Ein idyllisches Kloster, der beste Italiener weit und breit und atemberaubende Ausblicke: Prominente Landeskinder geben Ausflug-Tipps – und schwelgen in Erinnerungen.

Stuttgart - Warum Jogi Löws Lieblingsort kein Fußballstadion ist, wie Andrea Berg das Magische in Kleinaspach entdeckt hat und was Robert Zollitsch mit der Arbeiterstadt Mannheim verbindet. Zwölf Prominente zeigen uns ihre Lieblingsorte in Baden-Württemberg – und schwelgen in Erinnerungen.

Joachim Löw: An Schluch- und Titisee

Der Bundestrainer lebt in Freiburg – obwohl es für ihn bequemer wäre, in einer großen Stadt zu wohnen. Aber er will einfach aus dem Schwarzwald nicht weg.

Mehr Baden-Württemberg geht eigentlich als Fußballer kaum: ich habe bei den drei großen Vereinen in Freiburg, Stuttgart und Karlsruhe gespielt (Hoffenheim war damals noch nicht im Profifußball), und ich war sowohl in Stuttgart als auch in Karlsruhe Trainer. Trotzdem ist mein Lieblingsort kein Fußballstadion. Dort gab es zwar sehr emotionale Momente wie 2006 in Stuttgart beim Spiel um Platz drei bei der Weltmeisterschaft. Aber

besonders angetan hat es mir die wunderschöne Landschaft rund um Schluch- und Titisee – seit bald vierzig Jahren. Denn schon damals führten die Sonntagsausflüge der Familie Löw von Schönau aus in diese herrliche Gegend. Natürlich hat man als Kind noch nicht den Blick für die Schönheit dieser Landschaft, aber die Tage dort waren für uns ganz besondere Erlebnisse, weil wir mit der ganzen Familie quasi „Urlaub für einen Tag“ hatten. Diese Gegend ist für mich heute noch immer ein ganz besonderes Ziel. Noch heute prägen mich der Schwarzwald und auch die Gegend rund um Freiburg.

Natürlich wäre es für den Bundestrainer weitaus bequemer, in Frankfurt, Hamburg oder Berlin zu wohnen. Und wenn ich samstags abends nach einem Bundesligaspiel von Wolfsburg oder Hannover, nach einem Besuch im „Aktuellen Sport-Studio“ noch zurück will nach Freiburg, stelle ich mir manches Mal die Frage, ob es nicht sinnvoller wäre, in eine dieser Metropolen zu ziehen. Aber eine Tour mit dem Mountain Bike von Freiburg Richtung Schwarzwald oder eine Tour am Schluchsee entschädigt dann doch für alles.

Äffle, Pferdle und Schlabbinchen: Für älle ebbes


Die drei von Armin Lang gezeichneten Helden des TV-Vorabends können sich wieder einmal nicht einigen: Alb, Bodensee oder Baden-Baden?

Äffle: Uiiiih guck, jetzt isch onser Ländle au scho 60!

Pferdle: Ja donderladdich aber au, ond mir sollet jetzt au no saga wo’s am Schönsta isch, sonscht gehts dene no gut.

Schlabbinchen : Ooh jesses me, des werd aber net leicht.

Äffle: Hmmmh, also I bin gern uff em Affaberg in Salem. Da hat ma en wunderschööönen Blick uff dr Bodensee, ond meine Verwandte seh i da au a mol wieder.

Pferdle: Ja da ghörsch au no. Ond i bin natürlich gern in Marbach – aber

net beim Schiller am Neckar, sondern uff dr Schwäbischen Alb beim Gestüt. Da kann i mal wieder so richtig onder die Pferd und Stallluft schnuppern.

Schlabbinchen: Also i als Frau, i gang am liebste nach Baden-Baden, da kammer so scheen scharwendsle un in de Thermalquellen super Wellness mache und dess habet nämlich au scho die Römer erkannt un seitdem gehet da alle wichtige Leut aus dr ganzen Welt hi. Und i kann im Pferdle in Iffezheim beim Galoppieren zuschauen und im Casino sieht ma au immer wieder mal a Äffle sitze.

