SV Leonberg/Eltingen Basketball 41 Jahre alt – „Basketball-Opa“ Jochen Mikait hat noch nicht genug

Jochen Mikait (Mi.) steckt noch immer voller Energie. Foto: Andreas Gorr

Seit Jahren ist der Routnier bei den Basketballern des SV Leonberg/Eltingen eine feste Größe. Trotz seines Alters hat er noch ein besonderes Ziel.

Leonberg: Flemming Nave (nave)

Enkel hat Jochen Mikait keine. Dennoch nennt Trainer Niko Tokas den Spieler liebevoll „Basketball-Opa“. Immerhin ist der Center vom SV Leonberg/Eltingen mit 41 Lenzen weitaus älter als die meisten Basketballer in der Landesliga, sogar in der US-amerikanischen Profiliga NBA wäre er heute der älteste Spieler. Topstar LeBron James ist zwar ebenfalls seit Kurzem 41, aber ein paar Monate jünger als Jochen Mikait.

 

An diesem Sonntag (17 Uhr) tritt der SV beim TSV Kupferzell an, Tokas bezeichnet den zweifachen Vater als „ältesten Top-Spieler der Liga“ und sagt: „Ich kann mich nicht erinnern, dass ein Spieler in dem Alter auf diesem Niveau so agieren kann.“ Mikait ist, anders als die meisten Spieler seines Alters, keine sogenannte Kaderleiche. „Er ist ein Leistungsträger in unserer Offensive“, erklärt Tokas. Dank Mikaits guter Angriffsquoten könne sich der Rest des Teams besser auf die Defensive konzentrieren.

Mikait (vorn) ist kaum zu bremsen. Foto: Andreas Gorr

Er verfügt über enorme Erfahrung, dazu sei er ein „gut geschulter, technisch starker Spieler, ein guter Teammate und ein guter Mensch“, schwärmt Niko Tokas über den 41-Jährigen. Der spielt mittlerweile seit über drei Jahrzehnten und will den Sport nicht mehr missen. Sein Vater machte den damals Siebenjährigen auf ein Probetraining aufmerksam, er wuchs mit Größen des Sports wie Michael Jordan und seinem Lieblingsspieler Shaquille O’Neal auf und spielte während seines Studiums der Sportwissenschaften in Karlsruhe in der drittklassigen Regionalliga. Basketball schätzt er als besonders intelligenten Sport, weil motorisch und taktisch mehr gefordert sei als etwa beim Fußball, was er vor seiner Basketballzeit spielte.

Wie Jochen Mikait nach Leonberg kam

2018 kam der gebürtige Pforzheimer nach Leonberg und suchte Kontakt zu Basketball-Abteilungsleiter Tassilo Hackert. „Ich habe ihn gefragt, ob er mich zum Try-Out haben will. Damals habe ich es so genannt, darüber lachen wir heute noch“, grinst Mikait. Der Try-Out zahlt sich bis heute aus, wie man an Mikaits Statistiken sieht. 213 Punkte sammelte er in dieser Hinrunde, in sieben der zehn Spiele war er der erfolgreichste Werfer im Team. Dabei bestritt er nicht nur jedes Spiel, er versäumte auch kaum eine Trainingseinheit. In seiner beruflichen und familiären Situation sei das nicht selbstverständlich, betont Niko Tokas.

Jochen Mikait (Mi.) 2021 gemeinsam mit Tassilo Hackert (li.) Foto: Andreas Gorr

Als Top-Scorer hat Jochen Mikait großen Anteil daran, dass die SV-Basketballer die beste Offensive der Hinrunde stellen. Für den Coach ist das aber nur ein kleiner Trost – den defensiv orientierten Tokas stört, dass sein Team nur auf Platz vier der besten Verteidigungen und auch der Tabelle steht.

Das alte Leid der SV-Basketballer

Vor allem der Saisonstart mit drei Niederlagen aus den ersten vier Spielen missfällt Tokas. Die Mannschaft fand zu Beginn nicht in den Spielrhythmus und stand sich mit schwachen Trefferquoten in der Offensive oft selbst im Weg. Da half es sicher auch nicht, dass der SV die ersten vier Spiele gegen den Rest der Top-Fünf der Liga bestreiten mussten, gegen die Top- Drei wurde jeweils verloren. Ein Fehlstart zu Saisonbeginn, der im späteren Saisonverlauf den großen Wurf verhindert, das Thema ist bei den Basketballern kein neues Phänomen. In vier der letzten fünf Spielzeiten, in denen es maximal zum dritten Platz in der Landesliga reichte, verlor die Mannschaft drei der ersten sechs Saisonspiele.

Trainer Niko Tokas verzichtet auf große Ansagen vor der Rückrunde. Foto: Andreas Gorr/Andreas Gorr

„Ich werde jetzt keine großen Töne spucken“, sagt Niko Tokas mit Blick auf die Tabelle. Es gelte, die gute Form von zuletzt sechs Siegen in Serie in die Rückrunde mitzunehmen, dann, meint der Coach, sei alles drin. Dabei soll weiterhin Jochen Mikait helfen, der im hohen Sportleralter noch ebenso hohe Ziele verfolgt: „Der Verein hat das Ziel Oberliga immer noch, obwohl wir schlecht in die Saison gestartet sind. Es ist auch mein Ziel, noch mal hochzugehen.“

So plant Mikait seine sportliche Zukunft

Doch sollte der Aufstieg auch im siebten Anlauf nicht gelingen, für Mikait ist noch kein Ende in Sicht. „Solange ich mit den Jungen noch mithalten kann, werde ich auch nicht aufhören“, sagt Mikait, der nach einer langwierigen Verletzungspause vor zwei Jahren wieder topfit ist. Was aber, wenn es irgendwann doch nicht mehr für das hohe Niveau reicht? „Die zweite Mannschaft freut sich schon“, grinst der 1,93-Mann, es soll in der Kreisliga weitergehen.

Und danach? Derzeit trainiert der Routinier die Nachwuchsmannschaft des SV, in der sein Sohnes spielt, auch eine Trainerkarriere im aktiven Bereich reizt ihn. Vorerst spielt er aber weiter, und wenn Jochen Mikait einmal Enkel haben wird, wird der echte Basketball-Opa sicher viel zu erzählen haben.

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