60 Jahre Stuttgarter Ballett Fragen an Demis Volpi

Demis Volpi hat in Stuttgart Erfahrung als Tänzer, Choreograf und Opern-Regisseur gesammelt. Seit dieser Spielzeit leitet er das Ballett am Rhein in Düsseldorf/Duisburg. Foto: dpa/David Young

Einstige Tänzer des Stuttgarter Balletts sind weltweit als Direktoren begehrt. Wir haben sie nach ihren Stuttgarter Wurzeln gefragt – heute: Demis Volpi, Direktor des Balletts am Rhein in Düsseldorf und Duisburg.

Stadtleben/Stadtkultur/Fildern : Andrea Kachelrieß (ak)

Stuttgart - Forsythe, Kylián und Co: Das Stuttgarter Ballett war schon immer eine Kompanie, die Tänzer stark gemacht hat. So stark, dass sie weltweit als Direktoren begehrt sind. Wir haben sie nach ihren Stuttgarter Wurzeln gefragt – heute: Demis Volpi, Direktor des Balletts am Rhein in Düsseldorf und Duisburg, der von 2004 bis 2017 erst als Tänzer, dann als Haus-Choreograf mit dem Stuttgarter Ballett verbunden war.

 

Was haben Sie vom Stuttgarter Ballett mitgenommen, das Ihnen bis heute hilft?

Die Erkenntnis, dass Tradition und Innovation nicht im Widerspruch zueinander stehen müssen.

Ihr Lieblingsstück im Stuttgarter Repertoire?

„Onegin“ von John Cranko, weil die Figuren sich in diesem neoklassischen Meisterwerk von innen nach außen auf sehr nachvollziehbare Art und Weise entwickeln.

Ihre Lieblingsrolle als Tänzer - warum?

Die Prozesse haben mich immer viel mehr interessiert als die Rollen an sich – vor allem die Entdeckungsreisen, durch die verschiedenen Abteilungen im Haus.

Ein Stück, das Sie gern choreografiert hätten, aber nie durften?

Ich hatte das Glück, alles, was ich mir choreografisch vorgenommen hatte, auch umsetzen zu können!

Ein Stuttgarter Stück, das Ihnen neue Perspektiven eröffnet hat?

Die Arbeit an meinem eigenen Stück „Aftermath“ hat mich Bewegungs- und Klangwelten entdecken lassen, die mich bis heute und sicherlich noch in der Zukunft weiter beschäftigen werden.

Um was beneiden Sie das Stuttgarter Ballett besonders?

Von Neid kann man da nicht sprechen, denn ich habe ja 16 Jahre lang in vollen Zügen vom künstlerischen Reichtum des Stuttgarter Balletts profitieren können.

Ohne das Stuttgarter Ballett wäre…

...die Entwicklung des Tanzes in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine ganz andere gewesen.

Zur Person

Demis Volpi wurde 1985 in Buenos Aires geboren. Seine Ausbildung zum Tänzer schloss er 2004 an der Cranko-Schule ab und wechselte als Eleve zum Stuttgarter Ballett. Dort entdeckte er bei den Noverre-Abenden das Choreografieren, 2013 wurde er nach der erfolgreichen „Krabat“-Premiere zum Hauschoreografen ernannt; 2017 endete sein Vertrag. 2015 schuf er in seinem Ballett „Die Geschichte vom Soldaten“ eine Rolle für Alicia Amatriain, die ihr mit Faust und Prix Benois zwei wichtige Preise einbrachte; auch seine Operninszenierung „Tod in Venedig“ erhielt viel Aufmerksamkeit. Seit der Spielzeit 2020/21 ist Volpi Nachfolger von Martin Schläpfer am Ballett am Rhein in Düsseldorf/Duisburg.

60 Jahre Stuttgarter Ballettwunder

In einem besonderen Angebot für unsere Digital-Plus-Abonnenten machen wir die spannende Geschichte des Stuttgarter Balletts lebendig. Im Dialog mit Zeitzeugen und einer jungen Generation wird anschaulich, wie sich die Kompanie an die Weltspitze tanzte und dort hält. Mit diesen Artikelserien feiern wir das Jubiläum des Stuttgarter Balletts:

Als das Wunder wahr wurde Wir haben im Archiv nach Erinnerungen an seinen Erfinder John Cranko gesucht und eine 2007 veröffentlichte Interview-Serie mit Weggefährten des Choreografen entdeckt.

► Ray Bara Lesen Sie hier, wie Ray Bara seine Wohnung für John Cranko räumte.

► Reid Anderson Wie Eiskunstlauf den Tanz inspirierte: Lesen Sie hier Reid Andersons Erinnerungen

► John Neumeier Bereit für Rebellion und Experimente: Lesen Sie hier John Neumeiers Erinnerungen

► Gundel Kilian Wer einfach drauflos knipste, flog raus: Gundel Kilian erinnert sich

► Richard Cragun Lesen Sie hier, was der 2012 verstorbene Tänzer Richard Cragun über Crankos britischen Geschmack sagte.

► Birgit Keil Lesen Sie hier, wie Birgit Keil zu Crankos „Baby-Ballerina“ wurde.

► Friedrich Lehn Wie Cranko Stau zu Tanz machte: Friedrich Lehn erinnert sich

► Marcia Haydée Lesen Sie hier Marcia Haydées Bericht von ihren ersten Auftritten in Stuttgart.

► Egon Madsen Lesen Sie hier Egon Madsens Erinnerungen an eine besondere Party in New York.

► Georgette Tsingurides Lesen Sie hier Georgette Tsingurides’ Erinnerungen an Zigaretten, Hunde und kleine Feuer im Ballettsaal.

► Fritz Höver Lesen Sie hier, was der 2015 verstorbene Gründer der Noverre-Gesellschaft mit Cranko auf Reisen erlebte.

► Jürgen Rose Lesen Sie hier, wie John Cranko Zeichnungen des Bühnenbildners zerriss.

► Vladimir Klos Lesen Sie hier Vladimir Klos Erinnerungen an die letzte Tournee mit John Cranko.

Forsythe, Kylián und Co Das Stuttgarter Ballett war schon immer eine Kompanie, die Tänzer stark gemacht hat. So stark, dass sie weltweit als Direktoren begehrt sind. Wir haben sie nach ihren Stuttgarter Wurzeln gefragt.

► Ivan Cavallari Sechs Fragen an den Direktor der Grands Ballets Canadiens in Montreal

► Sue Jing Kang Sechs Fragen an die Direktorin des koreanischen Staatsballetts

► Filip Barankiewicz Sechs Fragen an den Direktor des tschechischen Staatsballetts

► Marco Goecke Sechs Fragen an den Ballettdirektor am Staatstheater Hannover

► Christian Spuck Sechs Fragen an den Direktor des Balletts Zürich

► Bridget Breiner Fragen an die Direktorin des Badischen Staatsballetts

► Renato Zanella Fragen an den Direktor des Balletts an der Staatsoper Slowenien

► Eric Gauthier Fragen an den Leiter von Gauthier Dance

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Weitere Beiträge sind in Vorbereitung.

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