Pferdle: Ja onser Ländle hat halt für älle ebbes!

Schlabbinchen, Äffle, Pferdle: Und deshalb gratulieret mir au recht herzlich onserm Baden-Württemberg zum 60.!

Gaby Hauptmann: Das „Molerhüsli“


Die Allensbacher Bestsellerautorin genießt das einfache Leben in Großvaters Refugium am Feldberg – seitdem sie ein kleines Mädchen war.

Als meine Schwester Karin und ich geboren wurden, war unser Opa schon seit einigen Jahren tot. Trotzdem war er für uns, wenn wir im „Molerhüsli“ waren, allgegenwärtig. Unser erster Gruß, wenn wir nach längerer Zeit auf den Feldberg kamen, galt ihm, und wenn wir die Fensterläden wieder schlossen, sagten wir „Tschüss, Opa!“ Die Geschichten um ihn waren aus dem Stoff, der Kinderherzen höher schlagen lässt. Bis heute halten sie uns gefangen . . .

Man kann ein Haus bauen, schön und wuchtig, modern aus Glas und Beton. Und man kann stolz darauf sein und sich darin immer wieder bewundernd im Kreise drehen. Aber nur Häuser mit einer Geschichte haben eine Seele. Unser Großvater Karl Hauptmann hat dem „Molerhüsli“

die Seele eingehaucht, mit seinen Gemälden rund um den Feldberg, mit seinen vielen Gästen, mit seinem Humor und seiner Großzügigkeit. Noch heute ist es so, wie er damals darin lebte, ohne Strom und fließend Wasser. Ein Brunnen, eine Wasserpumpe, die Möbel von seinem Bruder, dem Kunstschreiner, geschreinert und von ihm, dem Kunstmaler, bemalt. Er hat die Bergwacht mitgegründet, war ein exzellenter Skifahrer und ein Magnet für Männer und Frauen, die den Aufstieg bis zum Herzogenhorn nicht scheuten. Unsere damals 21-jährige Mutter Heidi hat ihn während der Kriegsjahre versorgt und dabei seinen Sohn Arthur kennen und lieben gelernt, und so stand dann unsere Wiege unter einer der Tannen und die Wiegen unserer eigenen Kinder auch. Karins Töchter verbringen ihre Sommer dort oben, und, genau wie wir viele Jahre zuvor, haben auch sie immer abenteuerlustige Freundinnen dabei, die Spaß am Helfen haben: Schindeln streichen, Holz hacken, Beeren sammeln. Meine Tochter und ich sind eher die Besucher.

Ich liebe vor allem die Zeit über Silvester mit Freunden - aber egal, wann immer wir uns dort oben treffen, auch noch mit unserer 94jährigen Mutter, heißt Karls Geist uns in seinem Kleinod willkommen. Und das ist ein unbeschreibliches Gefühl.

Ursula Cantieni: Hinauf zur Yburg!


In der SWR-Fernsehserie verkörpert sie die Seele des Fallerhofs. Tatsächlich fühlt sich die gebürtige Schweizerin am wohlsten im Nordschwarzwald.

Oft behandeln wir das Nahegelegene stiefmütterlich – immer mit der Entschuldigung, es läuft ja nicht weg, dafür ist „später“ immer noch Zeit! 20 mal bin ich schon umgezogen, und mindestens 15 mal habe ich die Nähe vernachlässigt, um sie später aufwendig nachzuarbeiten.

