60 Millionen-Investition Wie wichtig sind öffentliche Banken?

An diesem Samstag um 11 Uhr startet an der neuen Sparkassen-Direktion der Rundgang des Baubürgermeisters. Foto: Simon Granville

Mit ihrem Leonberger Großprojekt setzt die Sparkasse gleich mehrere Zeichen, gerade für den angespannten Wohnungsmarkt.

Leonberg: Thomas K. Slotwinski (slo)

Nicht ohne Grund startet der Leonberger Baubürgermeister an diesem Samstag um 11 Uhr seinen Rundgang zu den markanten Punkten der Stadtentwicklung am Neubau der Leonberger Kreissparkassen-Direktion. Hier geht es nicht nur um ein mondän ausschauendes Bankgebäude, sondern um ein komplettes Wohnquartier gleichsam als modernes Eingangstor der Stadt.

 

Das 60-Millionen-Euro-Projekt birgt gleich mehrere Inhalte. Zum einen ist es ein deutliches Standort-Bekenntnis des kommunalen Kreditinstituts. Die Kreissparkasse mit Hauptsitz in Böblingen setzt ein hörbares Ausrufezeichen in ihrem zweitwichtigsten Marktbereich. Es geht nicht nur um ein vergleichsweise immer noch sehr dichtes Filialnetz, sondern zudem um eine sichtbare Präsenz: Im Gegensatz zu vielen Großbanken, so die beabsichtigte Botschaft, zieht sich die Sparkasse nicht aus der Fläche zurück. Diese Strategie der tatsächlichen Kundennähe praktiziert auch die Volksbank.

Der zweite Aspekt, und der ist von ähnlich großer Bedeutung: Die KSK nimmt ihren Auftrag der Gemeinnützigkeit nicht nur in der Förderung sozialer, künstlerischer oder sportlicher Vorhaben wahr. Das Kreditinstitut engagiert sich zudem im Wohnungsbau. Neben dem Bankgebäude entsteht ein Quartier mit 71 Mietwohnungen, 22 davon im sozial geförderten Segment, attraktiv am Rande der Altstadt gelegen. Auch hier ist übrigens die Volksbank Leonberg-Strohgäu auf ähnlichen Pfaden unterwegs, etwa mit Wohnprojekten im Stadtteil Eltingen oder in Renningen. Dass sich gemeinnützige Banken verstärkt auf dem nach wie vor angespannten Immobilienmarkt engagieren, hilft vielen Menschen, die eine bezahlbare Bleibe suchen – und entlastet die Kommunen bei ihrer Baupolitik.

Moderne Architektur am Leonberger Stadteingang. Foto: Simon Granville

Interessanterweise hatte gerade dieser Aspekt in der Planungsphase vor fünf Jahren politischen Wirbel entfacht. Nicht alle in der Nachbarschaft waren davon angetan, dass ihre Aussicht teilweise zugebaut wird. Der Streit eskalierte derart, dass das ganze Projekt um ein Haar geplatzt wäre.

Zum Glück ist es anders gekommen. Andernfalls hätte Leonberg als optische Visitenkarte eine weitere Brache gehabt. Jetzt aber, und das räumen selbst frühere Kritiker ein, stellt der neue Kreissparkassen-Komplex einen attraktiven Entree zur Stadt dar.

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