Warum für die Queen der Rasen grün gesprüht wurde und Jimi Hendrix für 9 Mark Leben veränderte: Eine neue Ausstellung im Stadtpalais feiert Stuttgarts Wahrzeichen.

Stadtkind: Petra Xayaphoum (px)

In den 70 Jahren seit ihrer Eröffnung haben der Stuttgarter Fernsehturm und die Liederhalle einiges erlebt. So wurde beim Besuch von Queen Elizabeth II. im Mai 1965, als der Frühjahrsrasen rund um das 217 Meter hohe Stuttgarter Wahrzeichen nicht zur vollen Zufriedenheit sprießte, kurzerhand in schwäbisch-pragmatischer Manier die Fläche grün angesprüht.

 

Wenige Jahre später, 1969, wurde die Liederhalle Austragungsort eines legendären Tourstopps des Gitarrengenies Jimi Hendrix, von dem Konzertgäste noch heute behaupten, es habe ihr Leben verändert. 9 Deutsche Mark hat das Ticket damals gekostet. Und Hendrix war nicht der einzige Superstar, der in der Konzerthalle am Berliner Platz für Fanmassen gesorgt hat: Von Maria Callas bis Hildegard Knef waren sie alle da.

Davon zeugen Auszüge aus dem Gästebuch der Liederhalle, die in der am Donnerstag feierlich eröffneten Jubiläumsausstellung „Höhenrausch und Lampenfieber: 70 Jahre Fernsehturm und Liederhalle“ im Stadtpalais präsentiert werden. „Beide Bauwerke stehen dafür, wie Technik und Kultur eine Stadt prägen können, nicht nur visuell, sondern auch emotional“, formuliert Liederhallen-Leiterin Meike Poweleit es treffend in ihrer Eröffnungsrede.

Qualitätssiegel von Nopper wurde schon vergeben

Anderthalb Jahre hat die Konzeption der Ausstellung, an der SWR und Liederhalle zusammengearbeitet haben, gedauert. Das Ergebnis lässt sich sehen, findet auch Oberbürgermeister Frank Nopper, der es sich nicht nehmen lässt, nach den Feierlichkeiten noch eine Stunde durch die Ausstellung im Saal Marie zu gehen.

Oberbürgermeister Frank Nopper und Liederhallenleiterin Meike Poweleit beim Begehen der Ausstellung. Foto: Petra Xayaphoum

Zu erfahren gibt es dort über die beiden Bauwerke, auf die 1956 die ganze (Architektur-)Welt anerkennend und auch ein bisschen neidisch geschielt hat, während Stuttgarter sich für sie Spitznamen wie „Bohnenstange mit Bienenkorb“ ausgedacht haben, nicht nur Kuriositäten à la Sprührasen, sondern auch Historisches und längst Vergessenes.

Kinder wurden (auch beim Fernsehturm) mitgedacht

Dass dabei Kinder mit auf ihrer Augenhöhe angebrachten bunten Infotafeln insbesondere mitgedacht wurden, hätte den Fernsehturm-Architekten Fritz Leonhardt sicherlich besonders gefreut. Immerhin hat der Familienvater bei seinem eigenen Bau extra für die Kleinen der Gesellschaft eine zweite Plattform konstruiert, mit deren Hilfe auch sie über die Brüstung in die Ferne schauen können.

Besonders eindrucksvoll sind auch die Architekturfotografien sowie das Holzmodell der Liederhalle. Sie zeigen die Stuttgarter Konzerthalle in einem anderen Licht, frei vom untrüglichen Charme des Berliner Platzes, den man als gemeiner Stuttgarter beim Vorbeispazieren selten ausblenden kann.

Sechs Wochen, bis zum 12. April, kann die Ausstellung noch kostenfrei im Stadtpalais besucht werden. Zur Langen Nacht der Museen am 21. März gibt es neben den laufenden Ausstellungen außerdem ein Jubiläums-Quiz zu den beiden prestigeträchtigen Bauwerken, zu dem Michael Engelmann von den SWR Media Services in seiner Eröffnungsrede herzlich einlädt.