Besserung ist in Sicht, aktuell geschehen an einem der herrlichen Frühlingswochenenden im März: mit dem Auto hinterm Baden-Badener

SWR weiter den „Buckel“ hoch, am Golfplatz entlang, dann links auf dem Sattel es im Wald abgestellt, so, dass es nicht von verirrten Golfbällen malträtiert wird,– von da an leichten Fußes am Klippsee vorbei – „Walensee im Taschenformat“ – durch den Wald auf kernigen Serpentinen immer höher bis auf 540 Meter zur Yburg! Im Innenhof erklang leise Lautenmusik, ein Schimmel mit kostbarem Zaumzeug wartete auf seine Herrschaft, ein holdes Fräulein . . . Wir durchquerten den ersten Raum, Kerzen brannten, im Ofen knisterte ein Feuer. Durch eine schmale Tür ging es raus auf die Burgmauer – ein atemberaubender Blick in die Rheinebene bis nach Straßburg tat sich auf: völlig klar, dies ist ein Hotspot seit dem zwölften Jahrhundert, immer wieder geschleift, neu erobert und wieder aufgebaut. Die Fantasie kriegt Flügel, besonders, wenn man wie ich aus der Via Mala stammt, dem Dorado der Raubritter! Dass die neue Herrschaft an dieser Burgmauer eine Terrasse einbauen konnte, ist ein kleines, unerhörtes Wunder. Ja, ja, zu Essen und zu Trinken gibt’s auch, und nicht vom Schlechtesten.

Dieter Zetsche: Hier sind die Pferde!


Der Vorstandsvorsitzende der Daimler AG ist ein leidenschaftlicher Reiter – seitdem er als Zehnjähriger zum ersten Mal im Haupt- und Landgestüt Marbach war.

Sich auf einen Lieblingsort in Baden-Württemberg festzulegen, ist fast so schwer wie nur einen einzigen Lieblings-Mercedes auswählen zu dürfen: Das Angebot ist einfach zu groß! Aber gut: meine Wahl hat – was niemanden wundern wird – mit Pferdestärken zu tun, allerdings nicht so,

wie man vielleicht meinen könnte. Ich kann auch mit einem PS glücklich sein. Denn besonders gern bin ich im Haupt- und Landgestüt Marbach. Zum ersten Mal war ich als Zehnjähriger mit meiner Großmutter dort. Es war April oder Mai, die Sonne schien, ich wollte gar nicht mehr weg. Besonders hatten es mir die Araber-Fohlen angetan. Sie sind der Grund, warum ich Reiten gelernt habe. Es ist mein Hobby Nummer eins geblieben.

Aber nicht nur für Pferdebegeisterte lohnt sich ein Ausflug nach Marbach. Auch die Landschaft ist wunderschön: grüne Wiesen, rapsgelbe Felder im Wechsel mit den Hügelketten der Alb. Mit dem Auto braucht man von Stuttgart aus nur eine gute Stunde. Und wer dann das Gestüt betritt, fühlt sich auf einen Gutshof aus dem vorletzten Jahrhundert zurückversetzt. In der Mitte des Hofes plätschert der Brunnen, Abstammungstafeln belegen die Herkunft der Tiere, und in den Ställen ringsum steht er – der „Pferdeadel“ des Landes: elegante Württemberger und die berühmten Vollblutaraber. Eine Anekdote besagt, dass Königin Elizabeth II. bei einem Staatsbesuch den Wunsch gehabt habe, Marbach zu sehen. Die Protokollbeamten hätten sie allerdings nach Marbach am Neckar ins Schiller-Museum geschickt. „Where are the horses?“ soll die Queen gefragt haben – und ich kann sie gut verstehen. Nichts gegen das andere Marbach und seinen berühmten Sohn. Aber Natur und Tiere sind auch nicht schlecht, gerade jetzt im Frühjahr.

Nicola Leibinger-Kammüller: Klösterliche Ruhe


Die Vorsitzende der Geschäftsführung der Trumpf GmbH zieht es nach Schöntal im Hohenlohischen – zu allen Jahreszeiten.

