubiläumsabend um Demoz-Historie wie Volkszählungs-Protest, Castor-Widerstand, Müllverbrennungsanlagen-Kampf oder Ringen um Geschlechtergerechtigkeit.

Gesellschaftskritische Vorträge und Konzerte, Lesungen, Workshops: Das Team steckt weiterhin Energie in das Programm. Und es bekommt auch prominente Schützenhilfe: Am 21. Februar gibt die Kabarett-Größe Christine Prayon, unter anderem bekannt durch ihre Rolle Birte Schneider in der Heute-Show, einen Benefizabend im Demoz. Der ist allerdings schon restlos ausverkauft.