500 Jahre Bauernkrieg bei Böblingen Wasserturm erstrahlt im Zeichen von Recht und Freiheit

Aus allen Richtungen strömen die Zuschauer zum weithin sichtbaren Wasserturm von Altdorf. Foto: Eibner-Pressefoto/Roger Bürke

Weithin sichtbar leuchtet der Altdorfer Wasserturm am Samstagabend – eine außergewöhnliche Videoprojektion mit Bildern regionaler Künstler erinnert an den Bauernkrieg vor 500 Jahren.

Richard Hohly aus Bietigheim-Bissingen, HAP Grieshaber aus Eningen unter Achalm, Gérard Krimmel aus Weil im Schönbuch sowie der Altdorfer Hans Bäurle – all diese Künstler aus der Region haben eines gemeinsam: Sie haben sich vom Aufstand der Bauern inspirieren lassen. Bildgewaltig sind deren Werke und damit auch gemacht für eine außergewöhnlich große Leinwand.

 

Die in Sichtbeton gearbeitete Außenwand des Wasserhochbehälters des Altdorfer Wasserturms wurde am Samstagabend zur Projektionsfläche für die Bilder, die eindrücklich daran erinnern, „wie wertvoll unsere Freiheit heute ist und wie die Bauern vor 500 Jahren dafür gekämpft haben und dafür gestorben sind“, sagte Ulrich Jehle, der zweite Vorsitzende des Arbeitskreises Altdorfer Heimatgeschichte, der die besondere Gedenkveranstaltung in der Abenddämmerung mit Unterstützung der Gemeinde Altdorf auf die Beine gestellt hat. Zur andächtigen, stimmungsvollen Atmosphäre trugen dabei auch Eberhard Zipperer und sein Team von Blasmusikern mit den ausgewählten Musikstücken „Kein schöner Land“, „Die Gedanken sind frei“ sowie „Der Mond ist aufgegangen“ bei.

Drei Hochleistungsprojektoren strahlen den Turmfuß an

Ob über die gesperrte Straße aus Richtung Mauren und Altdorf oder von Holzgerlingen aus kommend, zahlreich waren die Menschen zu der normalerweise nur tagsüber weithin sichtbaren Landmarke geströmt. Drei Hochleistungsprojektoren sorgten dafür, dass die Bilder und dazwischen immer wieder prägnante Forderungen wie „Recht und Gesetz“, „Wir wollen frei sein“ oder „Keine Willkür“ aus allen Himmelsrichtungen auch noch bis weit nach Ende der Gedenkveranstaltung, bei der die Altdorfer Feuerwehr die Bewirtung übernommen hatte, zu sehen war. Der Turmfuß wurde in wechselnden Farben passend zum projizierten Bild von unten angestrahlt.

Nicht nur die Bilder haben Eindruck hinterlassen, sondern auch die gesprochenen Worte hallen nach. „Ein Mahnmal“ ist für Landrat Roland Bernhard der Bauernkrieg. „Krieg darf sich auf deutschem Boden nicht wiederholen“, sei die Lehre, die aus den ein halbes Jahrtausend zurückliegenden Ereignissen gezogen werden müsse. Damals habe die Obrigkeit das Volk durch Leibeigenschaft und Frondienste unterdrückt und auch nicht mehr mit ihm kommuniziert.

Mehrere Tausend Landsknechte zogen an Altdorf vorbei

Im Kampf sei es um politische Partizipation, Gleichberechtigung und Freiheit gegangen und damit um „viele Rechte, die für uns heute selbstverständlich sind“, blickte Altdorfs Bürgermeister Erwin Heller zurück. Er erinnerte daran, wie geschichtsträchtig der Boden, auf dem die vielen Menschen sich rund um den Wasserturm versammelt hatten, ist. Denn auf dem Weg zur Entscheidungsschlacht am Goldberg am 12. Mai 1525 seien von Weil im Schönbuch kommend mehrere Tausend Landsknechte des Schwäbischen Bundes an Altdorf und Mauren vorbeigezogen.

Der Altdorfer Bürgermeister Erwin Heller spricht beim Kunstereignis am Altdorfer Wasserturm. Foto: Eibner-Pressefoto/Roger Bürke

Bei der Schlacht seien mindestens 10 000 Aufständische auf 8000 Soldaten gestoßen, so Lea Wegner, die Leiterin des Deutschen Bauernkriegsmuseums Böblingen, die die Zuhörerschaft in die damalige Zeit mitnahm: „Die Bewegung endet in der Schlacht mit mindestens 3000 toten Aufständischen.“

„Die zwölf Artikel bilden eine wichtige Station unserer Freiheitsgeschichte“

Zu den bestehenden Pflichten der unfreien Bevölkerung seien damals immer weitere hinzugekommen, erläuterte Lea Wegner. Gleichzeitig sei das Recht, das jedem Untertan zustand, dehn- und veränderbar geworden.

„Jeder Aufstand braucht eine Idee, die verbindet“, betonte die Museumsleiterin. Diese habe mit der Reformation der Glaube geliefert. Schriftlich festhalten sind die Forderungen nach sozialen und religiösen Reformen, die Abschaffung der Leibeigenschaft, eine Reduzierung von Abgaben, Rechtssicherheit und die Aufgabe von Herrschaftsprivilegien für die Nutzung natürlicher Ressourcen wie des Waldes in den „Memminger Artikeln“. „Die zwölf Artikel bilden eine wichtige Station unserer Freiheitsgeschichte auf dem Weg zu gesetzlich fixierten Grund- und Menschenrechten“, betonte Lea Wegner. Deren Bedeutung stellten im Anschluss auch mehrere Mitglieder des Arbeitskreises um dessen Vorsitzenden Arnd Rehn heraus: Sie verlasen ausgewählte Forderungen, bevor eine Schülergruppe des Holzgerlinger Schönbuchgymnasiums auf den ersten, dritten und zwölften Artikel des Grundgesetzes eingingen.

Was im Gedenkjahr los ist

Regionalinitiative
 Anlässlich des Gedenkjahres „500 Jahre Bauernkrieg“ haben sich mehrere Gruppen und Interessierte zu einer Regionalinitiative im Kreis Böblingen unter der Schirmherrschaft von Landrat Roland Bernhard zusammengeschlossen. Mit einem Programm, zu dem Vorträge, Ausstellungen, Outdoorveranstaltungen und Podiumsdiskussionen gehören, möchten die Beteiligten der breiten Öffentlichkeit die historischen Ereignisse näherbringen.

Jahresprogramm
 Über 20 Veranstaltungen umfasst das Programm, das die Initiative auf die Beine gestellt hat. Unter anderem wird am 12. April um 15 Uhr die Ausstellung „500 Jahre Bauernkrieg – Ein Ereignis und seine Gesichter“ des Deutschen Bauernkriegsmuseums in der Böblinger Zehntscheuer eröffnet. Diese läuft dann bis Mitte Januar 2026. Am 9. Mai wird um 18 Uhr das Bauernkriegsdenkmal von Peter Lenk am Oberen See in Böbingen enthüllt. Weitere Veranstaltungen der Regionalinitiative unter: www.schoenbuch-heckengaeu.de/erleben/veranstaltungen.

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