50 Cent in Stuttgart Pimp, Pomp und Hip-Hop-Nostalgie

50 Cent in der Stuttgarter Schleyerhalle Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Der US-Rapstar 50 Cent gibt sich in der Stuttgarter Schleyerhalle die Ehre. Ein Hit folgt dem anderen, und trotz Gangsta-Attitude geht es ganz gesittet zu.

Bounce, Bounce, heißt es am Dienstagabend in der Schleyerhalle. Megaloh ist mit DJ auf der Bühne und heizt im Vorprogramm den überwiegend jungen Hip-Hop-Fans ein. Die lassen sich das nicht zweimal sagen und tanzen, was das Zeug hält. Gekommen sind sie aber wegen ihm: Der US-Rapstar 50 Cent gibt sich die Ehre. Der Rapper, der mit bürgerlichem Namen Curtis Jackson heißt, gibt im Oktober im Rahmen seiner „Green Light Gang World Tour“ drei Konzerte in Deutschland. Hamburg ist schon absolviert, jetzt folgt Stuttgart, und dann steht noch München auf dem Programm. Es ist die erste Deutschlandtour des 47-Jährigen seit zwölf Jahren, wie er sagt.

 

Zwei große aufgeblasene Champagnerflaschen links und rechts neben der Bühne deuten auf den Lifestyle des „Pimp“ hin. „You can find me in the Club, Bottle full of Bub“, heißt es in seinem Mega-Hit „In da Club“. Schade: Das Konzert ist bei weitem nicht ausverkauft, nur knapp die Hälfte der Halle ist gefüllt, als 50 Cent um 21 Uhr mit großem Knall und seiner Crew auf die Bühne kommt. Schwarze Kappe, weißes Shirt, dazu der Bling, und er ruft „Yeah, what’s up?“ ins Publikum.

Bombardement mit alten Hits

Dass das Konzert nur schlecht besucht ist, mag am Termin unter der Woche oder an den teuren Ticketpreisen (zwischen 80 und 150 Euro) liegen. Vielleicht liegt es auch daran, dass 50 Cent, wie er selbst zugibt, nicht mehr so sehr in der Musik ist wie früher. Sein letztes Album „Animal Ambition“ erschien 2014. Ein weiteres Album wolle er noch machen, sagte er kürzlich, aber dann sei Schluss. Sein Business hat der „Get rich or die tryin’“-Star in den letzten Jahren in Mode, Fernsehen und anderes Lukrative verlagert.

An diesem Abend jedoch legt er geradezu ein Hitbombardement hin, sodass der Auftritt zunächst wie ein Promo-Event erscheint. In einer Stunde spielt der Rapper 23 seiner Top-Hits an, darunter „P.I.M.P“, „Candy Shop“ und „Hate it or love it“. Zu Ehren des verstorbenen Rappers Coolio performen er und seine Crew „Gangsta’s Paradise“. Es begleiten ihn den Abend über Pyrotechnik, Konfetti und vier Tänzerinnen, die Booty-Shaking in Perfektion betreiben. Auf vier Leinwänden im Hintergrund laufen Visuals und frühere Videoclips. Die Bässe sind laut, eine E-Gitarre verstärkt den Effekt noch, und die Halle bebt. Die Hände gehen durchweg mit.

Der Zugabenteil ist das Beste des Abends: authentisch, intim

Dann plötzlich verabschiedet sich 50 Cent von seinen Fans, die geraten in Rage, es wird gepfiffen, „Fiddy“ lässt sie um eine Zugabe bitten. Dann gibt es noch mal eine weitere halbe Stunde Volles auf die Ohren. Jetzt ist das Konzert intimer und authentischer, als wäre die Zugabe der wichtigere Part des Abends. Aufgewachsen im Drogenmilieu von New York, neun Mal angeschossen und im Gefängnis gewesen, zählt 50 Cent immer noch zu den Top Ten der erfolgreichsten Rapper. Er ist das Sinnbild des Gangsta-Rap. Dafür ging es auf dem Konzert ganz gesittet zu. Es wurde nicht geschossen, und es gab keine Schlägerei. Stattdessen: eineinhalb Stunden feiern in Hip-Hop-Nostalgie.

Weitere Themen