50 Jahre Wasserfreunde Leonberger Schwimmer leiden und feiern gemeinsam

Die Wasserfreunde Leonberg haben ihr Jubiläum mit einem bunten Programm im Hallenbad gefeiert. Foto: Andreas Gorr

Die Wasserfreunde Leonberg sind 50 Jahre alt geworden: Der Verein ist dabei durch Höhen und Tiefen gegangen – die Gemeinschaft hat ihn stets getragen.

Sport: Jürgen Kemmner (jük)

Es war ein Stich mitten ins Herz der Leonberger Wasserfreunde, als im September 2011 der Leonberger OB Bernhard Schuler verkündete: Das Hallenbad müsse aus Sicherheitsgründen geschlossen werden und ob es je wieder öffnet, sei ungewiss. „Das hat uns hart getroffen. Wir haben alles möglich gemacht und Unterschriften gesammelt, um das zu verhindern“, erzählt Margret Weeber, ein Urgestein der Wasserfreunde.

 

Reiter und Schwimmer haben was gemeinsam: Reiter ohne Pferd sind wie Schwimmer ohne Wasserbecken eben nur Fußgänger. Die Geschichte belegt: Die Wasserfreunde und andere Gruppen konnten auch per Bürgerentscheid die Mehrheit des Gemeinderates überzeugen, das Bad wurde saniert und ist noch heute Heimat des Clubs.

Drame um die Sanierung des Hallenbades

Am vergangenen Samstag feierte der Verein im Hallenbad mit einem bunten Programm sein 50-jähriges Bestehen und erhielt aus den Händen von Peter Honc, dem Vizepräsidenten des Württembergischen Schwimm-Verbandes, den entsprechenden Ehrenschild. „Es war eine sehr schöne Veranstaltung“, sagt Frank Ritschek, der seit vier Jahren als Vorstandschef die Geschicke der rund 700 Mitglieder starken Wasserfreunde Leonberg verantwortlich leitet.

Höhepunkt der Historie der Wasserfreunde: Eine gemischte Staffel des Clubs trat gegen Ex-Freistil- Weltmeister Rainer Henkel (im Trainingsanzug) im Freibad an. Foto: privat

Dass die Mitglieder nicht nur zusammenstehen, wenn es wie im Fall des Hallenbades um die Zukunft des Vereins geht, hat der 64-Jährige in der Vergangenheit häufig erfahren. Zwar sind Schwimmer Einzelsportler (abgesehen von den Staffeln), aber Gemeinschaft wird dennoch groß geschrieben und gelebt. „Als Schwimmer leidet man gemeinsam im Training und im Wettkampf“, findet Frank Ritschek, „und deshalb hat man auch gerne gemeinsam Spaß.“

Geht es darum, sich im Ehrenamt um die Belange des Clubs zu kümmern, finden sich bei den Wasserfreunde stets helfende Hände und Köpfe. „Da sind wir gut aufgestellt“, betont der Clubchef. Gutes Beispiel ist er selbst: Als vor vier Jahren ein neuer Vorstandsvorsitzender gesucht wurde, meldete er sich, weil „mein Sohn im Club schwimmt – und ich mich lieber als Vorsitzender einbringen wollte, denn als Wettkampfrichter.“

Ehrenschild für die Wasserfreunde Leonberg: WSV-Vizepräsident Peter Honc, Margret Weeber, Marion Grell, Heidrun Buck und Wasserfreunde-Chef Frank Ritschek (v. li.) Foto: privat

Die Gründungsversammlung fand am 28. April 1976 statt, innerhalb kurzer Zeit hatten sich 160 Mitglieder eingeschrieben – seitdem ist viel Wasser durchs Becken des Leonberger Hallenbades geflossen. Einer der Höhepunkte der Historie war am 12. Mai 1990 die Eröffnung des Freibades. 20 Wasserfreunde traten in einer gemischten Staffel über 1500 Meter gegen den Weltmeister von 1986 auf diese Strecke an – und besiegten Rainer Henkel in aufopferungsvoller Zusammenarbeit. „Da sind Menschenmassen ins Freibad gepilgert“, erzählt Margret Weeber, die mehr als vier Jahrzehnte im Ehrenamt die Geschäftsstelle leitete, „das war ein echter Höhepunkt der Vereinsgeschichte.“

Auch Leistungsschwimmen zählt zum Angebot

Der Club wuchs und verbreiterte sein Angebot – Kurse für Wassergymnastik, Babyschwimmen, Wassergewöhnung für Kleinkinder und Aquafitnesskurse – die seit 30 Jahren von Doris Staudt geleitet werden – erfreuen sich großer Beliebtheit. Auch Leistungsschwimmen hat seinen festen Platz bei den Wasserfreunden. Cyril Kral war 1991 der erste deutsche Meister des Vereins, aktuell ist Pascal Arnold das Aushängeschild. Der Schwimmer, Jahrgang 2007, hatte sich für die deutschen Meisterschaften qualifiziert, in Berlin wurde er am vergangenen Wochenende 40. über 100 Meter Rücken sowie 35. über 200 Meter Rücken, wobei er in 2:13,24 Minuten einen Vereinsrekord aufstellte.

Auch auf Land fühlen sich die Wasserfreunde wohl: Motivwagen beim Umzug zum Pferdemarkt. Foto: privat

Es gebe noch allerhand zu berichten von den Wasserfreunden Leonberg, in 50 Jahren kommen zahlreiche Anekdoten, erbauende Hochs und frustrierende Tiefs zusammen – einerseits die Corona-Krise, die den Verein schwer belastete, weil der Schwimmbetrieb extrem eingeschränkt wurde und gut 100 Mitglieder den Club verließen, andererseits das Spendenschwimmen im Jahr 2022 zugunsten der Ukraine-Hilfe, wo der Club insgesamt 43 500 Euro sammelte. „Auf diesen Event sind wir besonders stolz“, betont Frank Ritschek.

In der Geschichte gilt für Menschen und Institutionen: Den Kopf immer wieder über Wasser halten, um zu überleben – bei dieser Übung sind die Wasserfreunde Leonberg zweifelsfrei die absoluten Fachleute.

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