500 Jahre Bauernkrieg Schlachtenlärm im Schönbuch

Rund 100 Zuhörer wanderten die sieben Kilometer mit. Foto: Eibner-Pressefoto/Stefan Rosenfeld

Am 11. Mai 1525 bereitete des Heer des Schwäbischen Bundes im Totenbachtal den Sturm auf Böblingen vor. Eine Theaterwanderung beleuchtet Schlüsselszenen der Ereignisse.

Was muss das für ein Schock für die Einwohner von Weil im Schönbuch gewesen sein, als am 11. Mai 1525 das Heer des Schwäbischen Bundes sein Lager im nahen Totenbachtal aufschlug. 8000 Soldaten, 2000 Pferde und 18 Kanonen bereiteten hier ihren Sturm auf Böblingen vor. Weil im Schönbuch hatte damals vermutlich sehr viel weniger Einwohner als das lagernde Heer.

 

Die Schönbuchgemeinde war deswegen vom Truchsess von Waldburg und seinen zusammengekauften Soldaten ausgesucht worden, weil vor dem Beginn der Schlacht erst noch der Sold ausgeliefert werden musste. Diese Pause nutzten die Aufständischen, um einen „Deal“ zum Friedensschluss anzubieten. Aber der Schwäbische Bund wähnte sich überlegen und zog über den Schaichhof und Mauren nach Böblingen. Über 3000 Bauern wurden in der heutigen Gemarkung von Böblingen/Sindelfingen abgeschlachtet.

Mitwandernde von der Inszenierung begeistert

Die Theaterwanderung am vergangenen Sonntag, die einige Schlüsselszenen dieses historischen Abschnitts beleuchtete, ist ein beeindruckendes Projekt der Regionalinitiative Kreis Böblingen, der Weilemer Initiative 1525, der Oase Weil, der Schönbuchbühne und des Schwäbischen Albvereins, unterstützt durch die Gemeindeverwaltung. Das großartige Konzept überzeugte vor allem deswegen, weil man keine Nacherzählung des historischen roten Fadens realisierte, sondern vier entscheidende Szenen aufführte. Die schauspielerischen Impressionen galten dem Heerlager, den menschenverachtenden Unterdrückungsmechanismen, der Entwicklung des Widerstandes und der Situation nach der Schlacht. Diese Schlacht wurde auch unter anderem dadurch ausgelöst, weil der relativ unorganisierte Bauernhaufen vorher in Weinsberg ohne viel Federlesens etliche Angehörige der höher gestellten Familien massakrierte.

Das Lagerleben im Totenbachtal wurde anschaulich inszeniert. Foto: Eibner-Pressefoto/Stefan Rosenfe

„Ergreifend“ kommentierte eine Besucherin und ein anderer Besucher äußerte, dass er sich gut in die historischen Vorgänge hineinversetzen konnte. Rund 100 Zuhörer wanderten die rund sieben Kilometer in der idyllischen Wald- und Wiesenumgebung mit und zeigten sich von den vier eindrucksvollen Szenen begeistert.

Die Theaterwanderung dauerte knapp vier Stunden und entsprach damit dem Zeitraum der blutigen Schlacht zwischen Böblinger Waldburg und Sindelfinger Goldberg. Aufschlussreich war in der Inszenierung auch die Mitwirkung einer größeren Frauengruppe, denn die Frauen hatten damals im Vorfeld der Schlacht mit Wort und Schriftbeiträgen die Forderungen nach Freiheit und Gerechtigkeit der Bauern unterstützt, die ihr Ansinnen in zwölf Artikeln zusammengefasst hatten.

Für den passenden historischen Hintergrund sorgte der freiberufliche Archäologe Christoph Lehnert, der in ansehnlicher spätmittelalterlicher Tracht auch zur Schauspielgruppe gehörte. Lehnert: „Mich hat vor allem die letzte Spielstätte begeistert, da es ein Tal ist, das immer enger wird und kaum einen Ausweg zuzulassen scheint. Und das entsprach ja dem Gang dieses Bauernkriegs.“ Die Regisseure, Thomas Schefold und Roland Blessing, waren mit dem Ergebnis mehr als zufrieden. Die nächsten beiden Aufführungen am 18. und 25. Mai sind ausgebucht. Die Schauspielgruppe hatte vor etlichen Jahren ein Stück mit dem Titel „Fryheit“ realisiert und konnte auf einen Teil der Texte zurückgreifen. Blessing hat bereits 1993 als Statist zum ersten Mal mitgewirkt. Nach mehreren öffentlichen Aufrufen hatte man jetzt 50 Mitwirkende beisammen, darunter auch viele neue Mitglieder in der Theatergruppe, die alle die zahlreichen Proben mitgemacht haben. Blessing: „Die Proben fanden vor den Waldrändern noch ohne Laub statt und wir konnten nicht absehen, ob durch das jetzt gewachsene Laub die Akustik eher verbessert oder verschlechtert wurde. Gott sei Dank ist Ersteres eingetreten.“

Grenzen von Anstand und Menschlichkeit überschritten

Landrat Roland Bernhard hatte die Schirmherrschaft übernommen und zeigte sich über die Produktion aus der Bürgerschaft heraus beeindruckt und wies auf die dramatische Szenerie hin: „Da kämpften Kanonen gegen Mistgabeln – und letztere hatten natürlich keine Chance.“ In den Spielszenen und Dialogen wurde deutlich, wie verächtlich man miteinander umging, beständig die Grenzen von Anstand und Menschlichkeit überschreitend. Es war das Verdienst dieser Inszenierung, dass man immer wieder innehielt, weil sich die Parallelen zum heutigen politischen Weltgeschehen aufdrängten. Die Erkenntnis, dass sich die Menschheit, zumindest teilweise, in den letzten 500 Jahren kaum geändert hat, sorgte für viel Nachdenklichkeit. Denn es geht immer nach demselben Muster: Einige wenige, die in der Regel kein Risiko eingehen, schicken Tausende in kriegerische Auseinandersetzungen, die für die Ideen ihrer Herrscher mit dem Leben bezahlen. Weitere Informationen im Internet unter www.schoenbuchbuehne.de.

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