67. Nobelpreisträgertreffen Mit der Chemie das Klima retten

Nachwuchswissenschaftler im Gespräch mit dem Chemie-Nobelpreisträger Mario Molina in Lindau am Bodensee. Foto: Christian Flemming/Lindau Nobel Laureate Meetings
Nachwuchswissenschaftler im Gespräch mit dem Chemie-Nobelpreisträger Mario Molina in Lindau am Bodensee. Foto: Christian Flemming/Lindau Nobel Laureate Meetings

Beim 67. Nobelpreisträgertreffen werben Laureaten für den Kampf gegen die globale Erwärmung. Das Treffen findet seit 1951 in Lindau am Bodensee statt.

Leben: Werner Ludwig (lud)
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Lindau - Bernard Feringa ist ein Experte für sehr, sehr kleine Dinge. 2011 hat der niederländische Chemieprofessor ein Nano-Auto mit Allradantrieb vorgestellt, das aus einem einzigen Molekül besteht und sich mithilfe von Lichtenergie fortbewegt. Im vergangenen Jahr wurde er für die Entwicklung der kleinsten Maschinen der Welt zusammen mit Jean-Pierre Sauvage und Fraser Stoddart mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet.

Am Dienstagmorgen sitzt Feringa kurz nach 7 Uhr in einem Saal des Hotels Bayerischer Hof in Lindau vor vielleicht 60 jungen Wissenschaftlern. Beim „Science Breakfast“ im Rahmen des 67. Treffens der Nobelpreisträger in der Stadt am Bodensee geht es um die Frage, wie sich Kohlendioxid zu Kraftstoffen oder anderen nützlichen Produkten recyceln lässt. Die Idee dahinter leuchtet ein: Man könnte so zumindest einen Teil des Treibhausgases wieder aus der Atmosphäre holen und den Klimawandel bremsen.

Grundlagenforschern wird oft vorgeworfen, sie würden über ihrer Arbeit an winzigen Details allzu leicht das große Ganze aus den Augen verlieren. Feringa gehört nicht in diese Kategorie. „Es geht nicht nur um CO2, sondern darum, wie wir insgesamt nachhaltiger produzieren können“, sagt der Chemiker – und nennt gleich ein weiteres globales Problem: den drohenden Mangel an dem Pflanzennährstoff Phosphat – ein Thema, das ihn als Bauernsohn besonders umtreibt. „Wir verteilen die begrenzten Phosphatvorräte der Erde nach und nach in den Ozeanen.“ Dort liege es dann in so großer Verdünnung vor, „dass es sich nur mit sehr viel Energie zurückholen lässt“. Tatsächlich wird die Möglichkeit, Phosphat bereits aus dem Abwasser zurückzugewinnen, bislang nur wenig genutzt.

„Wenn wir es nicht schaffen, wer dann?“

Beim Phosphat wie beim CO2 gehe es darum, „den Kreislauf zu schließen“, sagt Feringa. Um CO2 effizient recyceln zu können, ist sehr viel wissenschaftliche Detailarbeit nötig, denn das Treibhausgas ist eine sehr stabile Verbindung und hat daher wenig Lust, mit anderen Stoffen zu reagieren. Um das Molekül zu aktivieren, ist also relativ viel Energie nötig. Hier könnten bessere Katalysatoren helfen, die CO2 bereits bei niedrigen Temperaturen zu einer Reaktion bringen.

Endprodukte könnten etwa synthetisches Methan, Ethanol oder eben Kunststoffe auf CO2-Basis sein. Um dem CO2-Recycling zum Durchbruch zu verhelfen, seien hohe Investitionen nötig, sagt Feringa. „Europa muss hier die Führung übernehmen und ein großes, internationales Forschungsprogramm auflegen“, fordert der Nobelpreisträger. Beim Teilchenbeschleuniger Cern oder bei Großteleskopen habe das schließlich auch funktioniert.

Für die Jungforscher, die an seien Lippen hängen, hat Feringa eine gute Nachricht: Bei der Lösung fast aller globalen Probleme – Klimawandel, Ernährung oder Energieversorgung – sei die Chemie in einer Schlüsselposition. „Wenn wir es nicht schaffen, wer dann? Kommt schon!“

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