Im Grunde ist diese Ehe eine Mesalliance. Sie hat es mit den schönen Dingen – mit der Kultur, der Kunst und der besseren Gesellschaft. Eine attraktive blonde Frau, Inhaberin eines Antiquitätengeschäfts, dazu adlig. Er kommt aus einfacheren Verhältnissen. „Kultur war für uns, wenn einer sauber g’waschen war“, erzählt die Figur des Franz Münchinger, gespielt von Helmut Fischer in der ersten Folge der Serie „Monaco Franze“ über seine Jugend im Münchner Westend.
Aus Abenteuerlust hat Franz bei der Polizei angeheuert. Praktischerweise verschafft ihm der Beruf wunderbare Ausreden für seine wirkliche Leidenschaft: die Frauen. Mit seinem Freund und Kollegen Manni Kopfeck (Karl Obermayr) ist Monaco Franze gerne „auf Fahndung“. Er jagt keine Verbrecher, sondern Damen.
Der ewige Stenz ist ein Klassiker
Wenn er sich damit auch vor dem Besuch einer elend langweiligen Wagner-Oper mit seiner Gattin (Ruth Maria Kubitschek) drücken kann, umso besser. Der Monaco Franze ist ein charmanter Hallodri, ein Vorstadt-Casanova, ein granatenmäßiger Schlawiner und eine Fernsehlegende. Die zehnteilige Serie, Untertitel „Der ewige Stenz“, wurde 1983 zum ersten Mal ausgestrahlt. Damals ein voller Erfolg, heute ein Klassiker. Ein gut gemachtes Stück Fernsehgeschichte mit liebenswürdigen Figuren, von Sympathie getragen und vom Publikum geliebt.
Auch 40 Jahre später hat die Produktion des Bayerischen Rundfunks noch viele Fans, zum Jubiläum Mitte Juli werden die zehn Folgen im BR Fernsehen wiederholt. In München gibt es sogar einen geführten Rundgang auf den Spuren des ewigen Stenz. Das Interesse ist groß: „Das ist eine unserer am besten laufenden Touren“, sagt Stadtführungsveranstalter Martin Schmitt-Bredow.
Das liegt auch am Guide. Gestatten, Monaco Martl. Den Spitznamen hat man Martin Kain einst auf dem Oktoberfest verpasst. „Das hat sich der Weinzelt-Wirt Stephan Kuffler ausgedacht“, erzählt der 66-Jährige. Immer wieder sprechen ihn Fremde an, ob er der kleine Bruder von Helmut Fischer sei? Diese Ähnlichkeit!
Wache Augen, knitzer Blick, dunkle Haare mit grauen Schläfen, fast die gleiche Frisur, nur den Scheitel trägt er anders. Mehr mittig statt links. Kain ist wie sein Alter Ego echter Münchner – er kommt aber aus Sendling, Schauspieler Fischer stammte aus Neuhausen-Nymphenburg.
Junggesellinnenabschied mit Kult-Serie
Martin Kain hat Fotograf gelernt und lange als technischer Redakteur in der Automobilbranche gearbeitet. Jetzt ist er im Ruhestand und quasi hauptberufliches Monaco-Franze-Double. Für die Kultserie und das ganze Drumherum hat er sich eh interessiert und im Laufe der Jahre ein profundes Wissen angeeignet. Ein ganzes Altenheim hatte der Monaco Martl schon mal bei einer Stadtführung im Schlepptau. Manchmal begleitet er auch Junggesellinnenabschiede, mit Prosecco trinkenden und kichernden jungen Damen.
An diesem Tag besteht die Gruppe hauptsächlich aus Männern. Fabian und sein Papa aus dem Allgäu. Christian und sein Spezl Thomas aus Altötting. Leif, ein gebürtiger Münchner, der jetzt in Frankfurt wohnt. Seine Freundin Maike aus Ostfriesland hat ihm die Führung zum Geburtstag geschenkt. „Mir gefällt der Schmäh, das Lebensgefühl, das die Serie transportiert“, sagt Leif (49). Wie witzig die von Helmut Dietl und Patrick Süskind geschriebenen Dialoge noch immer sind, wird ständig deutlich. Die Fans können ganze Folgen auswendig und spielen sich die Serienzitate zu wie Filzbälle auf dem Tennisplatz. „A bisserl was geht immer.“ – „Immer des G’schiss mit der Elli.“ – „Krautwickel Neapolitanische Art“ – „Ich wollte Sie ja gar nicht ansprechen, Fräulein.“ – „Spatzl, schau wie i schau.“ – „Sind’s ein rechter Weinkenner auch?“ Stichworte, die Nicht-Eingeweihte ratlos zurück- und Insider in prustendes Lachen ausbrechen lassen.
