600 Jahre Altes Rathaus in Esslingen Die gute Stube der Stadt feiert Geburtstag

Friederike Mattes, Maren Springmann, Stadtarchivar Joachim Halbekann, Iris Klapproth und Christina Peters (von links) stoßen beim Rundgang durch das Alte Rathaus auf die 600-jährige Geschichte des Esslinger Wahrzeichens und dessen bauhistorische Reize an. Foto: /Robin Rudel

Das Alte Rathaus gilt als Esslinger Wahrzeichen. Dass es sich im heutigen Glanz zeigt, ist nicht nur hohen Investitionen der Stadt zu danken, sondern auch einem Förderverein und einer Stiftung. Die hat nun den 600. Geburtstag des Alten Rathauses gefeiert.

Reporter: Alexander Maier (adi)

Für viele ist das Alte Rathaus die gute Stube der Stadt: Dort tagt der Gemeinderat, dort finden wichtige Veranstaltungen statt, bedeutende Gäste tragen sich im Bürgersaal ins Goldene Buch ein, und wer in noblem Ambiente heiraten möchte, ist ebenfalls willkommen. Für die Deutsche Stiftung Denkmalschutz zählt das Alte Rathaus zu den „bemerkenswertesten Baudenkmälern und Sehenswürdigkeiten im historischen Stadtkern von Esslingen“. Für OB Matthias Klopfer ist der stattliche Bau neben dem Dicken Turm schlicht „das Wahrzeichen von Esslingen“. 600 Jahre reicht die Geschichte des Alten Rathauses zurück, und es lohnt sich, sich darin zu vertiefen. Gelegenheit dazu bot eine Veranstaltung der Stiftung Altes Rathaus, die nun in illusterer Runde ihr 20-jähriges Bestehen und die sechs Jahrhunderte währende Historie des Hauses feierte.

 

Brückenschläge zwischen Epochen

Rund 25 Millionen Euro hat die Stadt Esslingen in die Sanierung investiert – etwa 1,6 Millionen Euro haben der Förderverein Altes Rathaus und die daraus hervorgegangene Stiftung an Spenden mobilisiert. Und wenn die Stiftungsvorsitzende Iris Klapproth heute mit ihren Vorstandskolleginnen Christina Peters, Friederike Mattes und Maren Springmann durch die schmucken Räume geht, lässt sich kaum mehr ahnen, wie viel zu tun war, bis der repräsentative Bau am Rathausplatz im heutigen Glanz erstrahlte. „Das war nur möglich, weil sich viele Interessierte und Engagierte für dieses gemeinsame Projekt eingesetzt haben“, betonte Iris Klapproth, die zur Feier in der Schickhardthalle langjährige Förderer und Unterstützer begrüßte. Und genau wie das junge Barockorchester Die Telemänner, das den Festakt musikalisch umrahmte, möchte auch die Stiftung Brücken schlagen zwischen den Epochen und junge Menschen für die Bedeutung und die baulichen Reize dieses einzigartigen Gebäudes begeistern.

Mit Blick auf die Sitzungen des Gemeinderats und seiner Ausschüsse, die allesamt im Alten Rathaus stattfinden, befand OB Matthias Klopfer: „Hier schlägt das Herz der kommunalen Demokratie.“ Für ihn sei es „ein Privileg, hier arbeiten zu dürfen“. Wer über die Historie des Bauwerks nachdenke, müsse demütig werden angesichts der mannigfachen Herausforderungen, die die Stadt und ihre Menschen in den vergangenen sechs Jahrhunderten meistern mussten. Für den Förderverein und die Stiftung, die von honorigen Esslinger Damen gegründet worden waren und bis heute getragen werden, hatte der OB „ein riesengroßes Dankeschön“ mitgebracht. Den Gedanken, junge Menschen an das Alte Rathaus heranführen zu wollen, findet er „ganz wunderbar“.

„Wie ein riesengroßer Adventskalender“

Maren Springmann erinnerte daran, welch große Anstrengungen die Stadt und zahlreiche Unterstützerinnen und Unterstützer unternommen haben, um das Alte Rathaus wieder zum Aushängeschild zu machen. „Wenn ich heute durch das Gebäude gehe, fühlt es sich an wie ein Spaziergang durch einen riesengroßen Adventskalender“, ergänzte ihre Vorstandskollegin Christina Peters. „Hinter jeder Tür warten neue Überraschungen.“ So wie der „Grüne Salon“, der aus Geldern der Stiftung zu alter neuer Schönheit gebracht wurde. Friederike Mattes richtete den Fokus auf einige der bauhistorischen Besonderheiten, die das Alte Rathaus zu bieten hat – etwa das Glockenspiel oder das Astrolabium, aber auch zahlreiche Finessen, die der Unkundige erst auf den zweiten Blick entdeckt. Ihrem Engagement wollen die engagierten Damen der Stiftung auch in Zukunft treu bleiben. Weil es im Alten Rathaus viel zu entdecken gibt, wollen sie künftig verstärkt Führungen ermöglichen – nicht nur am Schwörfest und am Denkmaltag, sondern auch übers Jahr, insbesondere für Schulklassen.

Während das Gründungsjahr von Stiftung und Förderverein gesichert ist, gibt es keine verlässlichen Quellen zum Bau des Alten Rathauses im 15. Jahrhundert. Stadtarchivar Joachim Halbekann vermittelte in seinen ebenso launigen wie kenntnisreichen „Bemerkungen zur Geschichte eines städtischen Funktions- und Repräsentationsgebäudes“ viel Zeitkolorit. Er erläuterte die Geschichte des Alten Rathauses und dessen wechselnde Nutzungen – und er ließ deutlich werden, weshalb das Jahr 1424 als Jahr des Baubeginns gelten und dass der 600. Geburtstag des Alten Rathauses an diesem Abend getrost gefeiert werden durfte.

Vom Förderverein zur Stiftung Altes Rathaus

Der Förderverein
 Sechs Jahrzehnte nach der letzten umfassenden Erneuerung des Alten Rathauses stand Ende der 1980er-Jahre eine neuerliche Sanierung an. Weil dieses millionenschwere Unterfangen die Stadt vor große finanzielle Herausforderungen stellte, fanden sich engagierte Esslingerinnen um die damalige OB-Gattin Waltraud Klapproth zusammen und gründeten 1987 den Förderverein Altes Rathaus. Ziel war es, der Sanierung den nötigen finanziellen und ideellen Rückenwind zu verschaffen.

Die Stiftung
 Um die Förderung des Alten Rathauses dauerhaft auf eine solide Basis zu stellen, hat der Förderverein vor 20 Jahren seine Gelder an eine Stiftung übertragen. Als Zeichen der Kontinuität nannte sie sich zunächst „Stiftung Förderverein Altes Rathaus“. Inzwischen wurde sie umbenannt in „Stiftung Altes Rathaus Esslingen“. Deren Ziel ist es, „denkmalpflegerische, kulturelle, wissenschaftliche und künstlerische Aufgaben zur Erhaltung des wertvollen Baudenkmals Altes Rathaus in Esslingen anzuregen und zu unterstützen“.

Spenden
Bislang hat die Stadt Esslingen rund 25 Millionen Euro in die Sanierung des Alten Rathauses investiert. Unterstützt wurde dieses Vorhaben durch Spenden von etwa 1,6 Millionen Euro, die der Förderverein und die Stiftung über die Jahre mobilisiert hatten. 

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