60 Jahre Baden-Württemberg Gaby Hauptmann: Das „Molerhüsli“

Von StZ 


Die Allensbacher Bestsellerautorin genießt das einfache Leben in Großvaters Refugium am Feldberg – seitdem sie ein kleines Mädchen war.

Als meine Schwester Karin und ich geboren wurden, war unser Opa schon seit einigen Jahren tot. Trotzdem war er für uns, wenn wir im „Molerhüsli“ waren, allgegenwärtig. Unser erster Gruß, wenn wir nach längerer Zeit auf den Feldberg kamen, galt ihm, und wenn wir die Fensterläden wieder schlossen, sagten wir „Tschüss, Opa!“ Die Geschichten um ihn waren aus dem Stoff, der Kinderherzen höher schlagen lässt. Bis heute halten sie uns gefangen . . .

Man kann ein Haus bauen, schön und wuchtig, modern aus Glas und Beton. Und man kann stolz darauf sein und sich darin immer wieder bewundernd im Kreise drehen. Aber nur Häuser mit einer Geschichte haben eine Seele. Unser Großvater Karl Hauptmann hat dem „Molerhüsli“

die Seele eingehaucht, mit seinen Gemälden rund um den Feldberg, mit seinen vielen Gästen, mit seinem Humor und seiner Großzügigkeit. Noch heute ist es so, wie er damals darin lebte, ohne Strom und fließend Wasser. Ein Brunnen, eine Wasserpumpe, die Möbel von seinem Bruder, dem Kunstschreiner, geschreinert und von ihm, dem Kunstmaler, bemalt. Er hat die Bergwacht mitgegründet, war ein exzellenter Skifahrer und ein Magnet für Männer und Frauen, die den Aufstieg bis zum Herzogenhorn nicht scheuten. Unsere damals 21-jährige Mutter Heidi hat ihn während der Kriegsjahre versorgt und dabei seinen Sohn Arthur kennen und lieben gelernt, und so stand dann unsere Wiege unter einer der Tannen und die Wiegen unserer eigenen Kinder auch. Karins Töchter verbringen ihre Sommer dort oben, und, genau wie wir viele Jahre zuvor, haben auch sie immer abenteuerlustige Freundinnen dabei, die Spaß am Helfen haben: Schindeln streichen, Holz hacken, Beeren sammeln. Meine Tochter und ich sind eher die Besucher.

Ich liebe vor allem die Zeit über Silvester mit Freunden - aber egal, wann immer wir uns dort oben treffen, auch noch mit unserer 94jährigen Mutter, heißt Karls Geist uns in seinem Kleinod willkommen. Und das ist ein unbeschreibliches Gefühl.