Das Kloster Schöntal ist ein Ort der Gegensätze: In der bescheidenen, fast schon kargen Landschaft im Hohenlohischen steht dieser grandiose

Barockbau! Welch ein Kontrast, wenn man von Berlichingen kommend im schmalen Tal der Jagst plötzlich gewissermaßen den Vorhang aufgehen sieht und unvermittelt die Größe und strahlende Heiterkeit der prachtvollen Anlage erlebt. Ich erinnere mich seit Kindertagen an viele Ausflüge dorthin, die für uns Städter fast immer auch eine Reise an einen Ort der Ruhe bedeuteten.

Auch wenn ich heute in der Umgebung dort zu tun habe, fahre ich gelegentlich kurz am Kloster vorbei – selbst ein schneller Spaziergang von einer halben Stunde ist schon so etwas wie ein kleiner Urlaub. Am besten sollte man versuchen, dort an einem Frühlingstag Station zu machen, womöglich sogar unter der Woche, wenn nicht allzu viele Besucher dort sind. Denn dann strahlt diese wundervolle Abtei eine unvergleichliche Würde und Ruhe aus. Und selbst wir streng-protestantischen Schwaben können uns der Kraft und Lebensfreude dieser barocken Katholizität kaum entziehen . . .

Michael Russ: Wo der Bub Forellen fing


Der Chef der SKS Erwin Russ hält sich nicht etwa im Konzertsaal am liebsten auf. Sondern im Dörfchen Buhlbach am Ende des Murgtals.

Da wir bekanntermaßen im schönsten Bundesland der Republik leben, fällt es schwer einen, Lieblingsort zu küren. Es ist es ein kleiner Schwarzwaldort, der mich bis heute fasziniert. Ein verschlafenes Fleckchen Erde, das Kindheitserinnerungen weckt, die ich nicht missen möchte.

Buhlbach am Ende des Murgtals war vor vielen Jahrzehnten durch seine Glasbläserei ein Begriff. In den fünfziger Jahren war er das Feriendomizil meiner Eltern und für wenige Wochen im Jahr mein Reich, in dem ich unbeschwerte, spannende Ferien verbringen durfte. Im so genannten Tantehaus gab es jeden Freitagnachmittag frische Apfeltaschen, göttlich! Buhlbach wurde von der Porzellandynastie Boehringer aufgebaut und beherrscht, verfügte über ein eigenes Elektrizitätswerk, ein Kinderheim namens Dornröschen, einen großen Bauernhof und natürlich Fischzucht. Das alte Glasbläserhaus war nur noch teilweise erhalten, heute ist es ein sehenswertes Museum. Das Ministrieren in der kleinen Holzkirche am Röhrsbächlein war für einen jungen Ministranten ein Muss und Sonntagspflicht.

Das Freibad im nahe gelegenen Obertal war Familienziel an sonnigen Tagen. Die ausgedehnten Wanderungen im dunklen Schwarzwald, beeindruckten einen jungen Burschen ganz besonders. Der eigentliche Höhepunkt des Urlaubs war aber die Erlaubnis von Onkel Georg, in der Murg das Fischrecht mit Kinderangel und Kescher auszuüben. Die kleine Schwester Sibylle an der Hand ging es zu der alten Eisenbrücke am Ortsende, wo besonders große Forellen am Wehr zu erwarten waren. Die Freude, wenn einer anbiss war groß und der Kampf mit dem Fisch ebenso. Endlich an Land, galt es die Forelle anglergerecht auszunehmen und da war der große Bruder nicht der Held, das erledigte die kleinere Schwester.

Das Murgtal in seiner Bescheidenheit, aber auch Schönheit ist für mich immer wieder ein Ausflugsziel. Hier blieb die Welt ganz einfach stehen.

Regina Halmich: Therme und Casino


Das beste Mittel gegen Stress: die ehemalige Box-Weltmeisterin erholt sich gern in Baden-Baden.


