50 Jahre Bildung: Volkshochschule Unteres Remstal Gegenprogramm zur Informationsblase

Die Volkshochschulvorstandvorsitzende Gabriele Zull, der Moderator Wolfgang Niess, die Volkshochschulleiterin Stefanie Köhler und der Bildungsforscher Bernhard Schmidt-Hertha (von links) haben über das Thema Bildung diskutiert. Foto: Stoppel

Gemeinsames Lernen ist ein Markenzeichen der Volkshochschule Unteres Remstal. Wie Bildung in der Pandemie funktioniert und in der Zukunft aussehen sollte, war nun Thema einer Podiumsdiskussion.

Fellbach - Es gibt immer noch Menschen, die mit dem Begriff Volkshochschule ausschließlich kreative Angebote wie Töpfer- oder Malkurse verbinden. Dass die Bildungseinrichtung längst Seminare für die berufliche Bildung anbietet – von EDV-Schulungen über Weiterbildungen zum Thema Finanzbuchführung bis zur Qualifikation als Coach – das müsse „noch mehr in die Köpfe rein“, findet Gabriele Zull, die Vorstandsvorsitzende der Volkshochschule Unteres Remstal. Am Donnerstag hat die Fellbacher Oberbürgermeisterin mit der Volkshochschulleiterin Stefanie Köhler und dem Bildungsforscher Bernhard Schmidt-Hertha über die Zukunft der Bildung diskutiert.

 

Anlass für das im Internet aus der Volkshochschule Fellbach gesendete Gespräch war der 50. Geburtstag der Bildungseinrichtung – im Jahr 1970 hatten sich die fünf Kommunen Waiblingen, Fellbach, Weinstadt, Kernen und Korb dazu entschlossen, eine gemeinsame Volkshochschule zu gründen. Wegen der Coronapandemie mussten die Feierlichkeiten im vergangenen Jahr abgesagt werden. Mit dem Podiumsgespräch ohne Präsenzpublikum wollten die Veranstalter den Geburtstag nun ein wenig nachfeiern.

Corona hat alles durcheinandergebracht

Die Pandemie habe nicht nur die Feiern zum Jubiläum, sondern auch den ganzen Volkshochschulalltag „komplett durcheinandergewirbelt“, antwortete Stefanie Köhler auf die Frage des Moderators Wolfgang Niess. In Sachen Digitalisierung habe man in den vergangenen Monaten notgedrungen „fast einen Quantensprung“ gemacht und vieles dazugelernt, aber auch festgestellt: „Die Leute kommen in die Volkshochschule, um gemeinsam Bildung zu erleben.“

Der Online-Kurs vom heimischen Wohnzimmer aus ist daher für viele nur eine Notlösung. „Die Volkshochschulen trifft es besonders hart“, bestätigte der Bildungsforscher Bernhard Schmidt-Hertha von der Münchner Ludwigs-Maximilian-Universität, denn: „Präsenzveranstaltungen sind der Markenkern der Volkshochschulen.“ Schließlich sei es deren Auftrag, Wissen und Wege für alle zu bieten, „aber nicht alle Leute sind offen und bereit für digitale Angebote“.

Volkshochschulen als Demokratiehelfer

Zudem sei es eine wichtige Aufgabe der Volkshochschulen, ganz unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen zusammenzubringen und so eine Auseinandersetzung verschiedener Positionen zu ermöglichen – das Gegenprogramm zu Informationsblasen in sozialen Netzwerken. „Wenn man die Leute aus ihren vier Wänden holt, ist schon der erste Schritt zur Bildung getan“, findet auch Stefanie Köhler. Spaltungstendenzen in der Gesellschaft zu überwinden, sehe er als eine wichtige Aufgabe der Volkshochschulen, sagte Wolfgang Niess und erinnerte daran, dass diese in der Weimarer Republik entstanden seien, um den Menschen Demokratie nahezubringen. „Demokratie ist auf Bildung und die Fähigkeit zum Dialog angewiesen“, bestätigte Bernhard Schmidt-Hertha. Und Gabriele Zull forderte: „Eine Volkshochschule muss sichtbar und Teil der Stadt sein. Sie muss ein starker Partner sein, auch für Schulen und Firmen.“

Lebenslanges Lernen ist das Motto

In Sachen Integration gehören die Volkshochschulen zu den wichtigen Lernstätten. Nicht nur Sprachkenntnisse, auch die deutsche Kultur gilt es nahezubringen. Lebenslanges Lernen sei ein Muss, waren sich die Gesprächsteilnehmer einig. Den Volkshochschulen komme da eine wichtige Rolle zu. „Ich hoffe, dass wir von Landesseite Unterstützung bekommen, um alle Aufgaben umzusetzen“, sagte Stefanie Köhler und berichtete, die Rücklagen ihrer Volkshochschule seien nach einem Jahr der Pandemie aufgebraucht: „Nun mussten wir einen kleinen Hilferuf an die Kommunen tätigen. Wir sind froh, dass die Träger fest an unserer Seite stehen.“

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