500 Jahre St. Barbara in Stuttgart-Hofen Früher Ministranten, heute Chronisten

Die Chronisten von St. Barbara in Stuttgart-Hofen: Hans Gaulocher, Erich Schweiker und Peter Harrer (v. li.) Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Am nächsten Wochenende feiert die Kirche St. Barbara in Hofen ihr 500-jähriges Bestehen. Der Stadtteil war viele Jahre lang die katholische Enklave in Stuttgart. Ohne drei ehemalige Messdiener wäre die Festschrift zu diesem Jubiläum nicht so opulent ausgefallen.

Die Landeshauptstadt schmückt sich gern mit der ersten Predigerkirche und Johannes Brenz, dem Reformator Württembergs. Doch ein kleiner Ort am Neckar hat den reformatorischen Bestrebungen standgehalten: Hofen. Am kommenden Wochenende feiert die katholische Kirchengemeinde ihr 500-jähriges Bestehen.

 

Wie das kam, haben die drei Mittsiebziger Peter Harrer, Erich Schweiker und Hans Gaulocher in einer Festschrift rekapituliert, haben sich durch Aufzeichnungen von Pfarrern und Heimathistorikern gekämpft, sortiert, chronologisiert, Skizzen und Zeichnungen aufgetrieben, sich auf den Online-Portalen der Archive herumgetrieben und sogar ein verschollen geglaubtes Heimatbuch aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert aufgetrieben.

Wer regierte, bestimmte die Konfession

Das Trio kenn sich seit der Kindheit. „Es gab damals ja nur die Konfessionsschule“, erinnert sich Peter Harrer. Bis in die 1950er Jahre hinein mussten die paar Seelen, die in Mühlhausen auf der anderen Seite des Neckars gelebt haben und katholisch waren, nach Hofen in die Schule kommen, konfessionell verschiedene Paare waren nicht häufig. „Es gab ja nur kirchliche Angebote für uns Junge, also trafen wir uns eben beim Ministrieren, bei den Pfadfindern oder im Sommerlager“, sagt Erich Schweiker. Das und die Besonderheit der katholischen Enklave inmitten des protestantisch geprägten Landes hat sie zusammengeschweißt.

1522 ist die Pfarrei St. Barbara gegründet worden, Württemberg wurde 1534 evangelisch. Hofen aber gehörte zu der katholischen Reichsritterschaft von Neuhausen. Wer regierte, entschied auch über die Religion seiner Untertanen, und die Neuhausener Reichsritter entschieden sich für den katholischen Glauben in ihren Dörfern Oeffingen und Hofen.

„Ich habe im Jahr 2020 zum ersten Mal darauf hingewiesen, dass unsere Kirchengemeinde, in der ich aktiv bin, bald das 500-Jahr-Jubiläum feiern wird“, sagt Peter Harrer, den sie auch das „Langzeitgedächtnis“ der Gemeinde nennen. „Da bis dahin niemand die erwartete Aktivität entfaltet hat, sind halt wir aktiv geworden“, ergänzt Hans Gaulocher. Da habe es kein Zaudern gegeben. Die Chronisten konnten sich auf die Festschrift stützen, die anlässlich der 450-Jahr-Feier geschrieben worden war, aber auch auf ein viel älteres Exemplar: „Auf Ebay haben wir das Heimatbüchlein von Pfarrer Theophil Faßnacht gekauft, der war Pfarrer in Hofen von 1878 bis 1889“, erzählt Hans Gaulocher. Eine theologische Studienarbeit über den Bau der Kirche hätten sie herangezogen für ihre Studien, und natürlich die Dokumente in den Archiven. Zu ihrem Leidwesen konnten sie nicht überall selbst in den Katalogen forschen, weil wegen Corona der Zugang nicht möglich war.

Alte Festschrift auf Ebay erstanden

Schon nach kurzer Zeit hatten Harrer, Schweiker und Gaulocher, der eine war früher Meister beim Daimler, der zweite Ingenieur und der dritte Kaufmann von Beruf, massenhaft Material beieinander. „Anfangs haben wir ja noch einzelne Seiten beschrieben und zum Gegenlesen hin- und hergeschickt, bis wir schließlich die Dropbox benutzt haben“, sagt Schweiker, „so konnten alle gleichzeitig daran arbeiten.“ Kaum ein Tag sei vergangen, an dem man nicht per E-Mail miteinander in Kontakt gewesen sei. Auch der Druck musste organisiert werden von den drei Männern, die nach eigenem Bekunden „noch nie was mit Druckereien am Hut gehabt“ haben.

Im Drohnenflug über die Kirche

Um Zuschüsse und die Finanzierung der Festschrift haben sie sich auch gekümmert und sind „mächtig stolz, dass das alles geklappt hat und wir in den schwarzen Zahlen sind“, sagt Peter Harrer. Demnächst soll die Schrift im Internet verfügbar sein, ein virtueller Rundgang durch die Kirche St. Barbara nebst Drohnenansicht von oben ist dort bereits – auch den haben die drei Herren organisiert. „Die Mitglieder der Kirchengemeinde St. Barbara sind der Kirche sehr verbunden“, schreibt Pfarrer Ludwig-Frank Mattes. Die drei Hofener haben es bewiesen.

Veranstaltungen zum Jubiläum

Festschrift
Das Buch hat einen Umfang von 144 Seiten und ist für 5 Euro bei der Kirchengemeinde erhältlich.

Vorträge
Am Mittwoch, 22. Juni, 18 Uhr, blickt Alban Lämmle auf geschichtsträchtige Ereignisse seit der Pfarreigründung zurück und stellt einen Bezug zur heutigen Zeit her.

Feier
Am Samstag, 18. Juni, feiert Bischof Gebhard Fürst um 17 Uhr ein Hochamt in der St.-Barbara-Kirche. Im Anschluss an den feierlichen Gottesdienst findet ein Stehempfang im Gemeindehaus statt.

Im Netz
Unter https://gesamtkirchengemeinde-stuttgarter-madonna.drs.de/500-jpfarrei-st-barbara-2022.html können Interessierte die Umgebung und die Kirche bei einem virtuellen Rundgang erkunden.

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