Shootingstar Kamrad bringt beim Landespresseball am 14. November frischen Wind in die Liederhalle – und spricht im Interview über Altersgrenzen, Demokratie und Stuttgarter Feierfreude.
Beim Bambi ist er als „Musicact des Jahres“ für den Publikumspreis nominiert: Tim Kamrad, 28, der nur unter seinem Nachnamen als Künstler auftritt und mit „I Believe“ seinen europaweiten Durchbruch erlebte, spielt am 14. November in der Liederhalle beim gesellschaftlichen Top-Ereignis von Baden-Württemberg.
Herr Kamrad, Sie sind einer der jüngsten Stargäste beim Landespresseball. Wird es schwierig, ein älteres Publikum zu begeistern?
Klar, man muss sich darauf einstellen. Das wird jetzt kein Rock-am-Ring-Konzert – was aber auch nicht schlimm ist. Ich glaube, das wird ein wunderschöner Abend für einen guten Zweck. Menschen kommen zusammen, die ähnlich denken und gemeinsam etwas teilen – und ich darf mit meiner Musik etwas dazu beitragen. Für mich ist es eine Ehre, als einer der Jüngsten dabei zu sein. Ob jung oder alt – feiern können und wollen doch alle. Genau dafür bin ich da.
Presseball-Premiere für Kamrad: „Ich kleide mich veranstaltungsgerecht“
Waren Sie schon einmal auf einem Ball?
Gute Frage! Tatsächlich ist das mein erster Ball, der auch so heißt. Gibt es etwas, was ich beachten muss?
Der Dresscode lautet: langes Kleid für Damen, Smoking oder dunkler Anzug für Herren. Für Künstler gelten aber bestimmt Ausnahmen.
Da ich nicht oft bei solchen Veranstaltungen bin, freue ich mich auch mal darauf, mich in Schale zu werfen. Ich werde auf jeden Fall darauf achten, dass ich veranstaltungsgerecht gekleidet bin.
Beim Presseball steht ein Generationswechsel an – nicht nur mit Ihnen auf der Bühne. Ministerpräsident Winfried Kretschmann eröffnet den Ball zum letzten Mal. Sind Sie politisch interessiert?
Ja, sehr! Mit Baden-Württemberg kenne ich mich in den Details nicht so aus, aber das große Ganze interessiert mich sehr – gerade in diesen Zeiten.
Mit dem Erlös des Balls werden unter anderem Demokratieprojekte unterstützt.
Das finde ich sehr wichtig. Wenn man sieht, wie in den USA die Pressefreiheit immer weiter eingeschränkt wird, muss man etwas tun. Wir alle müssen uns dafür einsetzen, dass sich so etwas hier nicht wiederholt. Pressefreiheit ist ein zentrales Gut, für das wir eintreten sollten – ob als Journalist, Künstler oder einfach als Mensch. Demokratie ist kein Selbstläufer. Jeder sollte öffentlich sagen dürfen, was er möchte.
Kamrad beim Landespresseball: Elektronischer Pop mit „unperfektem Touch“
Nicht alle Gäste werden Sie kennen. Wie beschreiben Sie Ihre Musik?
Ich sage immer scherzhaft: elektronische Popmusik mit schlechtem Gitarrensound. Damit meine ich, dass meine Musik bewusst einen unperfekten Touch hat. Ich versuche, Elemente einzubauen, die man nicht schon tausendmal gehört hat. Dinge, die etwas von mir verraten. Beim Ball wollen wir gute Laune verbreiten. Wir als Band, das weiß ich jetzt schon, werden bei diesem für uns etwas ungewohnten Auftritt sehr viel Spaß haben. Wir spielen Songs, die man aus dem Radio kennt, aber wir spielen sie in einer anderen Version, etwas rockiger. Damit wollen wir auch die abholen, die gar nicht so Fans der Songs sind.
In Ihrer Biografie steht, Sie hatten einen Abiturschnitt von 1,0. Sie sind also ein Käpsele, wie man bei uns sagt. Warum haben Sie nicht Medizin studiert?
Medizin kam für mich nicht infrage – ich kann kein Blut sehen. Musik war schon immer mein Ding. Ich habe dann Wirtschaftsingenieurwesen studiert, mich aber nicht wohlgefühlt. Das war einfach nicht meins. Mit 19 habe ich entschieden: Ich bin zu jung, um Dinge zu machen, die ich nicht mag. Die kann ich auch noch später tun. Das ist jetzt zehn Jahre her.
Sie haben mit Musik weitergemacht, auch als es schwer war.
Ja, das war eine harte Zeit, es waren fünf Jahre mit Sorgen. Ich konnte meine Miete nicht bezahlen. Doch meine Eltern haben an mich geglaubt und gesagt: Wir nehmen einen Kredit auf, mach wenigstens diesen Song und dieses Video noch. Und das war dann „I Believe“.
Das war Ihr absoluter Durchbruch. Eine echte American-Dream-Geschichte.
Stimmt, das klingt fast so. Es fühlt sich seltsam an, das zu erzählen, aber ich glaube, das passiert oft: Wenn man ganz unten ist und trotzdem dranbleibt, kann plötzlich alles kippen – zum Guten.
Dickes Lob für das Stuttgarter Publikum von Kamrad
Ihre Musik macht gute Laune. Sind Sie auch privat ein Gute-Laune-Typ?
Gerade in schwierigen Zeiten fällt das manchmal schwer. Leichtigkeit muss man sich erkämpfen – sie kommt nicht von allein.
Sie haben schon öfter in Stuttgart gespielt. Was verbinden Sie mit der Stadt?
Was mich mit Stuttgart verbindet, sind immer richtig, richtig gute Konzerte, die ich hier erlebe. Stuttgart ist eine ganz spezielle Stadt, in der immer eine geile Stimmung ist, ganz egal, mit wem ich unterwegs bin. Freue mich total, nach Stuttgart zu kommen. Ich höre das von vielen Künstlern, dass in Stuttgart die Post abgeht, die Stadt ist beliebt für Live-Auftritte. Ich freue mich stets darauf, mit diesem besonderen Stuttgarter Publikum die Hütte abzureißen.
Viel Erfolg für den 14. November, wenn Sie die Liederhalle abreißen.
Vielen Dank! Ja, das wird für mich und meine Band etwas ganz Besonderes. Wir haben richtig Bock drauf.
Karten
Weitere Informationen und Karten gibt es unter https://zeitung-erleben.de/event/landespresseball-2025/ und unter https://landespresseball-bw.de oder telefonisch unter 07142/7706929.