40. Zeltspektakel in Wendlingen Wodka zum Geburtstag

Der Comedian Michael Gaedt sorgt mit seinem Dressurstück mit echten sibirischen Tiefspülern für viele Lacher. Foto: Kerstin Dannath

Das Trio Kuhnle, Gaedt und Baisch strapaziert zum Finale des 40. Zeltspektakels in Wendlingen die Lachmuskeln mit einem Feuerwerk der schrägen Gags.

Gnadenlos albern und zugleich virtuos – das Comedy-Trio Kuhnle Gaedt Baisch hat zum Abschluss des Wendlinger Zeltspektakels den Blödsinn in bislang unbekannte Sphären gejagt. Vor 400 Zuschauern zündeten die drei Altmeister der angespannten Lachmuskeln ein regelrechtes Feuerwerk an Gags – garniert mit Kloschüssel-Dressuren, Opernarien und altersgerechter Akrobatik.

 

Drei Comedy-Altmeister ziehen alle Register

„In 180 Jahren um die Welt“ heißt das aktuelle Programm der drei in die Jahre gekommenen Comedy-Legenden Otto Kuhnle (Ex Trio Blamage), Michael Gaedt (Ex Kleine Tierschau) und Roland Baisch (Ex Shy Guys) – die sich ursprünglich unter dem Namen „KGB“, einem Akronym ihrer Nachnamen, zusammengetan hatten. Aufgrund der „politischen Großwetterlage“ (Gaedt) habe man sich allerdings dazu entschlossen, den Namen abzulegen, um alsdann unter bürgerlichem Nachnamen die Welt zu einem fröhlicheren Ort zu machen. Honorig verteilen die drei in Würden ergrauten Comedians vor ihrem Auftritt erstmal Wodka im Publikum – eine Reminiszenz an den Umstand, dass das Programm unter dem Einfluss des russischen Nationalgetränks geschrieben worden sei, wie Kuhnle freimütig erklärt. Die selbsternannten „Apostel des Friedens“ (Baisch), die sich konsequent mit „Herr Kuhnle“ oder „Herr Gaedt“ ansprechen, reihen in der Folge alte und neue Nummern – wie etwa Gaedts Dressurstück mit „echten sibirischen Tiefspülern“ – aneinander und verulken mit viel Raffinesse deutsches Liedgut – so wird aus der „Schwäb’sche Eisenbahne“ flugs die „Transsibirische Eisenbahne“ oder „Alle meine Entchen“ zu Dvoraks „Moldau“ uminterpretiert. Musikalisch gesehen können sich viele jüngere Künstler immer noch ein Scheibchen von den alten Herren abschneiden – gespielt wird auf allerlei Zupfinstrumenten von Banjo bis Ukulele, dazu kommen Saxofon, Schlagzeug und Mundharmonika.

Viele Lacher gibt es, als Kuhnle akribisch fünf Tischtennisbälle in seinen Hamsterbacken verschwinden lässt, auch für seine virtuose Laubsauger-Jonglage gibt es tosenden Applaus – letztlich schießt sich das Trio als „Todestrinker von Acapulco“ noch feuchtfröhlich Wodkagläser um die Ohren. Dem Wendlinger Publikum gefällt’s – trotz ihrer zusammen 196 Jahre nehmen die drei Altmeister des postpubertären Humors von Anfang an alle mit, Wodka hin oder her.

Zeltspektakelverein zieht eine zufriedene Bilanz

Mit zwei ausverkauften Abenden – weder für Kabarettistin Martina Schwarzmann noch für die Spaß-Metaller von J.B.O gab es noch Karten – zeigte sich das Team vom Zeltspektakelverein sehr zufrieden mit dem Jubiläumsevent. Einziger Wermutstropfen: Zu den Söhnen Mannheims kamen lediglich 350 Besucher. „Aber unterm Strich hat wieder mal alles gepasst“, freute sich der Vereinsvorsitzende Hansjörg Fritz. Mit den vier völlig verschiedenen Genres habe man wieder mal einen guten Riecher für den Geschmack des Publikums gehabt. Rund 85 ehrenamtliche Helfer waren rund um das viertägige Abschlussevent zum 40. Jubiläum im Einsatz.

Mit drei Veranstaltungen über das ganze Jahr – angefangen von dem Auftritt von Götz Alsmann im Frühjahr über das Spinnereispektakel im Sommer bis hin zum traditionellen Zeltspektakel – habe man viel zu tun gehabt, gab Mitorganisator Michael „Puky“ Pukrop zu. Allerdings sei ja nicht jedes Jahr ein runder Geburtstag – wobei Fritz bereits andeutete, dass sich das Zeltspektakelteam auch in der Zukunft gut vorstellen könne, die Wendlinger Neckarspinnerei mit der einen oder anderen zusätzlichen Veranstaltung zu bespielen.

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