75 Jahre Bibliothek in Stuttgart-Vaihingen Medien und Spielzeug im Wandel der Zeit

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Die Stadtteilbibliothek am Vaihinger Markt feiert ihr 75-jähriges Bestehen. Neben einer Ausstellung mit Exponaten aus den Weltkriegsjahren bis heute sind diverse Veranstaltungen geplant. Azubis werfen zudem einen Blick in die Zukunft des Büchereiwesens.

In der Villa am Stadtpark hat alles angefangen: Dort wurde die Bücherei Vaihingen 1942 gegründet. Die Bibliotheksleiterin Andrea Schiller und Harald Marquart von Kultur am Kelterberg blicken auf die historischen Fotos. Foto: S. Hintermayr
In der Villa am Stadtpark hat alles angefangen: Dort wurde die Bücherei Vaihingen 1942 gegründet. Die Bibliotheksleiterin Andrea Schiller und Harald Marquart von Kultur am Kelterberg blicken auf die historischen Fotos. Foto: S. Hintermayr

Vaihingen - An das Sandmännchen erinnern sich die meisten. Mit seiner roten Mütze und dem Spitzbärtchen wünschte er den Kindern seit 1959 eine gute Nacht. Genau genommen gab es zwei Sandmännchen, eines aus Westdeutschland und eines aus Ostdeutschland. „Das ist eines der wenigen Beispiele, in denen sich das Ost-Produkt gegen das West-Produkt durchgesetzt hat“, erläutert Manfred Nagl, emeritierter Professor für Medienwissenschaft an der Hochschule der Medien (HdM). Er hat eine ganze Reihe an Leseheften, Fibeln, Brettspielen, Sammelkarten und -figuren in den Uhlandsaal der Stadtbibliothek am Vaihinger Markt 6 gebracht. Die ältesten Objekte stammen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, über Kassettenrekorder und Tamagotchis reicht die Sammlung bis hin zu sprechenden Kuscheltieren und Puppen aus den 2000er Jahren.

Ein Blick in die virtuelle Realität

Die Ausstellungsstücke kommen aus dem Fundus der HdM, über 4000 Exponate finden sich nach Angaben Nagls in den Archiven. Sie zeigen die Welt der Spielsachen und Medien im Wandel der Zeit. Die ältesten Sammlerstücke stammen aus dem 19. Jahrhundert. „Für das 75-Jahr-Jubiläum der Vaihinger Bücherei steigen wir mit dem Dritten Reich in die Ausstellung ein“, sagt Nagl. Denn mitten im Zweiten Weltkrieg, am 16. März 1942, wurde die Bücherei in einer Villa am Stadtpark gegründet. Allerdings bestand die erste Bücherei in Vaihingen lediglich wenige Monate, sie fiel im November einem Bombenangriff zum Opfer. Wiedereröffnet wurde die Bibliothek dann unter dem Namen Ludwig-Uhland-Bücherei an der Robert-Koch-Straße 21. In den 80er Jahren folgte der Umzug an den heutigen Standort am Vaihinger Markt.

Neben der Ausstellung „Kindermedienwelten“ und Dokumenten und Fotos aus den vergangenen 75 Jahren sind Vorträge, Stadtteilrundgänge und Theaterstücke geplant. Am Freitag, 10. November, gestalten Auszubildende der Stadtbibliothek Stuttgart einen Zukunftsaktionstag, bei dem die Besucher auch mit Virtual-Reality-Brillen Einblicke in neue Techniken erlangen können. „Damit wollen wir einen Blick in die Zukunft des Büchereiwesens werfen“, sagt Andrea Schiller, die Leiterin der Bücherei am Vaihinger Markt.

Stadtrundgang zum alten Büchereistandort

Am Samstag, 18. November, ist Familientag von 11 bis 15 Uhr. Kinder können sich auf der Suche nach einem Piratenschatz begeben und an einer Olchi-Rallye teilnehmen. Walter Bartelmess vom Bürgerverein Vaihingen und Harald Marquart vom Verein Kultur am Kelterberg führen Interessierte durch Vaihingen, vorbei am alten Standort der Bücherei bis zur Alten Kelter. „Im Stadtpark werden wir auf die Kunstwerke im öffentlichen Raum eingehen, in der Kelter die Retrospektive unseres Gründungsmitglieds Hanni Serway besichtigen“, sagt Marquart.

Finanziell unterstützt werden die Feierlichkeiten und Aktionen anlässlich des 75-Jahr-Jubiläums der Bibliothek vom Bürgerverein sowie dem Förderkreis Kinder-Jugend-Bildung (KJB). „Es freut uns, dass wir uns an dem Jubiläum beteiligen können“, sagt Frank Otto Huber, der in beiden Vereinen Mitglied ist. Das Team der Bücherei ist froh über diese Unterstützung. „Ohne Ihre Hilfe wäre das alles nicht möglich gewesen“, sagt Ulrike Seiwald, die stellvertretende Bibliotheksleiterin.

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