66-jährige Sportskanone Ein Mann bewegt Kleinbottwar

Auf allen Ebenen engagiert für den Sport: Bernhard Fähnle auf dem Neckar mit seinem Enkel. Foto: Mostbacher-Dix

Sportverein, Schulverein, Kommunalpolitik: Das Leben von Bernhard Fähnle steht ganz im Zeichen des Engagements. Der ehemalige Hauptkommissar bringt sich auch im Ruhestand an vielen Stellen in seinem Ort ein.

Großes Aufsehen um ihn? Das mag er nicht. Daher war es Bernhard Fähnle eher unangenehm, dass ihn der Gesang- und Sportverein (GSV) Kleinbottwar mit dem Förderverein der Grundschule „Schule an der Bottwar“ als Vereinsheld bei der bundesweiten Kampagne der Sparkasse anmeldeten. „Das ist toll, aber ich stehe nicht gerne im Vordergrund“, sagt der agile Mann. Er mache einfach sein Ding. Und das ist, sich zu engagieren vor Ort und für die Menschen. Die Liste ist lang. Über die Jahre hat sich Fähnle auf so vielen Ebenen eingebracht, so viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene unterstützt und in Bewegung gebracht, dass man ein Buch schreiben könnte.

 

Einst Hauptkommissar gewesen

Neben Lesen und Reisen liebt der Hauptkommissar im (Un-)Ruhestand den Sport. „Schon als Kind: Ich wollte mich bewegen“, sagt der 66-Jährige und schmunzelt. Jung konnte Fähnle rudern. Wuchs er doch seit seinem fünften Lebensjahr im Ortsteil Schreyerhof auf, einer Halbinsel im Neckar. Und weil der Mundelsheimer Ortskern auf der anderen Seite des Flusses liegt, ging es eben mit dem Boot zur Schule. Das Gymnasium lag indes in Besigheim. Und heute? Holt er mit dem Kahn schon mal die Brötchen beim Bäcker auf der anderen Neckarseite: Nach vielen Jahren Kleinbottwar, wo er „hin heiratete“, leben er und seine Frau wieder in dem generalsanierten Elternhaus. Ein echtes Paradies am Wasser. Ein solches war es für ihn schon als Jugendlicher. Damals feierte er Erfolge im Handball, im Verein in Mundelsheim, dann in Kleinbottwar. „Bis 40 spielte ich, am Schluss bei den ‚alten Herren’.“ Und bei der Polizei, wo er 1976 begann, nach bester Aufnahmeprüfung. „Von 24 Bewerbern wurden fünf genommen, ich war einer.“

Es folgten Stationen in Revieren von Göppingen, Ludwigsburg, Großbottwar, Oberstenfeld, schließlich wieder Großbottwar. Vom Revierführer der Polizei Marbach wurde er denn auch gefragt, ob er als sein Nachfolger die Kolleginnen und Kollegen trainieren wolle. Nach „zwölf Wochen tollem Lehrgang in Freiburg“ leitete Fähnle bis 2019 den allgemeinen Dienstsport des Polizeireviers Marbach „mit Kräftigungszirkel und was dazu gehört“. Auch übernahm er vom früheren Revierchef die „Bürgermeistersportgruppe“, um mit ihnen das Sportabzeichen zu trainieren und es abzunehmen.

Vom Dienstsport zum Gesundheitssport

Über den Dienstsport kam er dann 2003 zum Gesundheits- und Präventionssport und auf den entsprechenden Lehrgang. „Das interessierte mich, angesichts der Rückenprobleme mancher älteren Kollegen.“ Den Gesundheitssport sollte er auch – mit dem Vorstand – 2017 im GSV Kleinbottwar etablieren. Fähnle konzipierte dort ein großes Portfolio, veranstaltete drei Gesundheitstage mit Workshops, auf denen es auch um Ernährung, Kräuter und mehr ging. „Einfach ganzheitlich.“ Die Abteilung führte er bis März 2023. „Jetzt habe ich eine tolle Nachfolgerin, meine Kurse gebe ich weiter, etwa ‚Rückenfit 50+’“. Auch beim Sommerferienprogramm ist er seit 29 Jahren an Bord – und zudem bei der „SonntagFreizeitGruppe“, die er 1998 gründete. „Verein ist eine erweiterte Familie, Vereinsleben vermittelt soziale Kompetenz. Schade, dass manche mit Mitgliederschwund zu kämpfen haben. Aber in Kleinbottwar funktioniert das noch. Bei uns hat der Generationswechsel geklappt, mit mehreren Leuten in der Vorstandschaft.“

Im GSV Kleinbottwar ein Urgestein

Beim GSV Kleinbottwar ist er ein Urgestein. Als Jugendtrainer im Handball machte er ab 1987 verschiedene Mannschaften fit, das 22 Jahre lang. 1993 wurde er Jugendleiter, fünf Jahre danach Erster Vorsitzender der Jugendspielgemeinschaft Bottwartal, beide Ämter bekleidete er bis 2002. „Ich wurde selbst im Verein groß, das Sozialverhalten untereinander, die Gemeinschaft hat mich begeistert. All das wollte ich weitergeben. Man gewinnt, lernt auch zu verlieren, ist Teil einer Mannschaft und erfährt, nur gemeinsam im Zusammenspiel erreicht man etwas.“ Auch seine zwei Söhne waren von Kind an dabei. Während einer im Handball aufstieg, landete der andere beim Schwimmen. Und seine Ehefrau kam ebenfalls über ihn zum Verein, legte die Trainerinprüfung ab, unterrichtete Aerobic.

Über seine Tätigkeit als Jugendleiter sei er schließlich zur Kommunalpolitik gekommen. „Ich merkte, dass man mehr für die Vereine tun kann, wenn man politisch mitarbeitet.“ Von 1994 an war er Ortschaftsrat in Kleinbottwar, fünf Jahre später parallel im Gemeinderat in Steinheim – und schließlich im Kreistag in Ludwigsburg bis 2014. „Ich war im Sozial- und Jugendhilfeausschuss, das gefiel mir, brachte mich menschlich und beruflich weiter.“

So etablierte Fähnle den Kooperationssport mit der „Schule an der Bottwar“ und verschiedenen Steinheimer Kinderhäusern: Seit 1994 lädt er einmal im Monat am Dienstagvormittag zum Kindersport in die Kleinbottwarer Halle. Zwei Stunden lang baut er zuvor mit Helferinnen und Helfer eine große Bewegungslandschaft auf mit Seilen, Kasten, Trampolinen, Bock, Elefantenmatte und mehr. „Momentan kommen 130 Kinder. Das werde ich machen, so lange die Kinder Freude haben und ich das körperlich kann. Da sehe ich viel Sinn dahinter – und es macht unglaublich Spaß.“ Auch den Förderverein „Schule an der Bottwar“ gründete er 1996 mit, war zunächst Beisitzer, dann Schriftführer, seit 2013 ist er Erster Vorsitzender. „Mein Anliegen war stets, sozial.“

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