50 Jahre Spendenaktion „Hilfe für den Nachbarn“ Ein Erfolgsmodell aus kleinsten Anfängen

Mit weihnachtlich verpackten Puppen, Teddys und anderen Spielsachen für Heimkinder stellte   die Stuttgarter Zeitung erstmals 1970 eine Spendenaktion auf die Beine. Foto: Archiv/Feddersen
Mit weihnachtlich verpackten Puppen, Teddys und anderen Spielsachen für Heimkinder stellte die Stuttgarter Zeitung erstmals 1970 eine Spendenaktion auf die Beine. Foto: Archiv/Feddersen

Mit Teddys und Puppen für Heimkinder wurde in der Adventszeit 1970 eine große Idee geboren: die StZ-Spendenaktion „Hilfe für den Nachbarn“ e. V. Heute unterstützt sie jedes Jahr 1800 bedürftige Menschen.

Lokales: Sybille Neth (sne)

Stuttgart - Manchmal sind es die Begebenheiten am Rande, die Großes bewirken. So war die Bemerkung des Leiters eines Stuttgarter Waisenhauses der Startschuss für „Hilfe für den Nachbarn“ e. V. Es wäre pädagogisch sinnvoll, wenn jedes Kind ein Spielzeug als Eigentum hätte, bemerkte er gegenüber einem Journalisten der Stuttgarter Zeitung. So könnten die Kinder lernen, dass man Dinge pfleglich behandelt und so könnte sich auch der ewige Streit um Spielsachen schlichten lassen.

Alte Dame spendete ein neues Fahrrad

Die Redaktion startete ihre erste Spendenaktion, und auf Anhieb kamen 13 000 Euro durch die Leser zusammen: für Puppen und Bären, aber auch für Plattenspieler und Märchenschallplatten, für Schlitten, Fahrräder, Werkzeug und vieles mehr. 1500 Heimkinder in Stuttgart und der Region konnten sich zu Weihnachten 1970 darüber freuen. Die kleine Anja Schmalfuß kam sogar höchstselbst in die Redaktion – damals noch in der Innenstadt – und brachte einen Korb mit Plüschtieren und einer Puppe. Eine Frau brachte ein unbenutztes Fahrrad vorbei, das sie bei einer Lotterie gewonnen hatte, aufgrund ihres Alters aber nicht benutzen konnte. Geschäftsleute gaben Rabatt auf die Waren, und schließlich spielten StZ-Redakteure und -Redakteurinnen selbst Weihnachtsmann und brachten die Päckchen an Ort und Stelle.

Schicksale gehen ans Herz

So romantisch ist es fünf Jahrzehnte später freilich nicht mehr: Die Spendenaktion bearbeitet heute rund 1800 Anträge pro Geschäftsjahr, hinzu kommen Anfragen für die Unterstützung von sozialen Projekten. Das alles stemmen der vierköpfige ehrenamtliche Vorstand – Achim Wörner, Holger Gayer, Sabine Schröder, Carola Stadtmüller –, allesamt Redakteurinnen und Redakteure der StZ, und die gute Seele im Sekretariat, Gerda Müller, die seit mehr als 20 Jahren mit ihrem Gedächtnis jedem Elektronengehirn Konkurrenz macht und seit drei Jahren von Elke Bernhart unterstützt wird. Seit 2013 ist Sybille Neth Geschäftsführerin, denn die Aktion lässt sich rein ehrenamtlich nicht mehr bewältigen. Nach wie vor geht jeder gespendete Cent an die bedürftigen Menschen, denn die Stuttgarter Zeitung trägt alle Unkosten des Vereins.

Viele Geschichten, mit denen das Team konfrontiert wird, gehen ans Herz. So hat es auch Thomas Faltin empfunden, der insgesamt 13 Jahre lang für den Verein tätig war – bis 2012 als Vorstand und ehrenamtlicher Geschäftsführer.

Emotionale Zuwendung zählt viel

„Auch nach vielen Jahren als ehrenamtlicher Geschäftsführer war ich immer wieder vor allem dankbar, aber auch erstaunt über die Zuverlässigkeit und Treue, mit der uns die Leser der Stuttgarter Zeitung unterstützten und unterstützen. Solidarität, das ist in Stuttgart eben kein leeres Wort. Wir konnten auf unsere Spender zählen, und die bedürftigen Menschen in der Region Stuttgart konnten auf uns zählen. Das ist alles andere als selbstverständlich, dass die Leser zu teilen bereit sind und dass sie in uns das Vertrauen hatten, die Gelder richtig zu vergeben.

Für mich persönlich war ‚Hilfe für den Nachbarn‘ nie Arbeit, auch wenn ich oft Ordner mit nach Hause genommen habe, um alle Anträge zügig bearbeiten zu können. Die Aktion hat mich doppelt glücklich gemacht: dass so viele Menschen so großzügig beim Spenden waren und dass wir dadurch in der Lage waren, fast jeden berechtigten Wunsch zu erfüllen. Manchmal war es nur ein neuer Kleiderschrank oder eine neue Matratze, die wir bewilligt haben. Aber ich bin überzeugt, für die bedürftigen Menschen war manchmal das Zeichen wichtiger, das wir mit der Spende aussandten: Es ist jemand da, der eure Not hört – und handelt.“

Armut kann jeden treffen

Der frühere und mittlerweile verstorbene StZ-Lokalchef Martin Hohnecker schrieb in seinem Spendenaufruf zum Start der 20. Spendenaktion 1991 Zeilen, die auf die Situation vieler Menschen im Pandemiejahr 2020 zutrifft: Nichts haben sie falsch gemacht und stehen dennoch vor einem Scherbenhaufen: „Heutzutage ist so mancher, ohne dass er es ahnt, nur wenige Gehaltsmonate vom Elend entfernt. Arbeitslosigkeit, Krankheit, das Zerbrechen einer Ehe können blitzschnell dafür sorgen, dass der Verdienst ausfällt, eine Bürgschaft fällig wird, die Raten des locker gewährten Kredits nicht mehr bezahlt werden können.“ Der Weg auf die Schattenseite des Lebens kann kurz sein. Das lehren die Schicksale, die uns in dicken Ordnern begegnen.

„Was über diese elementaren Dinge hinausgeht, fehlt vielen Menschen“, zitierte die StZ im Wirtschaftskrisenjahr 1982 eine Mitarbeiterin des Sozialamtes. Hauptleidtragende sind damals wie heute die Kinder, denn mit Armut geht auch soziale Isolation einher. Ingrid Nicklaus, die seit vielen Jahren die Spendenanträge der Evangelischen Gesellschaft an „Hilfe für den Nachbarn“ koordiniert, bringt das Problem auf den Punkt: „Eine Spende kann Kindern und Jugendlichen etwas ermöglichen, was für Gleichaltrige selbstverständlich ist: Freunde einladen, eine Klassenfahrt, in den Sportverein gehen oder ein Instrument lernen.“ Dafür sei allen Spendern und Spenderinnen gedankt. Ebenso wie den vielen privaten Spenderinitiativen sowie der treuen Unterstützung durch das Adventskonzert der Schulen, das in seinem 43. Jahr Corona-bedingt erstmals ausfallen muss.

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Hilfe für den Nachbarn

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