500 Jahre Bauernkrieg Große Aufmerksamkeit für kleines Museum in Böblingen

Museumsleiterin Lea Wegner zieht eine positive Bilanz des Gedenkjahres. Foto: Eibner-Pressefoto

Im Deutschen Bauernkriegsmuseum Böblingen stehen die letzten Veranstaltungen zum 500. Gedenkjahr des Bauernkriegs an. Museumsleiterin Lea Wegner lässt das Jahr Revue passieren.

Der Bauernkrieg vor den Toren der Stadt Böblingen mag 500 Jahre her sein. Doch die Thematik ist so aktuell wie nie zuvor. Diese Erkenntnis hatten in diesem Jahr vermutlich viele Besucher des Deutschen Bauernkriegsmuseums Böblingen.

 

„Unser Anliegen war es, diesen Aufstand, der in Böblingen mit einer Schlacht geendet hat, wieder an die Menschen zu bringen“, sagt Lea Wegner, die Leiterin des Bauernkriegsmuseums. „Ich denke, das ist uns ganz gut gelungen.“

Der Bauernkrieg stellte die Menschen damals vor grundlegende Entscheidungen. Was bedeuten Freiheit und Rechte? Welche Mittel sind erlaubt, um die Freiheit zu verteidigen – und welche sind verboten? „Die Menschen haben damals ähnliche Fragen diskutiert wie heute“, sagt Lea Wegner. „Nur dass die Gesellschaft damals geprägt war von Protesten und Verboten.“

Überregional Aufmerksamkeit erzeugt

Mit einer ganzen Reihe an Veranstaltungen konnte das Bauernkriegsmuseum seinen Besuchern all das wieder ins Gedächtnis rufen. Im April startete die Ausstellung mit dem Titel „Ein Ereignis und seine Gesichter“, die verschiedene Perspektiven des Aufstands zeigte. „Da haben sich viele historisch interessierte Menschen auf eine Zeitreise gewagt“, so Wegner. Auch der Familientag im Mai, mit dem Theaterstück des Stadttheaters und verschiedenen Mitmachstationen, sei bei den Besuchern gut angekommen. Durch die vielseitigen Angebote erregte das Bauernkriegsmuseum sogar überregional Aufmerksamkeit. So war Lea Wegner in diesem Jahr zum Beispiel auch Teil des SWR-Wissen-Podcasts. Ein großes Ereignis für das kleine Museum. „So was zeigt aber auch, dass das, was wir machen, gesehen wird.“

Das Bauernkriegsmuseum legte bei den Veranstaltungen Wert darauf, verschiedene Perspektiven des Bauernkriegs zu beleuchten. „Wir wollten zeigen, dass es mehr als eine Möglichkeit gibt, eine Geschichte zu erzählen“, sagt Lea Wegner. Schließlich komme es immer darauf an, wer Informationen zu welchem Zweck verfasst. „Das Gedenkjahr war eine große Chance aufzuzeigen, wann Geschichtsbilder erfunden sind und sich ganz stark von der realen Geschichte wegbewegen.“

Das Bauernkriegs-Denkmal am Oberen See wird in die lange Nacht der Museen einbezogen. Foto: Stefanie Schlecht

Durch das Gedenkjahr sind viele Projekte entstanden, die in guter Erinnerung bleiben. Einige wirken jedoch auch nach. „Unsere Volontärin Sarah Schkatula hat zum Beispiel ein Adventure Game im Museum erarbeitet“, berichtet Lea Wegner. Im Rahmen dieser interaktiven Rallye können die Besucher historischen Personen durch die Ausstellung folgen und dabei Rätsel lösen. „Das ist eine sehr kreative Form der Geschichtsführung, die Schulführungen komplett ersetzen kann“, so Wegner. „Diese neue Methode wurde sehr gut angenommen, was uns total freut.“

Eine konkrete Abschlussstatistik über die Besucherzahlen kann Lea Wegner noch nicht vorlegen. Schon jetzt steht aber fest, dass das Bauernkriegsmuseum 2025 viel mehr Besucher angelockt hat als in den Vorjahren. Und zwar nicht nur Menschen aus dem Kreis Böblingen, sondern auch Personen, die regelrechte Bauernkriegstouren durch Deutschland unternehmen.

Es geht in den Endspurt

In den kommenden Wochen stehen nun die letzten Veranstaltungen des Jahres an. Am Samstag ist das Bauernkriegsmuseum Teil der „Langen Nacht der Museen“. Laut Lea Wegner wird dafür der Außenbereich der Böblinger Zehntscheuer als Bauernladen gestaltet. Im Museum selbst wird es verschiedene Themenführungen im Kurzformat geben. Um 18 Uhr soll außerdem ein Kinderworkshop stattfinden, bei dem Kinder aus Trockenton eigene kleine Denkmäler basteln können. Auch das Bauernkriegs-Denkmal wird in die „Lange Nacht der Museen“ einbezogen. „Wir veranstalten ein kleines Spiel, bei dem die Besucher ihr Wissen zu dem Denkmal testen können“, erklärt Lea Wegner. Am 20. November findet außerdem ein letzter Vortrag zum Thema „Thomas Müntzer und der Bauernkrieg in der DDR“ statt.

2026 wird vermutlich ebenfalls noch ein besonderes Projekt des Gedenkjahrs zum Abschluss kommen. In den vergangenen Wochen hat das Bauernkriegsmuseum in Zusammenarbeit mit dem Otto-Hahn-Gymnasium Böblingen eine Bauernkriegs-Spiele-AG gegründet. Diese AG arbeitet gemeinsam mit einem Spieleautor an einem Bauernkriegsspiel, das mit etwas Glück im kommenden Jahr erscheinen wird. „Das ist ein wunderschöner Nebeneffekt“, freut sich Lea Wegner. „So entsteht aus diesem Gedenkjahr auch etwas, das bleibt.“

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