60 Jahre Jugendmusikschule Leonberg „Musizieren ist soziales Kompetenztraining pur“
Seit 60 Jahren gibt es in Leonberg die Jugendmusikschule. Gelernt wird hier viel mehr als nur das Spielen auf Instrumenten.
Seit 60 Jahren gibt es in Leonberg die Jugendmusikschule. Gelernt wird hier viel mehr als nur das Spielen auf Instrumenten.
Die städtische Bildungsinstitution feiert diese Woche ihren 60. Geburtstag mit einem umfangreichen Festprogramm aus Konzerten aus Klassik, Pop und Jazz. Eine Festwoche voller Musik also. Und doch, sagt Sibylle Lützner, die Leiterin der Jugendmusikschule Leonberg (JMS) gehe es in der Jugendmusikschule, die schon längst nicht mehr nur Kindern und Jugendlichen offensteht, um weit mehr als nur ums Musizieren.
1746 Schülerinnen und Schüler werden aktuell an der Schule von 44 Lehrkräften in 31 Fächern und 23 Ensembles unterrichtet, von der musikalischen Frühförderung bis zur Begabtenklasse. „Aufgabe der Jugendmusikschule“, sagt Lützner, „ist die Breitenarbeit, die Begabtenförderung sowie der Beitrag zum lokalen Kultur- und Musikleben.“
Während diese Aufgaben im Grundsatz seit 1966 immer gleichgeblieben seien, habe sich die Art der Aufgabenerfüllung vor dem Hintergrund der jeweiligen gesellschaftlichen Erfordernisse erheblich gewandelt. Was heute wichtiger denn je ist: Musizieren heißt auch Persönlichkeitsentwicklung und das Erleben von Zusammenhalt.
Für die Schulleiterin steht deshalb außer Frage: Die gesellschaftliche Aufgabe der Jugendmusikschule, der Musikschulen im Allgemeinen, ist mindestens so wichtig wie die musikalischen Ergebnisse, die sie erzielen. „Beim Musizieren und vor allem beim gemeinsamen Musizieren erwerben Kinder und Jugendliche Schlüsselqualifikationen für den guten Umgang mit sich und miteinander“, sagt Lützner.
Selbstregulation, Empathie, Kommunikationsfähigkeit, Kreativität, Leistungsbereitschaft – Kernkompetenzen also, ohne die eine Gesellschaft nicht funktionieren würde. Gerade das Spielen im Ensemble schule den Blick fürs Gemeinwohl und biete „soziales Kompetenztraining pur“, sagt Lützner. Musikschulen seien insofern auch Brückenbauer zwischen Kulturen, Lebenswelten und Generationen.
Erfreulich dabei: Nach dem Dafürhalten der Schulleiterin sei das Interesse am Erlernen eines Instruments auch in Zeiten von Smartphone und Digitalisierung nicht zurückgegangen: „Wir haben eine kontinuierliche Nachfrage“, betont sie. Erfüllt werde diese neben dem bewährten Einzel-, Gruppen- und Ensembleunterricht zunehmend durch die Zusammenarbeit mit den allgemeinbildenden Schulen, sagt Lützner. „Wir kooperieren inzwischen mit fast allen Schulen in Leonberg“, so die Schulleiterin. Hinzu kommen Angebote in den Kitas. Insgesamt werden so über 600 Kinder und Jugendliche ans aktive Musizieren herangeführt.
Auch deshalb will Lützner nicht unwidersprochen in das Lamento einstimmen, dass der zunehmende Ganztagesschulbetrieb die Arbeit für die Musikschulen nur erschwert hätten. Zwar sei dadurch die Stundenplanung schwieriger und die Übzeit der Kinder und Jugendlichen knapper geworden. Doch der Ganztagsbetrieb sei zugleich eine Chance. „An den Schulen kann man die Kinder und Jugendlichen in einer ganz anderen Breite erreichen“, betont Lützner.
Anlässlich des 60-Jahr-Jubiläums betont Lützner auch die Bedeutung des Fördervereins der JMS, der vor 30 Jahren gegründet wurde. Unzählige Instrumente mit einem Wert von mehr als 300 000 Euro – unter anderem drei Flügel und ein Cembalo – konnten mit Hilfe des Vereins angeschafft werden.
In diesem Jahr beschafft die Musikschule mit Unterstützung des Fördervereins zwei neue Klaviere für den Hauptfachunterricht. Der Förderverein hat der JMS hierfür im Rahmen eines Jubiläumskonzerts Ende April 6000 Euro zur Verfügung gestellt. Weitere 10 000 Euro hat die Kulturstiftung der Kreissparkasse Böblingen gespendet.
„Rock, Pop, Jazz – die Jugendmusikschule groovt“ heißt die Veranstaltung, die am Montag, 4. Mai, um 18.30 Uhr in der Steinturnhalle den Auftakt für die Festwoche der Jugendmusikschule Leonberg bildet. Am Dienstag folgt um 18.30 Uhr im Theater im Spitalhof das Konzert der Begabtenklasse. Am Mittwoch, 6. Mai, steht um 18.30 Uhr das „Blockflötenfest XL“ auf dem Programm.
Ein Tag später, am Donnerstag, 7. Mai, findet um 18.30 Uhr im Theater im Spitalhof das Fachbereichskonzert der Streichinstrumente statt. Am Freitag werden zwei Veranstaltungen angeboten: Um 16 Uhr in der Gerhart-Hauptmann-Realschule das Kooperationsprojekt „Die Heinzelmännchen von Leonberg“ mit Kindertageseinrichtungen sowie um 18.30 Uhr im Theater im Spitalhof das Gitarrenkonzert „6strings+“.
Den Abschluss bildet am Samstag, 9. Mai, der Tag der offenen Tür von 10 bis 13 Uhr in der Jugendmusikschule in der Lindenbergstraße 16. Ab 14 Uhr findet in der Gerhart-Hauptmann-Realschule ein Bläsertag in Zusammenarbeit mit den Musikvereinen statt. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.