42. Auflage der Leonberger Autoschau Die Nachfrage nach Dieselautos sinkt spürbar

Von Henning Maak 

Bei der 42. Auflage der Autoschau stellen die Verkäufer eine große Verunsicherung bei den Kunden zum Thema Diesel fest.

Zahlreiche Besucher tummeln sich am Wochenende bei der Autoschau auf dem Hallenbadparkplatz und dem Festplatz Foto: factum/Bach
Zahlreiche Besucher tummeln sich am Wochenende bei der Autoschau auf dem Hallenbadparkplatz und dem Festplatz Foto: factum/Bach

Leonberg - Das Ausstellungsgelände der 42. Leonberger Autoschau ist am Sonntagmittag bestens besucht. Zahlreiche Besucher schieben sich am Hallenbadparkplatz und dem Festplatz an der Steinstraße durch die Gassen, viele Modelle schauen sich Interessenten näher an oder erkundigen sich beim Fachpersonal nach Details. „Es ist deutlich mehr los als im vergangenen Jahr“, sagt Volker Epple, der Geschäftsführer des gleichnamigen Ford-Autohauses in Rutesheim. Wahrscheinlich sei es eine der bestbesuchten Autoschauen der vergangenen zehn Jahre.

Eine Stagnation gebe es derzeit aber bei der Nachfrage nach Diesel-Autos. „Die Kunden sind verunsichert und wissen nicht, was passiert. Daher warten sie lieber noch ein Jahr ab“, erklärt Epple, der vor allem in den vergangenen drei Monaten eine deutliche Zurückhaltung beim Kauf von Diesel-Autos gespürt hat. Die Nähe zur Landeshauptstadt Stuttgart, in der über ein Einfahrtsverbot für Dieselfahrzeuge nachgedacht wird, spiele dabei eine Rolle. „Privatkunden, die einen Diesel mit Euro-5-Norm haben, steigen lieber auf einen Benziner um“, berichtet Epple. „Wir können den Kunden leider auch keine konkreten Tipps geben, wie es mit dem Diesel weitergeht. Wer das kann, ist Hellseher, oder er lügt“, sagt Epple schmunzelnd.

Hybrid als Zukunftstechnologie

„Beim Thema Diesel gibt es zu viel Halb- oder Nichtwissen“, meint Markus Müller, der Geschäftsführer des gleichnamigen BMW-Autohauses. Der Diesel habe derzeit einfach ein schlechtes Image, dabei habe beispielsweise der neue 5er-BMW „Top-Werte“. Im Urlaub sei er auf dem Weg nach Italien mit 6,7 Litern Diesel auf 100 Kilometer ausgekommen, das schaffe kein Benziner. Und für Gewerbetreibende sei ein Benziner keine Option: „Wer im Jahr 25 000 bis 30 000 Kilometer fährt, kommt an einem Diesel nicht vorbei“, sagt Müller.

Er habe aber festgestellt, dass sich Diesel-Gebrauchtfahrzeuge nur noch in Richtung Schwarzwald und andere ländliche Gegenden verkaufen lassen. „Es ist ein gewisser Druck da, aber eine Riesen-Abwertung empfinden wir noch nicht“, sagt Müller, der im Übrigen davon überzeugt sei, dass es in Stuttgart nicht zu einem Fahrverbot kommen wird. „Da werden Diesel-Fahrer reihenweise dagegen klagen. Sie haben ja schließlich auch vor drei Jahren ein gesetzeskonformes Auto gekauft.“

Kaum noch eine Rolle spielt der Diesel beim Toyota-Autohaus ATH, erklärt Geschäftsführer Aydin Temiz, zumal man kaum Gewerbekunden habe. „Wir sind überzeugt, dass die Zukunft das Hybrid-Auto ist“, erklärt Temiz. Von selbst kämen Kaufinteressenten nicht auf die Idee, aber „wir leben es ihnen vor“. Seit den Neunzigerjahren habe man Hybrid-Autos im Portfolio, inzwischen seien bei den verkauften Toyotas rund 70 Prozent Hybrid-Modelle.

Für E-Autos fehlt Käufern oft das Wissen

„Das liegt daran, dass sich die Kunden nicht umstellen müssen, ein Hybridauto ist absolut alltagstauglich“, sagt Temiz. Ein Hybridfahrzeug habe weniger Verschleiß, weniger Verbrauch und weniger Emissionen und sei normalen Benzinern beim Anfahren überlegen. „Die Zukunft ist nicht die E-Mobilität, sondern der Hybrid“, glaubt Temiz. Bei den E-Autos seien die Hersteller wie Herdentiere, einer warte auf den anderen.

Das bestätigt größtenteils Markus Müller: „Bei den Hybrid-Modellen steigen das Kundeninteresse und die Verkaufszahlen. Bei den E-Autos nur das Interesse“, sagt er. Die drei großen Probleme seien die Reichweite, die fehlende Lade-Infrastruktur und das mangelnde Wissen potenzieller Käufer. „Viele, die sich für ein E-Auto interessieren, wissen gar nicht, wie man sich eine Ladesäule reservieren kann, oder dass man sein Auto zu Hause an der normalen Stromsteckdose aufladen kann“, erklärt Müller.

Mit dem i 3 habe BMW derzeit nur ein E-Modell im Angebot. „Bis 2025 soll es zwölf verschiedene Modelle geben, der Anteil der E-Autos dürfte dann auf 15 bis 20 Prozent steigen“, glaubt er. Auch bei Volker Epple spielen die E-Autos keine große Rolle. „Wir haben da kein allzu großes Angebot. Und bei der Autoschau wollen die Kunden lieber Tagesschnäppchen“.