Meine Heimatstadt Karlsruhe hat an sich eine hohe Lebensqualität zu bieten – mit dem Schloss, den Gärten und den vielen tollen Einkaufs- und

Ausgehmöglichkeiten. Nicht, dass ich da missverstanden werde, wenn ich sage: Das Schöne aber ist auch, wie schnell man von hier im Schwarzwald und besonders in Baden-Baden ist. In einer halben Stunde bin ich da, und nicht umsonst kommen die Menschen seit 200 Jahren zum Erholen in den Kurort, nicht nur alte Leute übrigens, auch wenn das Image von Baden-Baden trotz vieler neuer Impulse immer noch etwas Beschauliches hat. Für mich ist es tatsächlich ein Rückzugsort, um mal vom hohen Puls runterzukommen. Wenn ich im Terminstress bin und nach all der Hetzerei den Kopf freibekommen will, dann ist für mich die erste Anlaufstelle die Caracalla Therme, ob allein oder mit meiner besten Freundin. Einfach abschalten, an nichts denken müssen und die Seele baumeln lassen. Therme und Sauna sind gut für Körper und Geist – danach fühle ich mich jedes Mal wie neugeboren. Wenn ich den ganzen Tag Zeit habe, bummle ich anschließend durch die Stadt, manchmal gehe ich ins Spielcasino. Da gibt es immer viel zu gucken, sehr gut essen kann man auch – das ist alles andere als Glückssache. Und die Terrasse ist im Sommer ein traumhaft schöner Platz. Wozu da noch in den Süden fahren?

Robert Zollitsch: Aufbruch!


Der Erzbischof von Freiburg und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz steht auf Mannheim.


In diesem Jahr ist in Mannheim der 98. Deutsche Katholikentag, sein Leitwort: Einen neuen Aufbruch wagen! Mein Lieblingsort Mannheim ist tatsächlich die Stadt des Aufbruchs: von einem einst von Fischfang, Landwirtschaft und vom Zoll geprägten Dorf mit wenigen Einwohnern über eine strategisch wichtige Militärfestung und eine vom kurfürstlichen Hof bestimmte Residenz mit wohlhabendem Bürgertum hin zu einer von Handel und Industrie geprägten Arbeiterstadt. Heute ist Mannheim die von modernsten Industrie-, Technik- und

Dienstleistungsformen bestimmte Universitätsstadt, die nordbadische Metropole. Und zugleich die Stadt mit den meisten katholischen Kirchen in der gesamten Erzdiözese Freiburg. Beides hängt eng miteinander zusammen! Denn christlicher Glaube will sich zum Wohl der Stadt einbringen, will Politik, Wirtschaft und Gesellschaft im Geist des Evangeliums prägen und Verantwortung für andere übernehmen. Mit dieser Stadt des Aufbruchs fühle ich mich seit Kindheit und Jugend aufs engste verbunden. Auf der Rheinau haben meine Eltern – nach Vertreibung und Flucht – ein Haus gebaut. Hier habe ich erlebt, wie eine Wechselwirkung zwischen Kirche und Stadt gut gelingen kann, wie sich christlicher Glaube und bürgerschaftliches Engagement gegenseitig ergänzen und bestärken. Wie Menschen – gerade auch in Zeiten großer Krisen und starker Umbrüche – immer wieder durch ihren Glauben den Mut und die Kraft entwickelt haben, Gesellschaft menschenfreundlich zu gestalten und das Zusammenleben einladend zu prägen. Mögen wir in diesem Sinn immer wieder einen neuen Aufbruch wagen: in Baden-Württemberg und weit darüber hinaus.

Andrea Berg: Mein „Weinberg-Blick“


Die erfolgreiche Schlagersängerin hat einen magischen Ort entdeckt. Und seit einigen Jahren wohnt sie dort sogar: Kleinaspach.

Ich kann mich noch ganz genau erinnern, wann ich meinen Lieblingsort in Baden-Württemberg gefunden habe. Es war am 9. Februar 2003. Ich hatte den Namen Kleinaspach noch nie gehört, und auch mein Navigationsgerät ließ sich erst nach Eingabe der Postleitzahl auf diese schicksalhafte Reise ein.