Obwohl die Hauptfigur im Grunde nichts anderes ist als ein schlimmer, unverbesserlicher Aufreißer, bekommt der Monaco Franze mit seinem Dackelblick mildernde Umstände. Die Geschichten sind harmlos und absolut jugendfrei. „Ist euch mal aufgefallen: Es gibt keine einzige Sexszene“, sagt Monaco Martl zu seinen Gästen. Jetzt wo er’s sagt. Die Anfang der 1980er Jahre gedrehte ARD-Serie entstand nicht im Studio, sondern wurde echt in den Straßen, in Lokalen, im Englischen Garten oder in richtigen Wohnungen gedreht. Auch das macht den Charme aus – man sieht sehr viel von München. „Das gute alte München“, betont Christian. Die Serie bedient eine nostalgische Sehnsucht nach einer längst vergangenen Zeit.
Drehorte abklappern mit Doppelgänger
Manche Drehorte existieren auch 40 Jahre später. Zum Beispiel das Film-Apartment in der Agnesstraße 16. Hier im Hochparterre links wohnte die Fernsehfigur Franz Münchinger gemeinsam mit seiner nachsichtigen Ehefrau Annette von Soettingen. Sechs Zimmer mit eigenem Aufgang. Serienfans erkennen das Haus sofort am kleinen runden Fenster. Alles wie gehabt auch in der Fürstenstraße. In Haus Nummer 10 betrieb die Gattin ein Antiquitätengeschäft. In dem Laden werden tatsächlich schöne alte Dinge verkauft. Der Elisabethmarkt, wo Haushälterin Irmgard einkaufte und alles „immer teurer“ wurde, steht auch noch.
Mehrere Kilometer geht es durch Schwabing bis zur Münchner Freiheit. Hier stehen respektive sitzen zwei überlebensgroße Bronzeplastiken von Helmut Fischer und von Helmut Dietl. Genau an der Stelle, wo sich der Schauspieler und der Regisseur einst Ende der 1970er Jahre kennengelernt hatten. Dietl hat Fischer den Monaco Franze auf den Leib geschrieben. „Es war die Rolle seines Lebens“, sagt Martin Kain.
Je besser man sich unterhält, desto unbemerkter verfliegt die Zeit. Die auf drei Stunden angesetzte Tour dehnt sich auf fast fünf Stunden. Unterwegs wird mehrfach eingekehrt, und jedes Mal zanken die Teilnehmer darum, wer für alle bezahlen darf. Die Liebe zum knitzen Monaco Franze macht völlig fremde Menschen zu Freunden. Man kennt sich ja schließlich schon seit 40 Jahren, irgendwie.
Info
Anreise
Mit dem Zug ab Stuttgart nach München, www.bahn.de.
Unterkunft
Das Hotel Schwabinger Wahrheit ist ein künstlerisch gestaltetes Quartier mitten im Viertel. DZ ab 120 Euro, www.schwabinger-wahrheit.de.Das La Maison ist ein verspieltes Boutique-Hotel in Alt-Schwabing, DZ ab 110 Euro, www.hotel-la-maison.com/de/
Essen und Trinken
In der Max-Emanuel-Brauerei feierten die Serienfiguren Franz Münchinger und Manni Kopfeck Fasching und trafen auf die fesche Lilli (Folge 5: „Der Herr der Sieben Meere“). Das Lokal gibt es noch – renoviert ist es kaum wiederzuerkennen. Klassische bayerische Küche, schöner Innenhof. https://max-emanuel.de. Das Romagna Antica war die Stammkneipe von Regisseur Helmut Dietl. In den Räumen des Ristorante kann man nach wie vor italienisch essen. Es gehört inzwischen aber zur Kette L’Osteria, https://losteria.net/de. Der Gasthof Rheinpfalz Schwabing ist ein alteingesessener Treff von Schauspielern, Künstlern und anderen Kulturschaffenden. Gekocht wird gutbürgerlich, https://rheinpfalz-schwabing.de.
Aktivitäten
Die Stadtführung kostet 25 Euro pro Person und dauert rund drei Stunden. Buchbar unter https://stadtfuehrung.info.Im vierten Stock des Kaufhauses Beck gibt es eine Ecke mit Kleidung, Bierkrügen und Tassen der Marke Franz Münchinger. Im Monaco Café kann man mit Blick auf den Marienplatz verweilen, www.ludwigbeck.de/monaco-cafe.
Der Bayerische Rundfunk feiert das 40-Jahr-Jubiläum der Kultserie und wiederholt ab Dienstag, 25. Juli, alle zehn Folgen im BR Fernsehen (ab 21. Juli in der ARD-Mediathek). Dazu gibt es das Geburtstags-Spezial „Und ewig lockt der Stenz“ am 25. Juli um 20.15 Uhr.
Allgemeine Informationen
München Tourismus, www.muenchen.travel