50 Jahre Stuttgarter Ballett Familientreffen mit Jubel

Hoher Besuch: Birgit Keil, Ray Barra, Maricia Haydee, Richard Cragun und Egon Madsen (v. l.). Foto: dpa 7 Bilder
Hoher Besuch: Birgit Keil, Ray Barra, Maricia Haydee, Richard Cragun und Egon Madsen (v. l.). Foto: dpa

Zum Jubiläum des Stuttgarter Balletts versammelten sich Choreografen, Ensemblemitglieder und Gäste im Opernhaus.

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Stuttgart - Den Kopf voller Bilder vom Tanz auf der Bühne, von Ansprachen und vom Pausentreiben auf dem gesellschaftlichen Parkett im Foyer des Opernhauses, überwältigt zudem von den wagnerianischen Ausmaßen des Galaprogramms zur Feier des fünfzigjährigen Bestehens des Stuttgarter Balletts, fällt es nicht ganz leicht, zu sortieren, welche Eindrücke es wert sind, in Erinnerung zu bleiben. Das Stuttgarter Ballett versteht es ausgezeichnet, seine in letzter Zeit fast jährlich anfallenden Jubiläen zu feiern und den Programmen jedes Mal ein über das bloße Aneinanderreihen von Galaschmankerln hinausgehenden Leitfaden zu geben.

Für das wie immer euphorisch gestimmte Stuttgarter Ballettpublikum waren ungewöhnliche Töne gleich zu Beginn der Gala zu hören. Nach viel Beifall für den ehemaligen Stuttgarter Solisten Randy Diamond - inzwischen Musicaldarsteller und Choreograf - und seine musikalische Eröffnung mit dem Song "This is the Moment" aus dem Musical "Jekyll & Hyde", musste sich Stefan Mappus vor seiner Begrüßungsansprache Buhrufe gefallen lassen, wohl weil der überfällige Neubau für die Ballettschule noch immer auf sich warten lässt.

Da passte es gut, dass gleich im Anschluss die Schülerinnen und Schüler der renommierten Talentschmiede, aus der sich inzwischen die Hälfte des Ensembles rekrutiert, ihr Können in den "Etüden" zeigten. Die Zusammengehörigkeit der Kompanie und der John-Cranko-Schule ist zudem auf schöne Weise demonstriert worden, als sich der Ballettnachwuchs nach dem Eröffnungsdefilee der Kompaniemitglieder um die Solisten und das Corps de ballet gruppierte.

Publikumsliebling Robert Tewsley tanzt den Kronprinzen Rudolf


Der Blick auf die Vergangenheit und die Gegenwart des Stuttgarter Balletts sowie die Verbindungen zu Choreografen und Ballettkompanien in aller Welt zieht sich als konzeptioneller roter Faden durch das Festwochenprogramm. Das war auch bei der Gala am Samstag der Fall, zu der Gasttänzer vom Royal Ballet London, Australian Ballet, Chinesischen Nationalballett, National Ballet of Canada, dem Karlsruher Ballett und aus Marcia Haydée jetziger Kompanie, dem Ballet de Santiago de Chile eingeladen waren. Es gab dem Konzept zufolge nur einen Cranko, den Schluss-Pas-de-deux aus "Onegin" als Finale des langen Abends, mitreißend interpretiert von Sue Jin Kang und Jason Reilly.

Es war durchaus interessant, einmal einen Ausschnitt aus MacMillans dramatisch aufgeladenem "Mayerling" zu sehen, zumal wenn der frühere Stuttgarter Publikumsliebling Robert Tewsley den Kronprinzen Rudolf tanzt - an der Seite der expressiven Irina Tsymbal vom Wiener Staatsballett; auch das von Sarah Lamb und Federico Bonelli vom Londoner Royal Ballet dargebotene Duett aus Ashtons "Thais" wartete mit exquisiten Arabesken und Hebungen auf. Dennoch wirkt John Crankos "Onegin" im Vergleich mit diesen beiden Handlungsballetten älteren Entstehungsdatums ästhetisch und mit seiner zeitlos menschlichen Schilderung der tragischen Liebesgeschichte am frischesten und berührendsten.

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