Ich war für einen Auftritt dort gebucht und reiste bei Dunkelheit an. Erst bei Tagesanbruch entdeckte ich die Schönheit dieses Ortes. Vom Balkon

meines Hotelzimmers im Sonnenhof sah ich einen märchenhaften Sonnenaufgang. Dieser wunderbare Blick, der Morgennebel im Tal, die Streuobstwiesen und die Weinberge. Es war wirklich ein magischer Augenblick. Ich fühlte mich verzaubert. Ich spürte eine Verbindung, irgendwie so ein unerklärliches „Hier gehöre ich hin“-Gefühl. So was nennt man wohl Schicksal. Ich verliebte mich in Uli, zog noch im selben Jahr mit Lena und meinen Eltern nach Kleinaspach. Und wir bauten ein Haus mit genau diesem Ausblick.

Bald danach entstand auch mein „Landhaus am Sonnenhof“. Die Terrassen der Zimmer sind exakt so ausgerichtet, dass meine Gäste diesen wunderbaren Sonnenaufgang über dem Weinberg erleben können. Inzwischen sieht man von hier auch auf unseren kleinen Streichelzoo mit Ponys, Ziegen, Alpakas, Gänsen, Schweinen, Enten, Hasen und Hühnern.

Dieser Ort lässt mich zur Ruhe kommen und neue Kraft schöpfen. Ja, hier bin ich daheim.

Ich teile diesen „Glücksort“ sehr gerne mit meinen Gästen, und Sätze wie „da fühlt man sich wie zu Hause“ bewegen mich tief, denn genau das ist es. Ob im Kaminstüble, beim Rostbraten am Kachelofen, bei Stubenmusik zur Adventszeit oder an lauen Sommerabenden auf der Weinbergterrasse. Es hat etwas Magisches – nennen wir es Liebe!

Florian Schroeder: Vergesst das Borchardt!


Der Kabarettist stammt aus Lörrach und kennt sich aus in Berlin. Am schönsten findet er es aber anderswo: beim Italiener Stuttgarter Stadtgarten.

Mein Lieblingsort ist im Feindesland – von meiner badischen Heimat aus gesehen. Er ist in Schwaben, genauer, in der Geburtsstätte des Wutbürgers, in Stuttgart. Nur wenige Gehminuten vom Kopfbahnhof entfernt, befindet sich eines der deutschlandweit schönsten italienischen Restaurants, das Mezzogiorno. Hier, wo sich Parkschützer und Polizisten friedlich zuprosten, wo sich Juchtenkäfer und Kretschmänner Gute Nacht sagen. Hier feiert die beschauliche Kehrwochenkultstadt eine Wiedergeburt als Weltstadt.

Ein fantastisches Gericht sind die Spaghetti mit mehreren Kilo geriebenem Parmesan obendrauf. Ideal für Teilnehmer des Castings Germany’s next Calmund. Dazu einen rosa Pinot Grigio. Ja, liebe Leserbriefschreiber, den gibt es wirklich. Ein Weißwein, der rosa ist, ohne Rosé zu heißen und so zu schmecken. Das geht nur hier, wo auch der Wutbürger Daimler fährt.

Ab und zu betritt auch Prominenz das Mezzogiorno. Zum Glück herrscht selbst in diesen ekstatischen Momenten die gediegene schwäbische

Zurückhaltung, die ich der aufgebrezelten Dumpfbacken-Gaffergesellschaft eines Borchardt in Berlin jederzeit vorziehe. Hier, in der Hauptstadt der Lebensversicherungsabschließer, interessiert man sich nicht dafür, ob Hartmut Engler oder Jürgen Klinsmann gerade Hof halten. Mit einem kurzen „Isch er’s? – I glaub net, ond wenn, isch’s au wurscht“, wird das Thema hier kurz und pragmatisch abgehakt und man wendet sich wieder dem wirklich Wichtigen zu: dem Büffelmozzarella, der gegessen werden muss, „weil er zahlt isch.“

