50 Jahre „Raumpatrouille Orion“ Mit dem Bügeleisen ins Weltall

Von Arnd Bäucker 

Vor 50 Jahren startete die deutsche Serie „Raumpatrouille – Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion“ – ein Straßenfeger der Wirtschaftswunderzeit. Für Fans ist das Bügeleisen heute noch Kult.

Unterwegs im All: Die Crew der Orion Foto: dpa
Unterwegs im All: Die Crew der Orion Foto: dpa

München - Sagen Sie was, oder ich schmelze Sie zusammen!“ Diese Worte, hervorgestoßen von einem grimmigen älteren Mann, gerichtet an eine blonde Frau im ­engen Raumfahrerkostüm, fielen vor 50 Jahren im deutschen Fernsehen. Oberst Villa, der undurchsichtige Chef des Galaktischen Sicherheitsdiensts (GSD), bedroht die schöne Tamara Jagellovsk, Beamtin des nämlichen GSD, mit seiner Strahlenpistole. Hat sie doch gerade entdeckt, dass ihr Chef Unvorstellbares plant: einer Invasion der Außerirdischen, der „Frogs“, den Weg zu bereiten. Heute mag man lächeln über „Raumpatrouille“, diese Schwarz-Weiß-Serie aus dem Mittsechzigern: die deutsche Version einer Science-Fiction-Geschichte.

Vor 50 Jahren, am 17. September 1966, wurde die erste Folge ausgestrahlt. Zur ­besten Sendezeit, am Samstagabend um 20.15 Uhr im Ersten. Im Mittelpunkt stand die Besatzung des Raumkreuzers Orion. An der Spitze Commander Cliff MacLane, gespielt von Dietmar Schönherr. Ein rebellischer, eigenwilliger Typ, deshalb strafversetzt zum Patrouillendienst. Er befehligte eine internationale Mannschaft, denn, so hieß es im Vorspann: „Es gibt keine Nationalstaaten mehr, es gibt nur noch die Menschheit und ihre Kolonien im Weltraum.“ In sieben Folgen kämpfte diese Crew gegen flimmernde Außerirdische, durchgedrehte Roboter und ein von der Erde verbanntes verbrecherisches Superhirn. Natürlich stets siegreich, immer obenauf. MacLane rettete den Heimatplaneten in siebenmal 60 Minuten gleich mehrfach. Er schaffte es sogar, eine von den Außerirdischen gelenkte Supernova zu vernichten. Die Serie erreichte Straßenfeger-Einschaltquoten von bis zu 56 Prozent.

Das alles wurde mit einfachsten Mitteln, aber viel Kreativität inszeniert. Die Episoden entstanden großenteils in den Studios der Bavaria-Filmgesellschaft. Von der Orion gab es drei Modelle aus Holz und ­Plexiglas, zwischen 30 Zentimeter und 1,20 Meter im Durchmesser. Explodierte ein Planet, so wurde eine Gipskugel mit Reis, Rosinen, gemahlenem Kaffee und Mehl gefüllt; diese Mischung wurde mit Pressluft herausgeblasen. Legendär das galaktische Bügeleisen: Ein solches Haushaltsgerät, im Design der späten Wirtschaftswunder­jahre, war im Bedienpult des Raumschiffs verbaut.

In Sachen Entspannung zwischen Ost und West war die Serie ihrer Zeit voraus

Die Serie passte in die Zeit. Es war die Ära des Aufbruchs ins All. Russen und Amerikaner lieferten sich einen Wettlauf zum Mond. 1965 hatte erstmals ein Kosmonaut – Alexei Leonow aus Russland – einen „Weltraumspaziergang“ gemacht. Nichts schien unmöglich. Eine Basis auf dem Mars bis zum Jahre 1984 wurde ernsthaft diskutiert. Mancher Jugendliche der 60er Jahre, der sich für den Kosmos begeisterte, rechnete fest damit, noch zu Lebzeiten dorthin zu reisen. Kritiker haben der Serie damals vorgeworfen, sie sei „militaristisch“, wenn nicht gar „kryptofaschistisch“. Gewiss, sie spielte im Milieu der „Raumflotte“, die auch nicht davor zurückschreckte, gegen „exoterrestrische Angriffe“ – heute würde man von Aliens sprechen – den planetenzerblasenden „Overkill“ einzusetzen. Doch viele ­Szenen steckten auch voller Ironie. Zum Beispiel, wenn die Sternen-Militärs im ­Befehlston bellten und sich darüber erregten, „wer da wieder nicht dichtgehalten hat“.

Die Raumpatrouille bot manche Zukunftsvision, die damals ungewöhnlich war. Als die Besatzung neidvoll auf die ­grüne, blühende Landschaft des Planeten Chroma blickt, seufzt einer: „So hat es ­früher bei uns auch mal ausgesehen.“ Die Menschheit auf der Erde ist in der Zukunft aus ihrer zerstörten Umwelt schon längst auf den Meeresboden umgezogen. Auf Chroma trafen die Raumfahrer auch auf eine ungewöhnliche Regierungsform: Dort hatten die Frauen das Sagen, jedenfalls in der Politik, und sie hatten ein pazifistisches, ökologisches Regiment errichtet. Freilich, in der Schlussfolge zollte die Serie dem Klischee und den Erwartungen Tribut. MacLane, der eigenwillige Kommandant mit angloamerikanischer Wurzel, schloss den russischen Geheimdienst-Leutnant Tamara Jagellovsk in die Arme. Liebe mit dem Feind von einst – hier war die Raumpatrouille ihrer Zeit knapp voraus: Die Entspannung zwischen Ost und West setzte 1969 ein.

Warum aber ging es für die Serie, die ja ein Straßenfeger war, nicht weiter? Es gibt mehrere Erklärungen, von der linken Kritik über mangelnde Ideen bis hin zu finanziellen Schwierigkeiten. Immerhin wurde die Raumpatrouille oft wiederholt, in verschiedenen Programmen. Und für Freunde des Orion-Kultes fliegt sie noch immer, so wie es im Vorspann hieß: „auf ihrem Dienst am Rande der Unendlichkeit“.