Ein Lebensmittelkontrolleur überprüft bei einer Betriebskontrolle die Temperatur eines Nudelgerichts. Foto: picture alliance/Uwe Anspach/dpa
Was bei Kontrollen der Veterinär- und Lebensmittelüberwachung im Kreis Esslingen zutage kommt, ist mitunter alles andere als appetitlich. Viele Betriebe arbeiten aber sauber.
Petra Pauli
18.01.2026 - 18:00 Uhr
Lebensmittelkontrolleure stellen immer wieder Hygieneverstöße in Restaurantküchen oder Imbissen fest. Wie das Landratsamt auf Anfrage mitteilt, hat die Veterinär- und Lebensmittelüberwachung im Kreis Esslingen im vergangenen Jahr 4334 lebensmittelrechtliche Kontrollen durchgeführt. Insgesamt wurden dabei 3278 Betriebe überprüft. Mit 2523 Kontrollen fand der Großteil in Gastro- und anderen Dienstleistungsbetrieben statt, gefolgt vom Einzelhandel mit 1303 Kontrollen. Aber auch Erzeuger, Abpacker oder Transporteure wurden inspiziert. Insgesamt kam es bei 746 Betrieben zu formalen Beanstandungen. „Diese reichten von einfachen Mängeln bei Kennzeichnung, Sauberkeit oder Zusammensetzung bis hin zu gravierenden Hygieneverstößen“, heißt es weiter.
Bei gravierenden Mängeln müssen unter Umständen Betriebe zeitweise schließen und dürfen erst nach Beseitigung der Verstöße wieder öffnen. Seit 2018 sind die Behörden verpflichtet, öffentlich zu machen, wenn Gastronomiebetriebe bei Kontrollen durch erhebliche Hygienebeanstandungen auffallen. Diese Listen, die häufig auch als „Gastropranger“ tituliert werden, sind dann auf den Webseiten der Landratsämter abrufbar.
Bei manchen Einträgen sollte man selbst beim Lesen einen robusten Magen haben. Ein schlecht geputztes Mitarbeiter-WC ist da noch eine der harmloseren Verfehlungen. Immer wieder ist jedoch von Dreck oder Tierkot die Rede, der dort gefunden wurde, wo man davon ausgehen sollte, dass frisches Essen für zahlende Gäste zubereitet wird. Voraussetzung für die Veröffentlichung ist dem Landratsamt zufolge ein zu erwartendes Bußgeld in Höhe von mindestens 350 Euro oder eine Sanktionierung wegen einer Straftat.
Auf den Seiten werden dann auch der Name des Betriebs und das Datum der Kontrolle genannt. Außerdem werden die vorgefundenen Mängel aufgelistet. Entlastende Angaben für den Betrieb werden in der Spalte „Hinweise“ aufgenommen, zum Beispiel, dass beanstandete Lebensmittel noch vor Ort entsorgt wurden oder dass eine Nachkontrolle keine Beanstandungen mehr ergeben hat. Nach sechs Monaten muss der ganze Eintrag wieder gelöscht werden.
Alles blitzblank? Foto: Horst Rudel
Im Jahr 2025 waren dem Landratsamt zufolge insgesamt 15 Betriebe aus dem Landkreis Esslingen in dem Portal veröffentlicht. Zuletzt waren noch vier Einträge im „Gastropranger“ nachzulesen. Bei einem Pizzalieferdienst in Wolfschlugen wurden 19 teils erhebliche Mängel festgestellt, die erst nach mehreren Anläufen beseitigt wurden. Unter anderem entdeckten die Prüfer lebende und tote Schaben. Insgesamt waren Bereiche des Betriebs und einige Gegenstände schlecht gereinigt. Im Kühlraum standen rostige Regale und unreine Kartonagen. In einer Ecke hinter der Tür lagerte zudem ein nicht verpackter Puten-Drehspieß. Eine Vielzahl der bei der Kontrolle gefundenen Lebensmittel war zudem nicht mehr für den menschlichen Verzehr geeignet, so die Lebensmittelkontrolleure. Sie kritisierten außerdem die irreführende Bezeichnung von „Döner“, die der Betrieb verwendet habe. Ein Döner müsse aus Rind- oder Lammfleisch bestehen. Tatsächlich habe es sich hier jedoch um einen „Puten-Drehspieß“ gehandelt, der auch so bezeichnet werden müsse.
Bei einer Routinekontrolle in einem Imbiss in Esslingen wurde unter anderem Mäusekot unter dem Spülbecken gefunden. Im Kühlraum des Betriebs waren sowohl die Ventilatorengitter als auch die Regale verschmutzt und wiesen augenscheinlich Schimmelbildung auf. In einem Asia-Restaurant in Esslingen stellten die Kontrolleure 18 teils gravierende Mängel fest. Unter anderem entdeckten sie in der verschmutzten Sushi-Küche des Betriebs einen starken Schabenbefall. Zur Beseitigung mussten die Betreiber einen professionellen Schädlingsbekämpfer hinzuziehen. Weitere Räume des Lokals waren verdreckt. Selbst der Geschirrspüler war nicht sauber und innenseitig mit einem Schmierfilm behaftet. In einem Kebab-Laden in Kirchheim wurde Frittierfett verwendet, das nicht mehr genießbar war.
Kontrollen Im Landkreis Esslingen sind 15 Lebensmittelkontrolleurinnen und -kontrolleure im Einsatz, wie das Landratsamt mitteilt. Sie tauchen in der Regel unangekündigt in den Betrieben auf. Wurden bei den Routinekontrollen Hygienemängeln festgestellt, gibt es Nachkontrollen, um zu überprüfen, ob die Missstände in dem jeweiligen Betrieb behoben sind. Proben von verdächtigen Lebensmitteln werden meist im Chemischen- und Veterinäruntersuchungsamt analysiert.
Gastropranger Seit 2018 sind die Landratsämter dazu verpflichtet, die Namen von Betrieben zu veröffentlichen, in denen Hygienemängel festgestellt wurden. Der Eintrag wird nach einem halben Jahr gelöscht. Die Listen, die oft auch als „Gastropranger” bezeichnet werden, sind für den Kreis Esslingen und die anderen Landkreise auch auf der Homepage des Verbraucherschutzministeriums Baden-Württemberg zu finden.