Einmal saß neben mir am Tisch der wunderbare Musiker Philipp Poisel. Es war schon später, und ich hatte ihn nicht erkannt. Er sah so jung aus, dass ich mich fragte, warum der nette 15-jährige noch nicht im Bett ist. Erst kurz vor dem Abschied erfuhr ich von einem Kollegen, wer er war. Ich sprach ihn daraufhin an, outete mich als Fan, und schon waren wir Freunde, wenn auch nur hier, Offline und nicht bei Facebook, weswegen unsere Freundschaft natürlich keine richtige ist. Aber ich glaube, irgendwie sind wir für solche Faxen auch schon zu alt. Schließlich haben wir zusammen immerhin 60 Jahre auf dem Buckel, da muss man sich nun wirklich nicht mehr jedem neumodischen Quark an den ausgefranzten Rockzipfel hängen.

Einer von Philipp Poisels größten Hits hieß übrigens: „Wo fängt dein Himmel an?“. Heute weiß ich die Antwort: im Mezzogiorno.

Theresia Walser: Mannheimer Licht


Die vom Bodensee stammende Dramatikerin ist vor ein paar Jahren nach Freiburg gezogen. Und prompt vermisst sie jetzt ihren alten Balkon im Quadrat L 14.

Ausgerechnet seitdem ich nicht mehr in Mannheim lebe, sehne ich mich nach Mannheim. Inzwischen gibt es bei mir sogar eine Art Mannheimverklärung, die sich nicht mehr darum kümmert, ob Mannheim schön oder hässlich ist. Vielleicht wirkt in Mannheim alles ein wenig unwirklicher als in anderen Städten. Die warmen, nach Brezel riechenden Winde, die an Sommerabenden durch die Planken sausen. Die BASF nebenan – wie ein Spielzeug aus dem 19. Jahrhundert. Im Sommer auf der Rheinterrasse unter Platanen sitzen wie in einem Monetbild. Um die Ecke das Gefühl, als sei man in Paris. Dann wieder Siebziger-Jahre-Hochhäuser, die fast schon etwas von Ruinen haben. Jedes noch so idyllische Versprechen wird hier sofort enttäuscht. Mannheim ist – wohin auch immer man blickt – ein Fast, ein Beinahe. Nie kriegt man von etwas zu viel, aber auch nie genug. Nicht vom Hässlichen, nicht vom Schönen. Von keiner Stadt kenne ich soviel Kunst am Bau, die vor sich hinrostet. Lauter alt gewordene Zukunftsversprechen. Man möchte sie am liebsten vor ihrer eigenen Behauptungshärte in Schutz nehmen. Stehe ich vor ihnen, merke ich vor allem, wie wenig man sich aussuchen kann, woran man hängt.

Es gibt viele Städte, in denen man hätte auf einem Balkon sitzen können wie ich vor fünfzehn Jahren, nur dass meine Adresse L 14 hieß und Mannheim in Quadraten angelegt ist, die Schneisen für Licht und Wind schaffen, durch die ein Sonnenuntergangslicht flutet, als sei die Stadt von mehreren Abendsonnen umzingelt. In vielen Städten gibt es Innenhöfe, in die sich an Sommerabenden Schwalben stürzen, während vom oberen Balkon Knackgeräusche zu hören sind, wenn Herr Sims sich seine Zehennägel schneidet, die Jahr für Jahr auf meinen Balkon rieselten. Doch es würde dort überall jenes Mannheimer Licht fehlen. Dieses messingscharfe und dabei alles in eine Ferne rückende Licht.


Große Jubiläumsbeilage 60 Jahre Baden-Württemberg am Samstag, 21. April 2012 in der Stuttgarter Zeitung.