500 Jahre Gesangbuch Gnadenlos Songs gecovert
Das Lied war eine der schärfsten Waffen der Reformation. 1524 wurde die erste Sammlung von Kirchenliedern als Buch herausgegeben. Ein Großteil stammte von Martin Luther – zumindest offiziell.
Das Lied war eine der schärfsten Waffen der Reformation. 1524 wurde die erste Sammlung von Kirchenliedern als Buch herausgegeben. Ein Großteil stammte von Martin Luther – zumindest offiziell.
Moderne Kirchengemeinden arbeiten ja längst mit einem Beamer, um Lieder an die Wand zu werfen. Dabei ist das Gesangbuch speziell für die Entstehung der evangelischen Kirche eine entscheidende Größe gewesen. Im Jahr 1524, exakt vor 500 Jahren, ging in Nürnberg der erste Vorläufer eines Gesangbuchs in den Druck. Acht Lieder enthielt das Heftchen, und – wie könnte es anders sein – die Hälfte stammte von Martin Luther.
Der Reformator liebte Musik. Als Kind hatte er Laute und Querflöte gelernt und im Kinderchor gesungen. Später erkannte er die Bedeutung von Liedern für die Durchsetzung der neuen Lehre. In Reime gegossen und mit einer eingängigen Melodie versehen, konnten sich auch Menschen, die des Lesens nicht mächtig waren, die frohe Botschaft merken. Dass er „dem Volk aufs Maul schauen“ wollte, galt auch hier. Gnadenlos coverte Luther bekannte Volks- und Bänkellieder. Es sei sein Ziel, „deutsche Psalmen für das Volk zu schaffen, damit Gottes Werk auch durch den Gesang unter den Leuten bleibe“.
Die katholische Seite kam dagegen nicht an. 1532 soll eine Gemeinde in Schweinfurt mit dem Luther-Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“ sogar ihren altgläubigen Pfarrer aus der Kirche gesungen haben. In Hildesheim wusste sich der katholische Bischof nicht anders zu helfen, als mehrfach das Singen komplett zu verbieten. Bald schon erkannte aber auch die katholische Seite die positive Kraft der Musik und legte erste Vorläufer des heutigen „Gotteslobes“ auf.
Das Evangelische Gesangbuch zählt heute mehr als 500 Lieder mit fast 3000 Strophen. Und gerade wird wieder an einer Neuausgabe gearbeitet. Auch eine Gesangbuch-App soll es geben. Dann braucht es weder Buch noch Beamer. Wie auch immer: Mit 37 Liedern wird Luther der Dichter mit den meisten Beiträgen bleiben.