75 Jahre Mann+Hummel Vom Weltkriegskind zum Weltkonzern

Der Filterhersteller Mann+Hummel hat zum Jubiläum eine Firmenchronik herausgegeben. Darin wird die ungewöhnliche Erfolgsstory zweier Quereinsteiger erzählt, die nun 75 Jahre währt.

Eine Fertigungsstraße für Luftfilter bei Mann + Hummel in den 60er Jahren Foto: Mann + Hummel 14 Bilder
Eine Fertigungsstraße für Luftfilter bei Mann + Hummel in den 60er Jahren Foto: Mann + Hummel

Ludwigsburg - Jedes Unternehmen, das etwas auf sich hält, gibt zu einem runden Jubiläum eine Firmenchronik heraus. Beim Ludwigsburger Filterhersteller Mann + Hummel ist das nicht anders. Weil der Autozulieferer 75 Jahre alt wird, gibt es nun einen üppigen Hochglanzband, der die vielschichtige Geschichte des mittlerweile weltweit operierenden Konzerns erzählt. Und in Anbetracht von nun 16 000 Mitarbeitern an mehr als 60 Standorten könnte man durchaus von einer Erfolgs­geschichte sprechen.

Von den bescheidenen Anfängen im Jahr 1941 an als Fertiger von Filtern, Textilien, Armaturen und Kochtöpfen hin zum international agierenden Technologiekonzern heute liefert die Chronik einen Abriss der Unternehmensgeschichte, die immer in den Kontext der deutschen Wirtschaftsgeschichte eingebettet wird. Den Auftrag zur Erstellung der Chronik bekam die Geschichtsagentur „Die Firmenhistoriker“ in Aalen. Diese sichtete und digitalisierte umfangreiches Material aus diversen öffent­lichen und privaten Archiven.

Die Chronik ist keine pure Chronologie

Dabei betet die Chronik nicht einfach die Chronologie herunter. Eingestreut werden Zeitzeugengespräche, beispielsweise mit dem ehemaligen Vorsitzenden der Geschäftsführung, Erich Bracher, dem früheren Kantinenchef sowie der letzten Sekretärin des Mitgründers Adolf Mann. „Das ist der Vorteil an einem Unternehmen, das erst 75 Jahre alt ist: Man kann noch mit Zeitzeugen sprechen“, sagt Gerd Heimisch. Er ist freischaffender Autor, Historiker und Marketingexperte und hat die Texte der Chronik verfasst. Adolf Mann dürfte den Lesern der Stuttgarter Zeitung auch wegen der Serie „Liebe Daisy“ in Erinnerung sein: Mann schrieb im Ersten Weltkrieg als Soldat viele Briefe an seine Frau, von denen die Stuttgarter Zeitung eine Reihe abgedruckt hat.

Den 56-jährigen Heimisch aus Kirchheim/Teck haben bei der achtmonatigen Arbeit an der Chronik vor allem die unkonventionellen Werdegänge der Firmengründer überrascht: Adolf Mann war Mathematiklehrer, Erich Hummel Jurist, als die beiden Quereinsteiger 1938 das Stuttgarter Textil-Traditionsunternehmen Bleyle übernahmen, um kurz darauf auf ein ganz anderes Produkt umzusteigen: die kriegswichtige Fertigung von Filtern für Motoren, welche die Firma Mahle wegen Kapazitätsproblemen auslagern musste.

Im Krieg entwickelte man Staubfilter für Panzer im Afrika-Feldzug

Mann + Hummel ist insofern ein „Kind des Krieges“, und man muss es den Machern zugutehalten, dass sie auch die finsteren Kapitel des Unternehmens nicht verschweigen: So kooperierte die Versuchs­abteilung mit der Wehrmacht, als es darum ging, zuverlässige Staubfilter für die Panzer des Afrika-Feldzugs zu entwickeln. Am Ende des Krieges beschäftigte die Firma in Ludwigsburg 200 Zwangsarbeiter. „Dieses Buch ist kein Hochglanz-Marketingprodukt, die Darstellung folgt den Höhen und Tiefen der Unternehmensentwicklung“, sagt die Firmensprecherin Miriam Teige.

Für Technikbegeisterte besonders interessant sind allerdings bemerkenswerte Informationen am Rande, beispielsweise, dass Mann + Hummel den Luftfilter des legendären Autos Ro 80 mit Drehkolbenmotor entwickelte oder dass Filter der Firma in dem pusteblumenförmigen Brunnen an der Stuttgarter Königstraße verhindern, dass dieser durch Müll verstopft.

Für die Firmenhistoriker und Gerd Heimisch ist das fertige Buch noch nicht das Ende des Auftrags: Sie arbeiten derzeit an einer Unternehmensausstellung, die Mann + Hummel im neuen Innovationszentrum in der Ludwigsburger Weststadt in einem eigenen Museum zeigen möchte. Die Einweihung des neuen Firmenhauptsitzes soll am 1. September sein. Bis dahin sollen auch alle Mitarbeiter aus dem mittlerweile verkauften Werk 1 an der Hindenburgstraße umgezogen sein.